Ulm App für Touristen: Das alte Ulm neu im Netz

SQRIBE - die neue App für die Stadt Ulm.
SQRIBE - die neue App für die Stadt Ulm. © Foto: SWP
JAKOB RESCH, UWE KEUERLEBER 19.04.2016
Ulm hat eine neue App für Touristen: die SQRIBE-App. Dahinter versteckt sich ein Pilotprojekt. <i> Test: Onlineredakteur Uwe Keuerleber hat sich die App genau angeschaut.</i> <i>Mit einem Kommentar von Jakob Resch: Atemlos.</i>
Im Ulmer Museum ist am Dienstag eine App präsentiert worden, die mehr bietet als trockenen Lexikontext. In kurzen Filmen wird unterhaltsam die Geschichte von 20 Sehenswürdigkeiten präsentiert, auf Deutsch und Englisch. Auftraggeber ist die Ulm-Neu-Ulm Touristik, Zulieferer das Ulmer Stadtarchiv, Texter Ex-SWP-Redakteur Henning Petershagen. Ein GPS-gestützter Stadtplan mit Lage der Sehenswürdigkeiten unterstützt das neue Angebot, das vor Ort wiederum über QR-Codes abzurufen ist. Weiter geht es außerdem zu Gaststätten und kulturellen Einrichtungen. Das Kunstwort SQRIBE verknüpft scribe, den Stadtschreiber, mit QR für schnelle Antwort. Das Ganze ist ein Pilotprojekt, das Abnehmer in vielen Städten mittlerer Größe finden soll. Die App steht im App-Store von Apple und in Google Play und ist ab sofort kostenlos abrufbar.

Die App im Test
Onlineredakteur Uwe Keuerleber hat sich die App genau angeschaut. Hier seine Einschätzung:
Was genau kann diese App? Da wäre zunächst ein Mal die Installation. Nach dem Herunterladen aus dem App-Store und der Installation auf einem iPhone4, gab es schon die ersten Probleme mit der Darstellung. Erst nach einer erneuten Installation wurde das Menü korrekt angezeigt. 

Außer einem einfachen Einstellungs- und Hilfemenü, gibt es fünf weitere Punkte. Der Besucher kann sich 20 Sehenswürdigkeiten aussuchen, die entweder nach Relevanz, Kategorie oder alphabetisch aufgelistet sind. Neben dem Ulmer Münster kann man sich zum Bespiel über das Schiefe Haus oder auch die Nikolauskapelle informieren. Will ich allerdings mehr über eine Sehenswürdigkeit erfahren, öffnet sich sofort ein Video und ich habe Probleme, auf die Hauptnavigation zurückzukehren. Denn erst wenn ich beim Videofenster "zurück zur Sehenswürdigkeit" geklickt habe, komme ich auf den für mich wichtigeren Teil, den genauen Beschreibungen und Fotos. 

Ich kann mir meinen Standort anzeigen lassen und mich über Restaurants, Hotels und Kulturelles informieren. Dabei werde ich auf die Touristikwebseite von Tripadvisor, beziehungsweise auf die Tourismusseite der Stadt Ulm weitergeleitet. Desweiteren bietet mir die App die Möglichkeit, QR-Codes zu scannen. Das funktioniert aber nur, wenn die Stadt auch an den entsprechenden Sehenswürdigkeiten einen QR-Code angebracht hat. 

Da es sich bei dieser App noch um ein Pilotprojekt handelt, darf man auch nicht zuviel erwarten. Bis dahin nutze ich lieber den gedruckten Reiseführer und verzichte auf Video und QR-Scanner. 

Kommentar von Jakob Resch: Atemlos

Mit dem Tourismus war es früher so: Manche Gegenden und Städte hatten einen. Andere dafür Industrie. Oder so. Alles ganz anders heute. Heute buhlen alle um eine mit größerer Freizeit, üppigerem Privatbudget und rüstigerem Alter reiselustiger gewordene Gesellschaft und das in einer immer mobiler gewordenen Welt. Städtetourismus ist dabei seit Jahren eine boomende Größe. Auch Ulm macht mit und lebt nicht schlecht davon.

Abgesehen davon, dass alle mit Flugzeug, Auto oder Fahrrad mobiler geworden sind, um irgendwo hinzukommen, sind sie jetzt auch noch alle mobiler bei der Verfügbarkeit von Informationen. Internet und Smartphone machen es möglich. Und der Wettbewerb um Touristen wird noch atemloser.

Ulm ist im Rennen mit einer neuen App. Der Tourismus-Chef aber ist klug genug zu wissen, dass diese Technik morgen schon wieder von vorgestern sein kann. Die eigentliche Kunst ist ohnehin, nicht nur jüngere - wie längst ältere - Menschen mit den jüngsten Angeboten zu gewinnen. Sondern gleichzeitig die Bremse reinzuhauen und ein Gefühl der Gemütlichkeit zu wahren. Sprich: Damit das Leben in Ulm bei Besuchern auch authentisch und nicht aufgesetzt rüberkommt, sollten vor allem noch ein paar Ulmer selbst in der Stadt geblieben sein und sich hier wohlfühlen - und nicht ihrerseits woanders hingefahren sein. Das spräche sich womöglich rum.

Heiliges Stadtmarketing! Tourismusbeauftragter will man 2016 lieber nicht sein.