Ulm Anwohner sehen Zahl der Flüchtlinge kritisch

700 Flüchtlinge sollen in der Hindenburgkaserne leben.
700 Flüchtlinge sollen in der Hindenburgkaserne leben. © Foto: Volkmar Könneke
LISA MARIA SPORRER 02.12.2015
Ein zweites Gebäude der Hindenburgkaserne am alten Eselsberg bietet fortan weiteren 250 Asylsuchenden Platz. Ein drittes Gebäude soll folgen. Jetzt melden sich auch kritische Stimmen zu Wort.

So ruhig wie bei der Info-Veranstaltung im Sommer, als die ersten Flüchtlinge im ehemaligen Kasernengebäude am Mähringer Weg 103 untergebracht wurden, ist es nicht zugegangen bei der Besichtigung des zweiten Gebäudes, in das nun die 120 Flüchtlinge aus der Keplerhalle eingezogen sind. Einen Tag vor Inbetriebnahme konnten sich Nachbarn ein Bild machen von der Gemeinschaftsküche und den Mehrbettzimmern, in denen jedem Bewohner an die sechs Quadratmeter zur Verfügung stehen.

"Privatsphäre gibt es hier keine", sagt Werner Fischer, der die Flüchtlingsunterbringung in Ulm koordiniert, auf Nachfrage nach den Gemeinschafts-Spinds. Und der Personalschlüssel der anwesenden Sozialarbeiter? "Einer auf 120 Menschen." Dafür werde mit Zuzug der neuen Bewohner der Sicherheitsdienst verstärkt. Rund um die Uhr werden für jedes der Gebäude je zwei Sicherheitsleute zuständig sein, der Eingang zum Areal werde fortan von zwei weiteren überwacht.

In das erste Gebäude zogen im August 52 Bewohner aus der Römerstraße, die restlichen der 250 Plätze wurden sukzessive mit Zuweisungen aus der Erstaufnahmestelle in Karlsruhe aufgefüllt. Auch das zweite Gebäude, Mähringer Weg 101, wird bis Jahresende mit 250 Menschen ausgelastet sein. Wer genau zu den 120 Flüchtlingen aus Gambia und Togo hinzukomme, wisse man noch nicht. "Es kommt auch darauf an, wie viele Familien kommen. Das haben wir aus Karlsruhe noch nicht erfahren", sagt Fischer.

Bis April soll ein drittes Gebäude auf dem Areal bezugsfertig sein, das weiteren 200 Menschen Platz bieten wird. Besonders die hohe Anzahl der an einem Ort zusammenkommenden Menschen rief jetzt bei einigen der zahlreich erschienenen Anwohnern Unmut hervor.

Von einem "Flüchtlingsberg" ist da die Rede, von Bedenken hinsichtlich eines geregelten Zusammenlebens verschiedener Nationen. Schließlich werde die Anzahl der künftig auf dem Eselsberg untergebrachten Flüchtlinge in etwa so hoch sein wie das derzeit gesamte Kontingent in Ulm lebender Asylsuchender. Auch die Integrationsbemühungen stoßen auf Unverständnis. Denn mit der erst kürzlich vom Bund beschlossenen Reduzierung auf lediglich vier nicht sichere Herkunftsstaaten haben viele Bewohner in den Unterkünften der Hindenburgkaserne wenig bis keine Aussichten auf Bleiberecht.

"Wir leben zum Glück in einem Rechtsstaat, und da bekommt jeder Schutzsuchende das Recht auf ein Verfahren", erwidert Fischer. 5,8 Monate würde momentan ein Asylverfahren dauern, und aus den osteuropäischen Ländern kämen kaum noch Flüchtlinge nach Ulm.

Die anfangs in der Kaserne wohnenden Menschen seien nach dem Abschiebungsbescheid schon nicht mehr in Ulm, sagt Heimleiter Benedikt Fürst. Aber tatsächlich abgeschoben worden in Form von nächtlichen Polizeieinsätzen sei noch keiner. Es handelte sich um so genannte "freiwillige Ausreisen".

Den Flüchtlingen aus der Keplerhalle droht bald das gleiche Schicksal, da Gambia wie auch Togo als sichere Herkunftsstaaten gelten. Die Keplerhalle wird als Notunterkunft übrigens nicht aufgegeben.

Wie geht es weiter mit dem Kasernen-Areal?

Hindenburgkaserne Ungeachtet der jetzigen Zwischennutzung laufen die Verhandlungen der Stadt zum Erwerb der Kaserne weiter. Noch gehören die Gebäude dem Bund, mit dem die Stadt Ulm für die Unterbringung der Flüchtlinge derzeit einen Generalmietvertrag abgeschlossen hat. Ursprünglich war im Konzept der Stadt ein Gebäude für Flüchtlinge und eins für das Studentenwerk vorgesehen. Letzteres habe aber wegen des Preises kein Interesse mehr daran. Momentan laufe die Ausschreibung für das Gesamtareal, sagte Bürgermeisterin Iris Mann. Erst wenn das neue Stadtquartier mit etwa 900 Wohnungen fertig sei, werde in der Umgebung etwas für die Infrastruktur getan: "Bis dato gehen wir davon aus, dass es am Einkaufszentrum Stifterweg noch Kapazitäten gibt", sagte Iris Mann. 2016 soll der Städtebauwettbewerb erfolgen, 2017 der Bebauungsplan. Nach der Erschließung und der Ausschreibung für Bauträger und Einzelbauherren 2018 startet 2019 der private Wohnungsbau.