Ein junger Mann trägt seinen Klavierhocker herein, platziert ihn vor dem Pianoforte und greift in die Tasten. In 15 Minuten spielt dieser Andrew Danube 15 Stücke an – von John Miles’ „Music“ über Doubles „You“ bis zu Joshua Kadisons „Jessy“. Zirzensische Instrumentalakrobatik? Fehlanzeige. Alles ist völlig unspektakulär. Trotzdem hat das Youtube-Video mehr als sechs Millionen Klicks, wurde also von sechs Millionen Besuchern zumindest kurz angeschaut und angehört.

Youtube

Andrew Danube ist ein Pseu­donym, der Mann im Video heißt eigentlich Andreas Buchenscheit, kommt aus Ulm und ist Softwareunternehmer. Das war auch der Grund, warum sich der 35-Jährige ein Pseudonym zugelegt hat. „Ich wollte das trennen. Ich bin Diplom-Informatiker, arbeite auch in sicherheitsrelevanten Bereichen, da muss ich seriös auftreten“, sagt er. Auf der anderen Seite ist Andreas Buchenscheit aber auch Musiker und Vorsitzender des Vereins Quantum, der immer wieder aufwändige Musicalproduktionen auf die Beine stellt, deren jeweils sechs Vorstellungen im Alten Theater von rund 3000 Besuchern gesehen werden.

Erfolg bei Youtube

Doch zurück zum Video, das Buchenscheit unter dem Motto „some of the most beautiful piano songs ever“ ins Netz gestellt hat. Wie erklärt er sich den Erfolg? „Ich habe das gemacht, was bei Youtube erfolgreich ist“, sagt er. „Es muss authentisch wirken“ – und ungezwungen. Deshalb habe er den Klavierhocker erst reingetragen, als die Kamera bereits lief. Die Youtube-Nutzer mögen auch keine aufwändigen Schnitte. Eine Kameraeinstellung reiche. „Was allerdings professionell sein sollte, ist die Tontechnik“, weiß Buchenscheit, denn „viele schalten so ein Video ein, um nebenbei Musik zu hören.“

„Das sind Erfahrungswerte, richtiggehend analysiert habe ich das nicht“, sagt der Ulmer, der gut zwei Dutzend weitere Videos online gestellt hat, darunter auch witzige A-cappella-Nummern wie etwa den Housemartins-Klassiker Caravan of Love, den Buchenscheit mit seinen Freunden Christopher Klan, Marc Layer und Gerolf Neuhäuser im Wald aufgenommen hat. Eine reizvolle Idee, gut gesungen, aber bei weitem nicht so erfolgreich wie das Klaviervideo: Mehr als 680.000 Klicks hat dieses Video aber auch.

Zum Leben reicht es nicht

Wer so erfolgreich geklickt wird, bekommt von der Internetplattform auch Geld. Lohnt sich das? „Also leben könnte ich davon nicht“, sagt Buchenscheit, der eigentlich als ganz normaler Popmusiker begonnen hat, jahrelang mit der Coverband Perplex durch die Hallen der Region gezogen ist. „Irgendwann war es aber so, dass die Bar wichtiger war als die Band, die auf der Bühne stand. Dann kam der Lederhosen-Party-Sound auf. Darauf hatten wir keine Lust.“

Und so machte sich Buchenscheit mit seinen Freunden daran, etwas auf die Bühne zu stellen, was die Aufmerksamkeit des Publikums einforderte: Musicals. „Wir sind keine Revue, die einzelne Szenen aus erfolgreichen Musicals aneinanderreiht. Wir nehmen die Songs und bauen sie in eine neue Handlung ein.“

Mehr als 50 Menschen im Verein Quantum involviert

Begonnen hatte das 2009. Im Jahre 2013 wurde der Verein Quantum gegründet, der im Oktober sein mittlerweile sechstes Programm auf die Bühne bringt. Die Proben für „Quantum VI“ (mehr wird nicht verraten) beginnen an diesem Mittwoch. Das Ensemble zählt rund 30 Köpfe. Mit der sechsköpfigen Band, den Technikern, den Bühnen- und Kostümbildnern sowie den Choreografen sind rund 50 Menschen involviert.

„Früher waren wir auch mit unseren Produktionen unterwegs“, erzählt Buchenscheit. Mittlerweile sei der Aufwand dafür zu groß, gespielt wird nur noch im Alten Theater – höchst erfolgreich. Die sechs Vorstellungen pro Inszenierung sind stets binnen weniger Tage ausverkauft.

Von „Caravan of Love“ bis zur Weihnachtssession


Mehr als 20 Videos haben Andreas Buchenscheit und seine Freunde in den vergangenen Jahren ins Internet gestellt. Man findet sie, wenn man Andrew Danube, das Pseudonym des Ulmers, in die Suchmaschine eingibt. Dann taucht auch das aktuellste Video auf, die jüngste Weihnachtssession. Buchenscheit und seine Freunde hatten sie am 22. Dezember eingespielt, den Livestream sahen über 2000 Menschen.

Der Verein Quantum, dessen Vorsitzender Andreas Buchenscheit ist, zählt mehr als 100 Mitglieder. Nähere Informationen über den Verein und dessen Aktivitäten gibt es auf der Homepage: https://quantum-musical.de