Vinkovci /Ulm Archäologische Fundgrube am kroatischen Donauufer

Europas ältester Kalender? Kroatische Archäologen erkennen in diesem Gefäß aus der Kupferzeit die vier Jahreszeiten und ihre Sternbilder.
Europas ältester Kalender? Kroatische Archäologen erkennen in diesem Gefäß aus der Kupferzeit die vier Jahreszeiten und ihre Sternbilder. © Foto: DZM
Vinkovci /Ulm / HENNING PETERSHAGEN 23.04.2016
Seit 8000 Jahren ohne nennenswerte Unterbrechung besiedelt: Damit erhebt Vinkovci den Anspruch auf den stolzen Titel "älteste Stadt in Europa".

Etwa 20 Kilometer von der Donaustadt Vukovar entfernt liegt die kroatische Stadt Vinkovci. Ihre archäologischen Schätze sind derzeit im Donauschwäbischen Zentralmuseum zu besichtigen: eine Fülle von Zeugnissen unglaublich vieler Kulturen von der Jungsteinzeit bis zur Sozialistischen Republik Kroatien.

Was hat Ulm mit Vinkovci zu tun? Ganz einfach: Eine der vielen ethnischen Gruppen, die sich dort während der letzten 8000 Jahre niedergelassen haben, bestieg im 18. Jahrhundert in Ulm die Schiffe, um sich flussabwärts anzusiedeln: die Donauschwaben. Sie sind ein Glied in der langen Kette der Völker, die dort ihre Spuren hinterlassen haben.

Warum gerade dort, am Westufer der Donau? Das liegt an den naturräumlichen Gegebenheiten. Das Gebiet liegt auf einer fruchtbaren Lössterrasse, die im Westen begrenzt war durch undurchdringliche Wälder und Sümpfe. Der einzige Durchgang befand sich in diesem Bereich, der daher strategisch wichtig war.

Hier machten um 6300 v. Chr. die ersten jungsteinzeitlichen Ackerbauern halt, als sie sich von Anatolien nach Westen aufmachten. Sie bauten im heutigen Stadtzentrum von Vinkovci ihre Grubenhäuser. Von den Hockergräbern, worin sie ihre Toten beisetzten, wurden 24 gefunden. Außerdem haben sie getöpferte Kultgegenstände hinterlassen wie vierbeinige Opferschalen, Tierplastiken und abstrakte Menschengestalten in betender Haltung.

An derselben Stelle siedelten sich danach in mehreren Einwanderungswellen so viele weitere Kulturen an, dass sich im Lauf der Jahrtausende ein Siedlungshügel bildete. Der wurde zu einer höchst ergiebigen Fundgrube für die Archäologen des 18. bis 21. Jahrhunderts.

Sie fanden Zeugen des technischen Fortschritts, der auf die Jungsteinzeit die Kupferzeit folgen ließ, während der auf dem Siedlungshügel eine der ersten bisher weltweit bekannten Serienproduktionen von Metall stattfand. Davon zeugen zweiteilige Tonformen, die der Herstellung von Kupferäxten diente.

Aus derselben Kulturepoche stammt ein kunstvoll verziertes Tongefäß. Die darauf abgebildeten Symbole sind in vier horizontale Linien geordnet, welche die kroatischen Archäologen als die vier Jahreszeiten deuten. In den rechteckigen Symbolen erkennen sie die markantesten Sternbilder, woraus sie schließen, dass das Ganze einen Kalender darstellt, der damit einer der ältesten Europas wäre - und somit das Glanzstück der Ausstellung, die mit diesem Gefäß für sich wirbt.

Natürlich waren auch die Römer in "Cibalae", wie sie die Stadt nannten. Sogar zwei ihrer Kaiser, Valentinian I. und Valens, sind dort geboren. Es folgten Hunnen, Gepiden, Langobarden, Awaren, Slawen, Ungarn, dann die Osmanen und schließlich, unter den Habsburgern, unter anderem die Donauschwaben.

Info Vinkovci - Schnittpunkt der Kulturen. Bis 18. September im Donauschwäbischen Zentralmuseum (Schillerstr.1): Di-So 11-17 Uhr.

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