Hochwasserschutz Einsingen: Angst vor Hochwasser bei jedem Gewitter

Bei jedem Gewitter haben die Einsinger wieder diese Bilder vor Augen wie die überschwemmten Flächen am Rötelbach.
Bei jedem Gewitter haben die Einsinger wieder diese Bilder vor Augen wie die überschwemmten Flächen am Rötelbach. © Foto: Ralf Zwiebler
Einsingen / Carolin Stüwe 04.07.2018
Die Einsinger Bürger warten immer noch auf Rückhaltebecken zum Schutz vor Überschwemmungen bei Starkregen.

Wenn es in Ulm heftig regnet und Bernhard Schweizer ist gerade nicht zu Hause in Einsingen, denkt er mit Bangen sofort an den 29. Mai 2016, als vor seinem Haus die braunen Wassermassen vorbeirauschten, aber auch durchs Kellerfenster reindrückten. Vor zwei Jahren hatte das Unwetter den Ortsteil Einsingen am stärksten getroffen: Zum einen aufgrund der Niederschlagsmenge von 81,3 Millimetern, das sind 81,3 Liter auf einen Quadratmeter.

Zum anderen aufgrund der Tallage, denn der von regenreichen Vortagen gesättigte Boden konnte kein Wasser mehr aufnehmen, so dass bis von Ermingen und Eggingen Oberflächenwasser die Einsinger Straßen, Keller und Garagen flutete. Zudem war der Rötelbach, der in West-Ost-Richtung durch den gesamten Ort fließt, sofort über die Ufer getreten. „Wir brauchen dringend Regenrückhaltebecken im Westen und Norden Einsingens“, fordert Schweizer. Weil sich seit zwei Jahren in Sachen Hochwasserschutz aber gar nichts rühre in Einsingen, hat er jetzt an Oberbürgermeister Gunter Czisch einen Brief geschrieben im Namen der „Hochwassergeschädigten“ – zumindest in den Wohnstraßen St. Johann Straße, Bei den Weihern sowie Galli-Schnitzer-Weg.

Schweizer und 14 seiner Nachbarn haben unterschrieben, darunter auch Paul Mayer, der mit seinem landwirtschaftlichen Betrieb ebenfalls im Hochwasser-Risikogebiet liegt. Das zeigt eine Hochwassergefahren-Karte der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg. So lange aber kein Hochwasserschutz greift, seien dies weiterhin Risikogebiete und solange könnten im Ortskern im Zuge der geplanten Dorfentwicklung keine neuen Wohnhäuser gebaut werden, schlussfolgert Mayer.

Auf die Forderung hin, den Rötelbach auszubaggern und zeitnah Regenrückhaltebecken zu bauen, hat OB Czisch  mit einem „Zwischenbericht“ vom April dieses Jahres geantwortet. Demnach hatte der Gemeinderat erst im Mai 2017 beschlossen, dass ein Starkregenkonzept in Auftrag gegeben wird, was dann im Dezember drauf geschah. Bei dieser Berechnung werden die Niederschlagsabflüsse aus dem Außenbereich und dem Siedlungsgebiet ausgewertet und gefährdete Bereiche dokumentiert. Das läuft derzeit noch.

„Aufbauend darauf werden in einem zweiten Schritt Lösungen entwickelt, die Hochwassergefahr in der Ortslage von Einsingen zu beseitigen“, schreibt Czisch. Das Ganze sei ein komplexer Prozess, bei dem das Schutzbedürfnis der Anlieger, die Verfügbarkeit von Flächen und naturschutzrechtliche Anforderungen aufeinander abgestimmt werden müssen.

Stadt besitzt genug Flächen

Diese Antwort ist Schweizer zu schwammig: „Wir wollen den zeitlichen Ablauf wissen und konkrete Vorschläge hören.“ Und Mayer ergänzt: „Wir fordern doch nichts Unmögliches.“ Die Stadt Ulm sei in Einsingen „der größte Grundstückseigentümer“, da müssten doch Flächen für ein Regenrückhaltebecken vorhanden oder tauschbar sein.

Ortsvorsteher Rudolf Stadler kann die Ungeduld und Angst der Einsinger verstehen, aber die Planung sei nicht so einfach und die Ingenieurbüros gut ausgelastet.

Niederschlag

39,1 Millimeter Niederschlag waren in Einsingen als Spitzenmenge am 29. Mai 2016 zwischen 15.20 und 16.10 Uhr gemessen worden. Die Situation wurde als 100-jährlich eingestuft.

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