Wiblingen Anwohner in Wiblingen fordern weniger Neubauten

Baubürgermeister Tim von Winning stellte am Donnerstagabend den Bürgern in Wiblingen vor, wie die Nachverdichtung aussehen könnte. Angedacht sind momentan rund 80 Wohnungen.
Baubürgermeister Tim von Winning stellte am Donnerstagabend den Bürgern in Wiblingen vor, wie die Nachverdichtung aussehen könnte. Angedacht sind momentan rund 80 Wohnungen. © Foto: Foto Volkmar Könneke
Ulm / ULRIKE SCHLEICHER 08.10.2016
Die Ansichten zwischen den Anwohnern der Kemptener Straße und Wiblinger Hart und der Stadt liegen noch immer weit auseinander. Das wurde auch bei der zweiten Infoveranstaltung über die von UWS und der Stadt beabsichtigte Nachverdichtung in diesem Gebiet deutlich.

Die Ansichten zwischen den Anwohnern der Kemptener Straße und Wiblinger Hart und der Stadt liegen noch immer weit auseinander. Das wurde auch bei der zweiten Infoveranstaltung über die von UWS und der Stadt beabsichtigte Nachverdichtung in diesem Gebiet deutlich.

Die Argumentation der Stadt: Ulm hat wie andere Städte auch einen hohen Bedarf an Wohnungen. Der Gemeinderat hat dementsprechend beschlossen, in den nächsten Jahren insgesamt 3500 Wohnungen zu bauen. Grundstücke stehen wenige zur Verfügung. Nachverdichtung heißt deshalb die Devise: im ganzen Stadtgebiet.

Die Einwände der Bürger: Es wird zu eng, viele Leute verursachen viele Probleme. Vor allem verschiedene Mentalitäten und soziale Schichten. Es fallen Parkplätze weg, und bevor neue Häuser gebaut werden, sollte die UWS erst einmal „die heruntergekommenen bestehenden Gebäude“ renovieren.

Baubürgermeister Tim von Winning, der die Veranstaltung im Bürgertreff am Tannenplatz leitete, stellte zu Beginn noch einmal klar, dass „alles, was zurzeit existiert, Ideen sind, keine Entwürfe“. Man wolle die Vorschläge der Bürger in den Gemeinderat mitnehmen, bevor es an die Planung und Mehrfachbeauftragung von Architekten gehe, aus der dann das endgültige Projekt hervorgehe.

Bürgerin gibt sich schockiert

Momentan ist angedacht, rund 80 Wohnungen auf drei Baufelder und vier bis zu viergeschossige Gebäude zu verteilen. „Im Wiblinger Hart kann man sich 30 bis 35 Wohnungen vorstellen“, sagte von Winning. In der Kemptener Straße sind in zwei kleineren Gebäuden nochmals rund 30 und auf dem Parkplatz in der Kemptener Straße rund 15 Wohnungen. Rund ein Drittel soll an Leute vermietet werden, die Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein haben. „Das Gros wird jedoch für 9 bis 10 Euro pro Quadratmeter vermietet“, sagte von Winning.

Sie sei schockiert, sagte eine Frau. „Hier werden zu viele Leute in eine Ecke gestopft.“ Konflikte seien programmiert. Ein Mann wies darauf hin, dass Ulm in den 70er Jahren schwere Fehler auf dem Tannenplatz gemacht habe: Mehrgeschossige Bauten, in denen es anfänglich ebenfalls soziale Probleme gab. Nur: „Die Bessergestellten sind ausgezogen.“ Nachdem nun endlich einigermaßen Ruhe eingekehrt sei, befürchte er bei diesen Plänen die gleiche Entwicklung.

Andere verwiesen auf den Zustand ihrer nun 40 Jahre alten UWS-Wohnungen. „Bevor Neues gebaut wird, sollte man bei uns erst einmal renovieren“, sagte ein Mann. Und ein anderer Mann schlug vor, dass umliegende Städte und Gemeinden verstärkt Wohnungen bauen sollten.

Nur wenige – darunter die ehemalige Ulmer SPD-Gemeinderätin Karin Schwarz – schienen anderer Meinung. „Ich finde die Diskussion beschämend.“ Leute mit Wohnberechtigungsschein sind die, „die Ihre Post bringen, Ihre Haare schneiden, Ihre Eltern pflegen“.

Warnung vor der AfD

Der Auftrag der lauten Mehrheit an den Baubürgermeister, respektive den Gemeinderat: Wenn schon Nachverdichtung, dann weniger Wohnungen, niedrigere Gebäude, und diese nach und nach bauen. Und genügend Parkplätze.

Zudem machte ein Mann die anwesenden Gemeinderäte darauf aufmerksam, dass bei den  Landtagswahlen 2015 die AfD in Wiblingen besonders gut abgeschnitten habe. Das sollten sie doch bei ihrer Entscheidung in diesem Fall bedenken.

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