"Ja, Ulm ist eine schöne Stadt", antwortete Baubürgermeister Alexander Wetzig am Sonntag bei einer Architektur-Debatte im Roxy auf eine entsprechende Frage - und niemand wollte oder konnte ihm widersprechen. Denkmalschützer Dr. Günter Kolb vom Regierungspräsidium in Tübingen ging sogar einen Schritt weiter in seinem Lob über die Ulmer Stadtplanung und -gestaltung und attestierte vor etwa 100 Zuhörern, "Ulm hat ein wenig Weltläufigkeit."

Ulmer Architektur: zwischen Baukunst und Wohnkultur, lautete das Thema der von SÜDWEST PRESSE-Redakteurin Dana Hoffmann moderierten Veranstaltung. Und in einem Punkt waren sich alle vier Redner auf dem Podium - zu Wetzig und Kolb auch noch Architekt Peter Fink und Architektin und Stadträtin der Grünen, Annette Weinreich - einig: die Verbindung von Alt und Neu, von Tradition und Moderne ist in Ulm rundum gut gelungen. Dies als Architekt umzusetzen sei in Ulm zwar eine Herausforderung, sagte Fink, aber eine, für die es beispielsweise von der Stadtverwaltung große Freiheiten gebe, moderne Gebäude in gewachsene Strukturen einzufügen.

Allein bei der Frage der Bürgerbeteiligung gingen die Sichtweisen dann doch etwas auseinander. Denn nicht in allen Fällen würde dies ähnlich gut funktionieren, wie bei der Umgestaltung der Neuen Mitte vor Jahren, bemängelte Stadträtin Weinreich. Sie sieht zudem eine gewisse "Abriss-Mentalität" und plädiert für eine behutsame Stadterneuerung. Nicht alle der so genannten Skelett-Bauten der 50er und 60er-Jahre müssten beseitigt werden, es gebe durchaus Möglichkeiten, auch diese Bausubstanz den energetischen Anforderungen der Zeit anzupassen.

Ein gelungenes Beispiel hierfür sieht der Denkmalschützer Kolb in der Sanierung der Fachhochschule, also des Behnisch-Baus, der in den vergangenen zehn Jahre sehr gut angepasst worden sei. Ganz grundsätzlich gehe es dabei um den Wunsch, die Stadt nicht immer nur an den Rändern zu erweitern, sondern vor allem im Inneren zu verdichten. Ohne Eingreifen der Stadt wäre auf dem Areal der Schwabengarage an der Marchtalerstraße ein Supermarkt gebaut worden. Jetzt entstehen dort Wohnungen, lobte Fink.

Bei aller Anerkennung über die in Ulm geförderte Baukunst, gibt es Kritik am Wohnungsbau. Tatsächlich, räumte Wetzig ein, sei da in den letzten Jahren zu wenig getan worden. Im "Land der Häuslebauer" stand der Mietwohnungsbau nicht gerade im Fokus. Dennoch gebe es ein breites Angebot in der Stadt, in der nicht nur teure Wohnungen gebaut werden, wie manche Kritiker sagen.

Ein Eindruck, dem sich Annette Weinreich nicht anschließen wollte. In Ulm gebe es nur 2000 sozial geförderte Wohnungen, der Bedarf liege aber bei 7500. Und auch bei der Ulmer Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft (UWS) zeige sich der große Bedarf. Etwa 1300 Anfragen nach bezahlbaren Wohnungen gebe es jährlich, vergeben würden gerade einmal 400. Allein vor diesem Hintergrund bemängelte die Bundestagskandidatin der Grünen vehement, dass die Stadt keinen Antrag an das Land gestellt habe, in das Wohnraumförderprogramm aufgenommen zu werden.

Ein Punkt, an dem Wetzig nicht groß widersprechen konnte. Er sprach der grün-roten Landesregierung allerdings zu, mit der Neuregelung auf dem richtigen Weg zu sein und die Richtlinien deutlich entbürokratisiert zu haben. Wetzig: "Die jetzige Regierung hat da eine große Altlast übernommen."