Er war ein Wettbewerb der Superlative, dieser 64. Internationale ARD-Wettbewerb für Klavierduo im Herbst 2015. Jury wie Publikum staunten gleichermaßen über das unglaubliche Niveau vieler Teilnehmer. Das georgische Zwillingspaar Ani und Nia Sulkhanish­vili, das sich mit seinem hinreißenden, musikalisch herzergreifenden Spiel den 2. Preis holte, ist am Mittwoch, 20 Uhr, im klassisch!-Saisonfinale im Stadthaus zu erleben.

Geben Sie zwischendurch auch
Solo-Konzerte, oder sind Sie ganz und gar spezialisiert auf das Klavierduo?

Ani und Nia Sulkhanishvili: Konzerte geben wir nur als Klavierduo, aber wir üben sehr viel separat, ein gutes Klavierduo braucht zwei gute Solisten.

Sie spielen an zwei Klavieren, aber auch vierhändig an einem Klavier. Welchen Unterschied macht das beim Musizieren?

Eigentlich spielen wir lieber vierhändig! Wir sind zusammen geboren, und ganz nah beieinander zu sein, ist für uns ganz selbstverständlich. Für die Leute hat es etwas Magisches, wenn Zwillinge auf eine bestimmte Sache konzentriert sind. Und vielleicht ereignet sich diese Magie noch mehr, wenn wir zusammen auf einem Flügel spielen. Manchmal haben wir dann das Gefühl, ganz eins zu sein. Es macht uns glücklich. Bei zwei Flügeln aber haben wir mehr Platz – das ist auch ein Glück! Denn wir sind ja nicht gerade klein.

Empfinden Sie als eineiige Zwillinge Musik auf die gleiche Weise, oder haben Sie manchmal unterschiedliche Auffassungen?

Wir sehen sehr ähnlich aus, aber als Musiker sind wir ziemlich unterschiedlich, und es ist seit unserer Kindheit so, deswegen gibt es immer viele Diskussionen. Bis wir uns einig sind, dauert es manchmal ein paar Monate, aber zum Glück schaffen wir es fast immer, die beste von unseren Ideen auszuwählen. In unserem musikalischen Geschmack sind wir aber ziemlich ähnlich, und wenn wir ein neues Programm aussuchen, einigen wir uns meistens rasch.

Wie hat sich der ARD-Preis auf Ihr Leben als Musiker ausgewirkt?

Der ARD-Preis war eine sehr große Erfahrung für uns, er brachte uns viele schöne Konzerte, auch dieses in Ulm, außerdem konnten wir ihn in so ein wichtiges Projekt wie unsere erste CD-Produktion investieren.

Auf Ihrem Programm stand damals eine Uraufführung, Ferran Cruixents „Binary“, das Sie auch in Ulm spielen. Was ist das für eine Musik?

„Binary“ ist ein wunderbares Stück! Die Gefahr der Abhängigkeit des Menschen von der Informationstechnik, die mediale Besessenheit in der digitalisierten Gesellschaft – das fasziniert den Komponisten und hat ihn zu „Binary“ inspiriert. In diesem Stück müssen wir besondere Spieltechniken verwenden, wie zum Beispiel das „Cyber Singing“: Dabei wird eine Audiodatei des Komponisten auf dem Mobiltelefon des Interpreten während der Darbietung abgespielt. Für uns besteht die Schwierigkeit darin, ein intuitives musikalisches Verständnis für die digitale Rhythmuswelt zu entwickeln. Wir müssen dafür unser georgisches Temperament ein wenig zügeln und „Binary“ so natürlich spielen, als würden wir mit einem Atem atmen.

Spielen Sie gerne zeitgenössische Musik – und wenn ja, weshalb?

Ja, auch weil wir die Komponisten unterstützen wollen. Es ist sehr schwierig für sie in dieser Zeit, es ist alles sehr extrem, wir alle haben leider weniger Zeit zu denken, zu überlegen und etwas Neues zu finden. Und dennoch schaffen es die Komponisten, ehrlich zu bleiben und eine klare Idee in ihrer Musik zu vermitteln. Das respektieren wir sehr!

Sergej Tanejew ist in Deutschland wenig bekannt. Ist das einer der Gründe, weshalb Sie ihn aufführen? Was gefällt Ihnen an seinem „Prelude and Fugue“ besonders?

Es ist eines der besten Stücke für zwei Klaviere – und perfekt für Zwillinge. Es ist sehr organisch für zwei Personen gearbeitet,  und gerade da braucht ein Klavierduo ein sehr starkes Einvernehmen und eine besondere Beziehung.

Sie haben große Lehrmeister: Yaara Tal und Andreas Groethuysen, eines der weltbesten Klavierduos. Was haben Sie von ihnen gelernt?

Das Wichtigste war: Viel nachzudenken beim Einstudieren eines neuen Werkes! Die beiden sind großartig. Die Entscheidung, bei Tal-Groethuysen zu studieren, war eine der besten Ideen in unserem Leben.

Verraten Sie uns bitte, welches Werk aus dem Ulmer Programm Sie besonders lieben – und weshalb?

Die farbige „Rhapsodie Espagnole“ von Ravel ist ein besonderes Stück für uns, wir glauben, dass wir sehr ehrlich sind in dieser Musik, sie passt einfach sehr gut zu unserem Charakter – und das ist ein wunderschönes Gefühl.

Von Brahms und Chopin bis Ravel


Konzert Ani und Nia Sulkhanishvili spielen am Mittwoch, 20 Uhr, im Stadthaus die „Variationen über ein Thema von Haydn“ von Johannes Brahms, „Prelude and Fugue“ von Sergej Tanejew, das Rondo C-Dur von Frédéric Chopin, „Binary“ von Ferran Cruixent und die „Rhapsodie Espagnole“ von Maurice Ravel. Karten bei der SÜDWEST PRESSE und im Service Center Neue Mitte.