Ulm Anregendes über Multi-Genie Christian Friedrich Daniel Schubart

Ulm / ULRICH SCHNEIDER-ALLGAIER 10.10.2014

Heute vor 223 Jahren, am 10. Oktober 1791, starb der vieltalentierte und unerschrockene Rebell Christian Friedrich Daniel Schubart. Dass das württembergische Landeskind Schubart allzeit mit seinem absolutistischen Herzog im Streit lag, von Ulm nach Blaubeuren gelockt wurde und dann zehn Jahre ohne Prozess im Gefängnis schmachtete - das ist uns noch geläufig. Dass er ein Leben lang als hochangesehener Musiker und Komponist gewirkt hat, vermutlich weniger. In heutigem Verständnis sehen wir in ihm eher den frühen Publizisten und Freiheitskämpfer.

Die biografische Gestaltung des Abends von Thomas Müller (Bariton), Christoph Öhm-Kühnle (am Flügel) und Bernd Weltin (Sprecher) im Haus der Begegnung macht schnell klar, dass der junge Schubart eine für seine Zeit ungewöhnlich umfangreiche Ausbildung erfahren hat.

Nach dem Musikstudium in Nürnberg und Erlangen und nach ersten Berufsjahren in Aalen und als Lehrer und Organist in Geislingen kommt 1769 der Karrieresprung: Schubart wird nach Ludwigsburg berufen, als Musikdirektor bei Hofe. Dort ist er gefragt als Kirchenorganist, Konzertmeister, Komponist für alle Anlässe und als Klavierlehrer in adligen Kreisen. Sein auffällig "liederlicher Lebenswandel" und die stets öffentliche Kritik am Herzog und seiner Entourage führen dazu, dass er aus Württemberg ausgewiesen wird.

Schubart erlebt aber ausgerechnet im Exil, unter anderem in Ulm und selbst im Gefängnis Hohenasperg, kreative Jahre. Viele seiner über 90 Lieder ("Die Forelle", Text, Melodie und Satz) entstehen jetzt, ebenso wie sozialkritische und politische Texte.

Ein zeitgenössischer englischer Reisender vermeldete, er habe in Süddeutschland mit dem aus der Haft entlassenen Schubart ein "Original von Genie" kennen gelernt.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel