Oberfahlheim Arbeiten von Marlis Albrecht und Gerhard Pflugfelder

Alte Technik, frappierende Wirkung: Marlis Albrecht mit einem ihrer Enkaustik-Bilder im Museum für bildende Kunst in Oberfahlheim. Foto: Otfried Käppeler
Alte Technik, frappierende Wirkung: Marlis Albrecht mit einem ihrer Enkaustik-Bilder im Museum für bildende Kunst in Oberfahlheim. Foto: Otfried Käppeler
OTFRIED KÄPPELER 26.06.2013
Das Künstlerpaar Marlis Albrecht und Gerhard Pflugfelder stellen, jeder für sich, in Oberfahlheim aus: Im Kabinett zeigt Pflugfelder gedrechselte Gefäße, Marlis Albrechts Malerei findet man im Erdgeschoss.

Unterschiedlicher könnte die künstlerische Haltung kaum sein, als Marlis Albrechts Malerei mit Wachs und Pigmenten und Gerhard Pflugfelder mit gedrechselten Gefäßen. Letzterer zeigt mit seinen elegant aus dem Holz geformten, bisweilen vergoldeten oder rot gefassten Gefäßen im Kabinett des Museums Kunsthandwerk, das dem Holz vor lauter glatt gedrechselter Eleganz schon wieder zu viel abverlangt.

Marlis Albrechts figurative Malerei in den Räumen im Erdgeschoss des Museums für bildende Kunst in Oberfahlheim zeigt eine klare Haltung, was das Zusammenspiel von Technik und Form und dem daraus resultierenden Inhalt betrifft. Bei der Eröffnung der Ausstellung wurden die Redner nicht müde, die einmalige Technik der 1956 in Ludwigsburg geborenen und heute in Möglingen lebenden Künstlerin zu betonen.

Dazu ist zu sagen, dass die Enkaustik schon älter ist als die Ölmalerei und eine Technik allein keine künstlerische Relevanz hat. Allerdings gelingen Marlis Albrecht damit doch erstaunliche Porträts, etwa von jungen Frauen in Nahsicht und frontaler Perspektive.

Das spezifische Malverfahren mit pigmentiertem Wachs, das auf den Bildträger geschüttet, gespachtelt oder mit dem Pinsel gemalt wird, erzeugt eine transparente Oberfläche, die zwischen zarter Haut und freier Malerei changiert.

Sowieso kann sich der Betrachter von der direkten Art, wie hier die Figuren unumwunden den Betrachter ins Visier nehmen, kaum lösen. Auch die Figurengruppen - bei Paaren haben die beiden auf schmalstem Hochformat kaum Platz für eigene Entfaltung - treten untereinander nicht in visuellen Kontakt. Alle blicken zum Betrachter hin. Und der Blick ist kein fröhlicher, sondern ein melancholischer, als wären die Figuren bei aller Ironie und Komik, die bisweilen auch aufblitzt, doch Gefangene in ihrer Bilder-Welt.

Manchmal überzieht Marlis Albrecht die technische Virtuosität etwas, wenn sie etwa einem Mann einen mit dichten, bunten Ornamenten verzierten Pullover verpasst oder in expressiver zeichnerischer Entladung sehr unvermittelt ein florales Gebilde neben eine Frau setzt. Trotzdem: Die Figurenwelt dieser Künstlerin zieht den Betrachter in Bann, und sie kann ihn doch auch aufheitern, wenn eine weibliche Figur eine skurrile Heiterkeit ausstrahlt, wie etwa in "Rieselhilfe".

Info Die Arbeiten von Marlis Albrecht und Gerhard Pflugfelder sind bis 8. September im Museum für bildende Kunst in Oberfahlheim (Alte Landstraße 1a) zu sehen: Di 16-20, Sa/So 13-17 Uhr.