Ulm Angst geht um nach drei Jahren Kurzarbeit

Ulm / FRANK KÖNIG 07.01.2012
Im Februar fährt das Iveco-Werk im Donautal seit drei Jahren Kurzarbeit. Auch über die Feiertage fiel die Arbeit aus. Angst um die Arbeitsplätze geht um. Der Konzern will die Schwächephase durchstehen.

Der zu Fiat gehörende Lastwagenproduzent Iveco ist über die Feiertage in Ulm verstärkt Kurzarbeit gefahren. Für den Januar sind, wie im Dezember, erneut neun Kurzarbeitstage geplant; die Bänder im Werk Donautal laufen erst am 16. Januar wieder an, berichtet Betriebsratsvorsitzender Bernhard Maurer auf Anfrage. Nach seinen Worten betrug der Produktionsausfall 2011 durchschnittlich 20 Prozent. Wegen der globalen Wirtschaftskrise und der anschließenden Eurokrise, die die Hauptmärkte des Ulmer Werks getroffen hat, gilt die Kurzarbeit ununterbrochen seit Februar 2009.

Maurer macht kein Geheimnis daraus, dass bei den rund 1000 Beschäftigten in der Produktion nach fast drei Jahren Kurzarbeit natürlich "Angst umgeht". Die Unsicherheit wird dadurch verstärkt, dass die Schuldenkrise in den Hauptabnehmerländern für Iveco-Schwerlaster aus Ulm - Italien, Spanien und Frankreich - keineswegs beigelegt ist. In diesen Ländern stellt sich aus Sicht Maurers die Frage, wie Speditionen ihre Fahrzeugflotten überhaupt noch finanziert bekommen.

Diese Sichtweise teilt der Finanzvorstand der deutschen Iveco-Tochter Iveco Magirus, Peter Barschkis. Es bestehe die Gefahr, dass speziell Iveco-Kunden in Italien von den Banken "keine Finanzierung mehr bekommen" und eine ähnliche Liquiditätsklemme wie in der weltweiten Finanzkrise 2009 entsteht. Zwar befinde sich der Markt in Deutschland in einer guten Verfassung, in Süd- und Osteuropa dagegen herrsche weiter Krisenstimmung.

Aus Sicht von Barschkis gibt es gleichwohl viele Argumente für das Werk im Industriegebiet Donautal: "Wir haben einen guten Standort." Die Planungen für 2012 seien vorsichtig ausgelegt. In dieser schwierigen Zeit gehe es zunächst einmal darum, die "Zähne zusammenzubeißen". Betriebsratsvorsitzender Maurer sagte, das Iveco-Management in Turin habe klargestellt, dass der Konzern stark genug sei, um diese Schwächephase zu überstehen.

Die zuletzt von Fiat abgespaltene Nutzfahrzeugsparte Fiat Industrial sei gut aufgestellt und die drittgrößte ihrer Branche nach Caterpillar und Volvo. Die Gerüchte um einen Aktienverkauf von Fiat Industrial - genannt wurden dabei auch chinesische Interessenten - seien zwischenzeitlich verstummt. Die nähere Zukunft bedeutet für Iveco in Ulm, dass die Kurzarbeit von der Arbeitsagentur zunächst bis 30. April genehmigt wurde. Danach muss für drei Monate ausgesetzt werden.

Falls die Produktion bis dahin weiter nicht ausgelastet werden kann, könnte eine tarifliche Absenkung der Arbeitszeit ins Spiel kommen. Das Werk ist beim heutigen Personalstand und im Einschicht-Betrieb auf eine Jahresproduktion von etwa 12 000 Fahrzeugen ausgelegt. Zuletzt wurden nur 10 000 Einheiten hergestellt, dies ist auch die Erwartung für das laufende Jahr.

Das Partnerwerk in Madrid fährt aus technischen Gründen zwei Schichten mit 2000 Mitarbeitern in der Produktion.

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