Kurz nach 11 Uhr am Bertha-von-Suttner-Gymnasium, es ist gerade Pause. Oberstufenschüler treffen sich in ihrem Bauteil, im C-Obergeschoss. Ein Schüler kommt an, lässt seinen Rucksack fallen, zieht sein Handy aus der Tasche, stöpselt sich Kopfhörer ein und starrt aufs Handy.  Eine Schülerin, die auf dem Boden sitzt, tippt auf ihrem Smartphone, liest, tippt. Schulleiter Mark Lörz läuft durch den Flur. „Leute, wie’s hier aussieht“, sagt er und zeigt auf herumliegende Mützen und Jacken. „Das waren wir nicht“, antworten die Schüler. Dass Schüler Handys benutzen, ist hingegen kein Thema.

Seit November dürfen Schüler am Suttner von der 10. Klasse an in den Pausen ihre Handys nutzen. Und das im Bundesland, in dem das Schulgesetz vorschreibt, dass Handys an der Schule ausgeschaltet sein müssen.

Am Suttner-Gymnasium „schaffen wir eine Nutzungskultur“, sagt Schulleiter Mark Lörz. Möglich macht das ein Schulversuch in Bayern, an dem 135 Schulen teilnehmen. Handys für alle – so einfach ist es trotzdem nicht. Denn Schulleiter, Lehrer, Schüler, Eltern haben sich viele Gedanken zum Umgang mit dem Handy gemacht. Zeitgemäß sollte der sein. „Ein sinnvoller Umgang mit Geräten gelingt nicht mit einem Generalverbot“, sagt Lörz.

Heftführung digitalisiert

Aus diesen Gründen hatte sich das Suttner um den Schulversuch beworben. Die selbst auferlegten Handyregeln, die mit Eltern und Schülern abgestimmt wurden, besagen unter anderem, dass nur Schüler der 10. bis 12. Klasse das Handy nutzen dürfen. Und das außerhalb des Unterrichts für schulische und private Zwecke. Für Schüler bis zur 10. Klasse gilt das bayerische Handyverbot. Jüngeren Schülern falle es nämlich schwer einzuschätzen, dass es „andere Auswirkung hat, ob man einen nicht so netten Satz über einen Mitschüler im Internet hinterlässt oder auf dem Schulweg sagt“, formuliert Lörz.

Das Handy wurde auch deshalb zugelassen, weil es seit diesem Schuljahr eine Laptopklasse gibt. „Die Schüler sollen in den Pausen ihre digitalen Endgeräte nutzen können, so wie andere Schüler in den Pausen in ihre Hefte schauen“, sagt der Schulleiter.

Die Laptopklasse ist die Klasse 10a mit 20 Schülern. Ihr Klassenlehrer ist Jan Becker, der die Fächer Deutsch und Sport unterrichtet und mittlerweile Experte fürs Computer-Programm „OneNote“ ist. Damit arbeiten Schüler und Lehrer. „Die Heftführung ist digitalisiert, Bücher müssen die Schüler mitbringen“, beschreibt Becker das System.

Die Laptopklasse wurde eingerichtet, weil sich die Schule einen Weg in Sachen digitale Bildung sucht. „Die braucht man in unserer Welt“, ist Lörz überzeugt. Schülerin Sarah (15) sagt über den Beginn in der Klasse: „Ich fand’ es nicht so gut.“ Schließlich sind die Geräte, Tablets mit Tastatur oder Laptops teuer, die möglichst jeder Schüler anschaffen sollte. Geräte mit besserer Schreibfunktion kosten 1000 Euro. Wobei es zwei Schüler gibt, die ihre Geräte von der Schule leihen. Sarah hatte Bedenken, „weil ich nicht so viel Ahnung von Computern hatte“. Das hat sich aber geändert, inzwischen erklärt sie ihren jüngeren Cousinen das Programm.

An diesem Freitag hat die 10a Bio in der 4. Stunde. Im Unterricht von Biolehrerin Ute Marienfeld sollen die Schüler das Schaubild einer Niere beschriften, auf ihren Tablets. Lehrerin Marienfeld ist begeistert von der Art des digitalen Lernens. Sie schwärmt von den technischen Möglichkeiten, dass etwa jeder Schüler auf Mediziner-Apps Zugriff hat. „Die Schüler können am Bildschirm ins Organ  reingehen, die Abbildung beliebig vergrößern.“

Schülern der  10a fällt als Vorteil ein: „Lehrer können endlich meine Schrift lesen“, sagt Torben (15). „Man braucht nicht so viel Zeug, sondern hat immer alles dabei“, sagt Alex (16). „Wir kommen leichter an Übungsblätter heran“, sagt Daniel (16). Er erzählt, dass sich seine Leistung in der 10. Klasse verbessert habe. Wobei da die Lehrer zurückrudern. Das könne am Alter liegen, sagt Sabine von Appen, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. Schulleiter Lörz: „Dass neue Methoden das Lernen verbessern, ist oft Trugschluss.“

Wie nutzen die Schüler ihr Handy? Als Sarah mal am Fahrrad einen Platten hatte, sei es „praktisch“ gewesen, darüber die Eltern zu informieren, sagt sie. Spiele spielen? „Das ist eher etwas für die Unterstufe“, sagt Alex.

Infoabende am Suttner- und am Lessing-Gymnasium


Schulwechsel Wie geht’s weiter nach Klasse 4? Die Neu-Ulmer Gymnasien informieren über ihre Angebote. Das Suttner-Gymnasium in Pfuhl am Donnerstag, 28. Februar, mit einer Schulhausführung (17.15 Uhr) und der Veranstaltung in der Aula (18 Uhr). Das Lessing-Gymnasium lädt für Freitag, 22. Februar, zur Infoveranstaltung, Augsburger Straße, von 17 Uhr bis 19 Uhr. Eltern können sich über die Schule informieren, während die Viertklässler eine Rallye durchs Haus erleben. Das Lessing wirbt damit, dass es Schülerinnen und Schülern aus Ulm wie Neu-Ulm die Möglichkeit bietet, in neun Jahren zum Abitur zu gelangen. Kleinkindbetreuung während der Veranstaltungen.