350 Milliarden Reichsmark betrug die Rundfunkgebühr 1924, was der damals grassierenden Hyperinflation geschuldet war. Im gleichen Jahr erließ die Reichsregierung eine Amnestie für reuige Schwarzhörer, von denen es zwölf Monate nach dem Start des Radios in Deutschland offenbar eine Menge gab.

Von beidem hat man in Ulm nichts mitbekommen. Die Stadt lag im Tal der Ahnungslosen, was wiederum daran lag, dass der nächste Sendemast in Stuttgart stand und es gerade mal auf eine Leistung von 250 Watt brachte. Die Wellen reichten bei weitem nicht bis nach Ulm.

Dass man doch noch einen Draht zum Radio entwickelte, lag einerseits am technischen Fortschritt - 1926 sendete Stuttgart schon mit 1,5 Kilowatt - andererseits an Männern wie dem Landwirt Christian Breitinger von der Ulmer Alb, der in den 20er Jahren einen Schiebespuren-Detektor zum Privatgebrauch baute. Das Ding funktioniere noch heute, erzählte Prof. Otto Künzel vom Institut für Technikgeschichte der Hochschule Ulm anlässlich der Eröffnung der Ausstellung "Ulm und der Rundfunk" im Sparkassenforum.

Ulms Radiomann schlechthin war allerdings Ernst Mästling. In seiner Fabrik in der Römerstraße baute er zunächst vernickelte Regenschirmgestelle, bis er 1924 die "Genehmigung für den Bau von Rundfunkanlagen" erhielt. Unter dem Namen Emud (Ernst Mästling Ulm Donau) stellte er bis 1972 weltweit gefragte Radiogeräte her, dann musste er - wie übrigens nach und nach alle deutschen Hersteller - vor den Japanern kapitulieren. Trotzdem ist Ulm Radiostadt geblieben: Drei regionale Sender gibt es heute. Und der nächste Sendemast steht auf dem Kuhberg.

Die Ausstellung "Ulm und der Rundfunk" in der Sparkasse Neue Mitte kann montags bis donnerstags von 8 bis 18 Uhr, freitags von 8 bis 16.30 Uhr sowie samstags von 8.30 bis 16 Uhr besucht werden. Eintritt frei.