Krebstherapie Krebstherapie mit Methadon: Anzeige wegen fahrlässiger Tötung

Ulm/Hamburg / ruk 06.12.2017
Der Ulmer Rechts­mediziner Prof. Erich Miltner will den Tod einer Patientin klären lassen, die mit Methadon behandelt wurde.

Prof. Erich Miltner, Ärztlicher Direktor des Instituts für Rechtsmedizin an der Universität Ulm, hat Anzeige wegen fahrlässiger Tötung bei der Staatsanwaltschaft Hamburg erstattet. Hintergrund ist der Tod einer 57-jährigen Krebspatientin; die Frau soll aufgrund einer Methadon-Therapie gestorben sein. Dieser Fall ist in der August-Ausgabe des Deutschen Ärzteblatts beschrieben, der Titel des Artikels lautet: „Methadon in der Onkologie – Strohhalmfunktion ohne Evidenz“. Dieser Artikel habe dazu geführt, dass sich behandelnde Ärzte scheuen, Methadon in der Krebstherapie anzuwenden, heißt es in einer Pressemitteilung des von Miltner beauftragten Rechtsanwaltsbüros. Den Ulmer Rechtsmediziner und dessen Kollegin, die Chemikerin Dr. Claudia Friesen, erreichten „täglich zahlreiche Anfragen besorgter Patienten, deren Arzt eine Verschreibung aufgrund dieses angeblichen Gesundheitsrisikos ablehnt“. Miltner und Friesen wollten am Dienstag auf Anfrage keinen Kommentar abgeben.

Lesen Sie hierzu: Fragen und Antworten zu Methadon

Wie aus gut unterrichteten Kreisen zu erfahren ist, werden die beiden Ulmer Wissenschaftler indirekt mit dem Tod der 57-Jährigen in Verbindung gebracht, um den Wirkstoff Methadon zur Unterstützung und Verstärkung einer konventionellen Chemotherapie bei Krebserkrankungen in Verruf zu bringen. Auf Ärztekongressen sei vor allem Dr. Friesen, die seit Jahren die Wirksamkeit von Methadon in der Krebstherapie erforscht, persönlich attackiert und für diesen Tod verantwortlich gemacht worden.

Hochtoxische Dosis

Miltner habe bei einer Überprüfung des Fallberichts festgestellt, „dass eine erhebliche Medikamentenüberdosierung für den Tod verantwortlich war“. Die Rede ist vom Drei- bis Vierfachen der Tageshöchstdosis, „was eine hochtoxische Dosis darstellt“. Nach Auftreten von Vergiftungserscheinungen habe die Patientin auf der Intensivstation aber kein Gegengift erhalten, sondern ein anderes Opioid. „Aus Sicht unseres Mandanten ergibt sich nach alledem das eindeutige Bild, dass dieses Fallbeispiel nicht auf eine grundsätzlich erhöhte Gesundheitsgefahr durch die Behandlung mit Methadon im Rahmen der Krebstherapie hinweist, sondern dass vielmehr eine extreme Überdosierung sowie eine Falschbehandlung zum Tode der Patientin geführt haben.“ Im Interesse aller Patienten müsse dieser Todesfall deshalb umfassend aufgeklärt werden. 

Lesen Sie auch:
Ulmer Forscher: Methadon verbessert Krebsbehandlung
Eine Kombination aus Chemotherapie und Methadon verbessert den Behandlungserfolg bei Krebstherapien. Das haben Ulmer Forscher herausgefunden. Hier lesen Sie mehr...

Was sind die üblichen Krebsbehandlungen? Eine Liste von den häufigsten Krebsarten sowie Therapieansätzen. Hier lesen Sie mehr...

Beeren töten Krebs in Minuten Australische Forscher haben eine Regenwaldfrucht entdeckt, die bei Tierversuchen 75 Prozent von Tumoren abtötete. Die Effekte sind bereits innerhalb von Minuten sichtbar – bisher jedoch nur bei Tieren. Hier lesen Sie mehr...