Theater Ulm Andreas von Studnitz vor seiner letzten Spielzeit als Intendant

Ulm / Magdi Aboul-Kheir 14.07.2017

Heute Vormittag sitzt Wilhelm Schlotterer schon wieder im Zug nach Münster. Für seinen letzten Auftritt am Theater Ulm gestern Abend in „Der Mitternachtsvampir“ ist der Schauspieler noch einmal angereist, aber er steckt mitten in den Vorproben zu „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ – am Theater Münster, wohin Schlotterer jetzt wechselt. In Ulm war er in den vergangenen elf Jahren in rund 50 Produktionen zu sehen, er war Faust, Nathan und Liliom.

Mit der letzten „Aida“-Aufführung am Samstag auf der Wilhelmsburg endet die Saison am Theater Ulm, doch gedanklich ist Intendant Andreas von Studnitz schon weiter: in seiner zwölften und letzten Spielzeit. Da gibt es jetzt – ein Jahr vor seiner Amtsübergabe an Kay Metzger – am Karajan-Platz eine Reihe Abschiede, aber auch Neuanfänge zu vermelden. Schon im Spielzeit-­Heft hat Studnitz versprochen, dass sich sein finaler Spielplan keinesfalls als „sanfter Ausklang“ versteht. Auch im Gespräch in seinem mit Gitarren, Verstärkern und Schlagzeug vollgestellten Büro betont er: „Wir sind nicht im Sinkflug.“ Die Ansage passt zum Spielzeit-Motto „Auf die 12“.

Die Zwölf macht Wilhelm Schlotterer nun nicht nun mehr voll, aus dem Schauspiel-Ensemble verabschiedet sich aber nicht nur er. Maximilian Wigger-Suttner hat das Haus bereits im Frühjahr verlassen, ebenso zieht es ­Sidonie von Krosigk (Studnitz: „Mein Goldtaler“) weg. Doch wird sie im Herbst noch in „Dog­ville“, der ersten Schauspiel-Produktion 2017/2018 im Großen Haus, die Hauptrolle spielen.

Die Vorproben für dieses Drama nach Lars von Triers radikalem Film sind bereits weit gediehen, nach Studnitz’ Worten, der Regie führt, ist das Stück „im Eisfach“. Das heißt, „wir können es entspannt nach den Ferien rausholen und auftauen“. Premiere von „Dogville“ ist am 5. Oktober.

Bereits am 15. September feiert im Podium Karl Schönherrs Drama „Der Weibsteufel“ Premiere, auch dafür ist schon fleißig geprobt worden. Vorproben gab und gibt es ebenso für „Junge Choreografen“ (Uraufführung im Podium: 23.9.), Charles Gounods Oper „Faust“ (Premiere im Großen Haus: 28.9.) und das Stück „Das schneeverbrannte Dorf“ (Uraufführung im Podium: 6.10.) nach dem Roman der in Ulm als Schauspielerin bestens bekannten Sibylle Schleicher.

In diesen ersten Schauspiel-­Produktionen der Spielzeit 2017/­2018 sind dann auch die neuen Ensemble-Mitglieder zu sehen, die aber teils schon in Ulm gastiert haben: Franziska Maria Pößl (Absolventin der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart), Benedikt Paulun (kommt vom Stadttheater Klagenfurt), Stefan Maaß sowie Peer Roggendorf als Elternzeitvertretung für Florian Stern in einem Stück. Im Musiktheater gibt es keine Veränderungen im festen Ensemble, im Tanz-Ensemble gehen Pablo Sansalvador, Giulia Insinna und Betriz Caravetto; die Zugänge stehen noch nicht fest.

Alle am Haus gingen „sehr motiviert“ in die neue Spielzeit, sagt Studnitz. Die meisten der Neuen haben Ein-Jahres-Verträge, und es geht ja auch darum, auf sich aufmerksam zu machen, nicht zuletzt beim künftigen Intendanten.

Andreas von Studnitz wird außer „Dogville“ noch zwei weitere Stücke inszenieren: das Grimmsche Märchen „Schneewittchen“ (Premiere: 17.10.) und „Die lächerliche Finsternis“ (4.1.2018). Auf diesen Abend nach einem Hörspieltext von Wolfram Lotz freut sich der Intendant besonders, denn es wird quasi eine Podiums­inszenierung im Großen Haus: „Es ist eine Reise, die 90 Zuschauer sitzen auf dem Drehscheiben-Wagen und fahren auf der Bühne durch den Abend.“

„Nicht das Licht ausmachen“

Auf dieser Bühne wird Studnitz auch zweimal als Schauspieler zu sehen sein: in Oliver Haffners Inszenierung von Georges  Feydeaus Komödie „Der Floh im Ohr“ und im Musical „Rock of Ages“.  Das werde „ein großer Spaß“, zumal Ariane Müller die musikalische Leitung hat und mit Rock-­Gitarristin Yasi Hofer eine beliebte Lokalmatadorin als Frontfrau engagiert werden konnte.

Ohnehin kann sich Studnitz vorstellen, in der Zukunft wieder mehr als Schauspieler zu arbeiten. Mit seinem Abschied als Intendant habe er „null Probleme“, zumal der Austausch mit Nachfolger Metzger prima funktioniere. Dieser Tage ist er zudem „mordserleichtert und euphorisch“, wie gut die Baden-Württembergischen Theatertage gelaufen sind. „Super, einfach super“, lautet sein Resümee – auch über das Lob, das sein Haus als Ausrichter von Gästen bekommen habe. Eine Erkenntnis habe er dem Festival mit seinem stressigen Zeitplan auch zu verdanken: „Egal, was ich ab 2018 mache, ich werde nicht in der Gastronomie landen, weil ich nicht als Letzter das Licht ausmachen will.“

Mitte September geht es wieder los

Spielzeit 2017/2018 Die erste Premiere der neuen Saison am Theater Ulm findet im Podium statt: Dort ist am 15. September erstmals Karl Schönherrs Drama „Der Weibsteufel“ (Regie: Karin Drechsel) zu sehen. Am 23. September folgt dort die Uraufführung des Ballettabends „Junge Choreografen“. Im Großen Haus beginnt die Spielzeit am 28. September mit Charles Gounods Oper „Faust“, unter der Regie von Operndirektor Matthias Kaiser. Die erste Schauspielpremiere im Großen Haus findet am 5. Oktober statt: Intendant Andreas von Studnitz inszeniert das Drama „Dogville“ nach Lars von Triers Film.

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