Sanierungsbedarf An Ulmer Brücken liegt vieles im Argen

Ulm / Chirin Kolb 18.04.2018
Der Sanierungsbedarf der Ulmer Brücken ist hoch. Vor allem die Bauwerke an der B 10 machen der Bauverwaltung Sorgen.

Überall in Ulm entsteht Neues, die Baustellen ziehen sich wie im Fall der Linie 2 einmal durch die ganze Stadt. In den nächsten Jahren stehen weitere richtig große Baustellen an: vor allem, um Altes zu erhalten. Viele Straßen und Brücken sind in einem schlechten Zustand, müssen saniert oder gar neu gebaut werden.

Dass auf die Stadt und ihre Bürger bald einiges zukommt, liegt hauptsächlich am Alter der Brücken. Die meisten wurde nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut. Die Donaubrücken zum Beispiel wurden im Krieg zerstört und entstanden in den 50er Jahren neu. „In den 60er und 70er Jahren gab es dann einen richtigen Peak“, sagt Gerhard Fraidel, der für die Verkehrsinfrastruktur zuständige Abteilungsleiter der Stadt. Die B 10 schlug ihre Schneise durch die Stadt – meist im ersten Stock auf einer Brücke oder unter der Erde im Tunnel. Die B 10 macht ein Drittel der gesamten Ulmer Brückenfläche aus, schätzt Fraidel. In den 70er Jahren entstanden Brücken zur Universität.

Fraidel geht davon aus, dass eine Brücke rund 80 Jahre hält. 20 Jahre nach dem Bau stehe eine erste Sanierung an, nach 30 bis 40 Jahren eine Generalsanierung. Dass die Zeit bei einigen Brücken nun drängt, liegt auch am Sanierungsstau, räumen Gerhard Fraidel und sein Chef Michael Jung, Leiter der Hauptabteilung Verkehr, ein. „Solange die Zustandsnoten nicht erschreckend sind, wird gern vertagt“, sagt Jung. Dieses Problem sei keine Ulmer Besonderheit, sondern weit verbreitet. „Solange ein Bauwerk hält, macht man nur das Nötigste.“

Einen genauen Sanierungs- und Zeitplan gibt es noch nicht. Wohl aber einen Überblick über Schäden und Sanierungsbedarf. Am meisten Sorgen machen Jung und Fraidel die Brücken an der B 10, aber auch die im Industriegebiet Donautal und die Brücke über die B 10 an der Zufahrt zur Universität.

Adenauerbrücke


Die wichtigste Verbindung zwischen Ulm und Neu-Ulm, 1954 gebaut, wird wohl abgerissen und ersetzt. Die Kosten trägt der Bund, denn die so genannte Baulast ist vor einigen Monaten von der Stadt auf den Bund übergegangen. Der Neubau wird voraussichtlich parallel zur Brücke stromaufwärts, also Richtung Donaubad und Ehinger Anlagen, entstehen, so dass der Verkehr während der Bauzeit auf der bestehenden Brücke weiter fließen kann. Noch gibt es aber weder eine Detailplanung noch eine Kostenberechnung oder ein Planfeststellungsverfahren. „Optimistisch“ geschätzt dauere es acht Jahre bis zum Baubeginn, sagt Jung, „realistisch“ zehn Jahre.

Wallstraßenbrücke und Brücke über das Blaubeurer Tor

Im weiteren Verlauf der B 10 laufen laut Fraidel seit zwei Jahren intensive Untersuchungen, wie groß die Schäden sind, welche Generalsanierungsmöglichkeiten in Frage kommen und ob sich eine Sanierung überhaupt lohnt. 2019 sollen diese Fragen geklärt sein. Am Ende gehe es um eine Abwägung, sagt Jung: „Was ist wirtschaftlich und verkehrlich darstellbar?“

Wenn sich die Bauingenieure ein Sanierungsszenario wünschen dürften, würde es so aussehen: arbeiten unter Vollsperrung. Am besten sechs Wochen in den Sommerferien. „Je schneller man arbeiten kann, umso besser werden die Ergebnisse und umso günstiger wird die Sanierung“, so fasst Jung die Überlegungen  zusammen. Aber das sei „Wunschdenken“. Denn auch den Bauingenieuren ist klar: „Wir können keine der Brücken aus dem Verkehr nehmen. Sonst bricht der Verkehr in Ulm vollends zusammen.“

Den Sanierungsbedarf der Wallstraßen- und der Blaubeurer-Tor-Brücke schätzt Fraidel ganz grob auf rund 30 Millionen Euro. Beide seien sehr schwierig zugänglich, und die Verkehrsführung mit dem Blaubeurer Ring sei äußerst komplex. Die Wallstraßenbrücke ist besonders heikel, weil sie über Bahngleise führt.

Das Problem der B 10-Brücken sei nicht nur ihr Alter und die hohe Verkehrsbelastung. Bei der Konstruktion habe man sich noch nicht vorstellen können, wie rasant sich der Verkehr entwickelt, sagt Fraidel. „Beim Bau hat man angenommen, dass die schwersten Fahrzeuge 38 Tonnen wiegen. Heute fahren dort 44-Tonner.“

Ludwig-Erhard-Brücke

Unvorhersehbare Schäden an der Fußgängerbrüstung sind stadteinwärts notdürftig repariert. Eine Dauerlösung ist das nicht. Zudem ist noch nicht klar, was sonst noch zu machen ist.

Gänstorbrücke Der Zustand des Bauwerks aus dem Jahr 1950 wird ebenfalls untersucht, um dann zu entscheiden, was mit ihm passiert. „Die Brücke ist schlank gebaut“, sagt Fraidel. „Das würde man heute anders machen.“ Die Belastung für die Gänstorbrücke habe deutlich zugenommen, weil sich die Neu-Ulmer Innenstadt seit der Bahntieferlegung gewandelt habe. Die niedrige Unterführung unter der Bahn in der Reuttier Straße ist weg, seither fahren dort auch größere Lastwagen.

Beringerbrücke

Die mehr als 100 Jahre alte Brücke über die Bahngleise von der Blaubeurer Straße zum Eselsberg ist wegen schwerer Mängel gesperrt, nur Fußgänger und Radler dürfen passieren. Die Bauverwaltung würde die Brücke am liebsten abreißen, doch der Denkmalschutz hält sie für erhaltenswert. Noch ist offen, wie es weitergeht.

Bei jeder Brücke stehe die Sicherheit an erster Stelle, die Stadt sei dafür verantwortlich, sagt Hauptabteilungsleiter Jung, der seine Stelle erst im Oktober vergangenen Jahres angetreten hat. Er weiß: „Mit solchen Sanierungen kann man keinen Ruhm ernten.“ Und Fraidel befürchtet: „Das wird an manchen Stellen richtig weh tun“, gerade an der B 10. Nichtstun sei aber keine Option, sagt Jung. „Wir tun alles, um den Verkehr weiter so gut es geht abzuwickeln.“

Einigen Fußgängerstegen droht der Abriss

Mängel Auch einige Fußgängerstege sind in die Jahre gekommen und brauchen eine grundlegende Sanierung. Die Bauverwaltung möchte bei manchen am liebsten darauf verzichten und die Stege abreißen. Dies gilt zum Beispiel für die Brücke am Wiblinger Ring beim Einkaufszentrum. Sie werde kaum genutzt, sagt Abteilungsleiter Gerhard Fraidel. Die meisten Fußgänger gingen unten über die Straße. Die Brücke über die Heidenheimer Straße am Eichenhang sei ebenfalls nicht in bestem Zustand, wie auch der Steg über die Stuttgarter Straße am Friedhof. Er soll erhalten bleiben, „aber da muss man was machen“.

Abbruch Der Fußgängersteg über die Kienlesbergstraße beim Alten Fritz ist vor fast genau einem Jahr bereits abgerissen worden.

Beschädigung Der Fußgängersteg über den Kurt-Schumacher-Ring am Kuhberg ist nach einem Unfall beschädigt und derzeit gesperrt, weil die Verkehrssicherheit nicht garantiert werden könne. Derzeit wird geprüft, wie und wann der Schaden behoben werden kann.

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