Vertrag Bahnhof Merklingen: Anschluss an die Ballungsräume

Vor einem Bild des künftigen Bahnhofs Merklingen unterzeichnen Verkehrsminister Winfried Hermann (links), Verbandsvorsitzender Klaus Kaufmann und Dirk Rompf, Vorstand der DB Netz AG (rechts), den Vertrag. Hinten die Bürgermeister beteiligten Gemeinden.
Vor einem Bild des künftigen Bahnhofs Merklingen unterzeichnen Verkehrsminister Winfried Hermann (links), Verbandsvorsitzender Klaus Kaufmann und Dirk Rompf, Vorstand der DB Netz AG (rechts), den Vertrag. Hinten die Bürgermeister beteiligten Gemeinden. © Foto: Oliver Schulz
Merklingen / Joachim Striebel 03.12.2016

An diesem Bauprojekt zeigen wir, es geht auch anders.“ Der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne), der gerade unten in der Landeshauptstadt wenig Freude hat an Stuttgart 21, hat am Freitag oben auf der Alb den Vertrag für den Bau des Bahnhofs in Merklingen unterzeichnet. Von einem „historischen Tag“ sprach Hermann im Merklinger Rathaus. Auch Dirk Rompf, Vorstandsmitglied der DB Netz AG, und der Vorsitzende des Verbands „Region Schwäbische Alb“, Klaus Kaufmann, setzten ihre Unterschriften unter den Vertrag. An der Wand ein raumfüllendes digitales Bild des schon den fertigen Bahnhofs.

Das Land bezahlt 30 Millionen Euro an dem Projekt, darin enthalten sind eine Ablösesumme an die Bahn für den Betrieb des künftigen Bahnhofs und Mittel für die Ertüchtigung der Südbahn, um dort die Zeit für den Zughalt in Merklingen aufzuholen. 11,5 Millionen Euro an dem auf 43 Millionen Euro veranschlagten Bahnhalt übernehmen die im neuen Zweckverband zusammengeschlossenen acht Kommunen der Laichinger Alb, 1,5 Millionen Euro trägt der Alb-Donau-Kreis. „900 Millionen Euro zum Vorbeifahren rechtfertigen 30 Millionen Euro zum Halten“, sagte Winfried Hermann und nahm damit Bezug auf den Anteil des Landes an der Neubaustrecke Wendlingen–Ulm.

Ein Desaster wie in Stuttgart befürchtet Hermann in Merklingen nicht. Die Kosten seien im Vorfeld genau ermittelt worden, nach dem Ergebnis von Sondierungen berge auch der Untergrund keine Überraschungen, sagte der Minister am Rande der feierlichen Veranstaltung. „Wir glauben, dass wir das Kostenrisiko gut abgeschätzt haben.“ Weil zwischen Kostenberechnung und Auftragsvergabe nur ein kurzer Zeitraum liegt, werde es keine großen Baukostensteigerungen geben – Baubeginn ist im nächsten Jahr. Der am Freitag unterzeichnete Realisierungs- und Finanzierungsvertrag enthält eine Klausel, wonach das Land und der Zweckverband das Recht haben, bei Kostensteigerungen den Abbruch der Maßnahme zu erklären.

Hermann erinnerte an ein erstes Treffen mit Bürgermeistern der Alb im Jahr 2013, als auch er noch skeptisch war. Doch der „gemeinsame Geist“, es versuchen zu wollen, habe die Sache vorangebracht. „Alle haben geschoben und getrieben“, sagte Hermann, dem im eigenen Haus und von Politikern, die um die Filstalbahn und die Südbahn fürchten, Bedenken vorgetragen wurden. „Mancher konnte nicht über seinen Kirchturm blicken“, sagte Hermann. Ziel der Regierung sei, den ländlichen Raum nicht zu vernachlässigen.

Der Laichinger SPD-Kreisrat Heinz Surek hatte 2012 mit einer Anfrage im Kreistag die Sache ins Rollen gebracht. Das Thema Alb-Bahnhof ist freilich noch älter. Der Laichinger Gerhard Maier hatte schon 2003 bei der Informationsveranstaltung der DB Netz zum anstehenden Flurbereinigungsverfahren nach einem Bahnhalt gefragt. „Das war die große Lachnummer“, erinnert er sich heute. Dennoch setzten er und der Laichinger Stadtrat Bernhard Schweizer sich mit dem damaligen Projektplaner der Bahn zusammen. Und es gab einen ersten Entwurf für einen Halt zwischen Widderstall und Merklingen. Dieser floss ins Planfeststellungsverfahren der Neubaustrecke ein. Der Halt sollte zwar nicht gebaut, aber die Streckenführung so gewählt werden, dass eine spätere Realisierung möglich bleibt. Die reale Chance auf eine Haltestelle eröffnete sich nach Maiers Einschätzung im Jahr 2010, als bekannt wurde, dass nicht nur Hochgeschwindigkeitszüge, sondern auch Regionalzüge auf der Strecke unterwegs sein werden.

Stand der Dinge ist nun, dass von 2021 an IRE-Züge, die im Stundentakt von Würzburg über Stuttgart und Ulm an den Bodensee fahren, in Merklingen halten werden. Dirk Rompf nannte die Fahrzeiten: In 21 Minuten zum Flughafen, in 31 Minuten zum Stuttgarter Hauptbahnhof, in 12 Minuten nach Ulm. Rompf lobte wie zuvor schon Minister Hermann die Bürgermeister der Region für deren großen Einsatz.

„Der Bahnhof bringt die Ballungsräume zu uns und uns zu den Ballungsräumen“, sagte Klaus Kaufmann, Bürgermeister in Laichingen und Vorsitzender des Zweckverbands. Das eröffne der ganzen Region einzigartige Entwicklungsmöglichkeiten. Der Merklinger Bürgermeister Sven Kneipp hatte zu Beginn vor vielen Ehrengästen an den Bau des Bahnhofs Merklingen vor 116 Jahren an der damaligen Schmalspurstrecke Amstetten–Laichingen erinnert. Dieser haben dem Bauern- und Weberdorf einen enormen Aufschwung gebracht.

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