Gibt es in der Münchner Straße eine überhöhte elektromagnetische Strahlung durch die zahlreichen Mobilfunk-Antennen auf dem Dach des halbrunden Gebäudes an der Ecke Olgastraße? Diese Frage beschäftigt die Anwohner am Schiffberg, seit die Messergebnisse eines Forschungsprojekts der Uni Ostfalia (Wolfenbüttel) bekannt wurden. Wie berichtet, hatte Prof. Matthias Hampe im Zuge einer bundesweiten Kartographierung von Feldstärken auf seiner Tour durch Ulm sehr starke Werte in der Münchner Straße auf Höhe Barmer und der König-Wilhelm-Straße gemessen. Die werden ebenfalls vom Antennenstrahl der Mobilfunkantennen auf dem Gebäude Olgastraße 152 erfasst. Daraufhin wandten sich besorgte Bürger an die Stadtverwaltung, die zur Kontrolle nun den Reutlinger Außenmesswagen der Bundesnetzagentur anforderte.

Das Team der Bundesnetzagentur unter Leitung von Markus Gann war schließlich gestern vor Ort und baute die Messantennen auf einer Grünfläche gegenüber vom Barmer-Gebäude auf – dort, wo es vom Schiffberg aus zum Seelengraben geht. Bei den insgesamt fast dreistündigen Messungen in verschiedenen Frequenzbändern lagen die Werte nach dem Worten Ganns jedoch unter den Grenzwerten und zudem unter einem Schwellenwert, über dem die Bundesnetzagentur eigentlich erst verschärft hinschaut. Die Messeinheit für elektromagnetische Strahlung lautet Volt pro Meter, wobei die Bundesnetzagentur noch eine weitere Messgröße verwendet.

Gann hatte mit seinem Messinstrumenten zuvor in denjenigen Büros der Bauverwaltung an der Münchner Straße vorbeigeschaut, aus denen direkte Sichtverbindung zu den Mobilfunkantennen auf dem Gebäude Olgastraße 152 besteht und in denen die Mitarbeiter anscheinend gesundheitliche Bedenken hatten. Die Entfernung vom Schreibtisch zu den Antennen beträgt nach Ganns Einschätzung lediglich etwa 30 Meter, jedoch seien auch an dieser Stelle die Grenzwerte nicht überschritten worden. Gann sagte, die kritische Grenze liege bei etwa fünf bis zehn Metern: Näher sollte man aus Strahlungsgründen an eine Mobilfunkantenne nicht herankommen.

Dabei macht Gann aber klar, dass die Bundesnetzagentur als Regulierungs- und Genehmigungsbehörde keine medizinischen Aussagen zum Thema Mobilfunk macht. Das sei Sache von Ärzten, die in Kooperation mit der Politik entsprechende Grenzwerte festlegen müssen. Die Agentur überprüfe die Einhaltung.

Bei den Messungen am Schiffberg, die später auch im Internet veröffentlicht werden sollen – wo die Agentur eine eigene Übersicht über Feldstärken bietet –, kamen fünf Antennen für alle Frequenzbänder, insbesondere den hochfrequenten Mobilfunk, zum Einsatz. Dabei konnten sogar Funksignale von Flugzeugen aufgefangen werden. Die Anwohner interessierten sich allerdings mehr dafür, ob die Funkstrahlung womöglich nachteilig für kleine Kinder sein könne, zumal sich um die Ecke am Seelengraben der St. Georgs-Kindergarten befindet. Gann erläuterte, die Netzagentur behalte Mobilfunkanlagen in der Nähe von Krankenhäusern, Altenheim und eben Kindergärten besonders im Blick.

Der Einsatz des Außenmesswagens war mit Olaf Schwark von der Immissionsbehörde der Stadt abgestimmt. Er hatte auch die Wlan-Messungen am Münsterplatz während des Weihnachtsmarkts koordiniert. Satkom-Spezialist Level 421 (Ulm Connect) hatte damals zunächst stark überhöhte Werte festgestellt und dafür die neue städtische Konkurrenz von Ulm-Wlan verantwortlich gemacht. Auch hier gab die Netzagentur dann Entwarnung.

Thema Elektrosmog

Feldstärken Ausgangspunkt für die Kontrollmessung am Schiffberg sind elektromagnetische Karten, die Prof. Matthias Hampe von der Hochschule Ostfalia mit seiner Firma Viridas für 104 deutsche Städte angelegt hat. Die Ergebnisse hat Hampe im Internet unter www.feldkarte.de veröffentlicht, mit farblichen Elementen, die hohe Strahlungswerte und somit Quartiere mit mehr Elektrosmog anzeigen.  Die höchsten Werte in Ulm gab es in der Münchner Straße, wo demnach der Grenzwert zu 32 Prozent augeschöpft wurde. Sonst seien es in Ulm dagegen durchschnittlich nur 0,44 Prozent.

Ein Kommentar von Frank König: Elektrosmog ernst nehmen

Klar, jeder will ein möglichst gutes Netz für sein Smartphone – gar nicht mal mehr fürs normale Telefonieren, sondern für möglichst schnelle Downloads großer Dateien bis hin zu Video-Konferenzen mobil auf der Parkbank. Da treten die negativen Begleiterscheinungen elektromagnetischer Strahlung schnell in den Hintergrund. Sensible Zeitgenossen berichten von Schlafstörungen in der Nähe von Mobilfunkmasten, vor allem die gesundheitlichen Auswirkungen auf jüngere Leute sind in der Diskussion.

Das kann man durchaus mal beim Bundesamt für Strahlenschutz nachlesen – eine unverdächtige Quelle. Aber auch dort ist klar, dass man sich das Handy am besten nicht allzu lange an den Kopf halten sollte: wegen der Wärme-Symptome. So gab es im Spätherbst auch schon mal Alarm, dass die neuen Wlan-Hotspots auf dem Münsterplatz im Grunde die Effekte einer Mikrowelle hätten.

Die Bundesnetzagentur gab zwar letztlich Entwarnung, aber es ist gut, dass die Anwohner stark belasteter Standorte das Thema ernst nehmen. Nach den Messungen der Hochschule Ostfalia war ein Check in der Münchner Straße jedenfalls angebracht – die städtischen Beschäftigten des Bauamts mit direkter Sichtverbindung zu den Masten auf dem Eckgebäude Olgastraße machen sich ebenfalls Sorgen. Bei allen verständlichen Wünschen nach mehr Speed im Netz, auch mobil, sollten gesundheitliche Erwägungen ganz oben auf der Agenda bleiben.