Medien An der Pestalozzischule bleibt das Handy aus

Ulm / Beate Rose 06.10.2017
Das Handyverbot der Waldorfschule Illerblick wird viel diskutiert. Erfahrung als handyfreie Schule hat man bereits an der Pestalozzischule.

Seit sieben Jahren gilt bereits für die Schüler von Klasse eins bis neun der Pestalozzischule, einem sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum: Jeder Gebrauch des Handys auf dem Schulgelände ist verboten. Schüler der Klassen 7 bis 9 geben das Handy vor dem Unterricht ab. Bei Klassenfahrten darf das Handy, bis auf eine Stunde am Tag, nicht benutzt werden.  Es lebt sich friedlicher, sagt Schulleiter Stefan Henke (50).

Warum dürfen an der Pestalozzischule Schüler ihr Handy nicht mal in den Pausen benutzen?

Handys können wir nicht kon­trollieren. Schüler haben Fotos an der Schule gemacht, die irgendwo wieder auftauchten. Schon deswegen haben wir uns für ein Verbot entschieden. Dazu kam, dass einzelne Schüler mit ihren Handys sehr rumgeprotzt haben. Das ist blöd für die, die keines haben. Außerdem gab es ein paar Vorfälle mit Mobbing über WhatsApp. Das alles wollen wir nicht an der Schule.

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Wie wurde das Handyverbot eingeführt?

Am Anfang hatten wir noch erlaubt, dass Schüler in der Pause Musik hören dürfen. Aber auch das haben wir gestrichen, weil dann doch wieder Schüler Bilder mit dem Handy gemacht haben, die teils im Internet auftauchten. Das hat aber im Internet nichts zu suchen, weil das Internet ein Gedächtnis hat. Das müssen wir unseren Schülern immer wieder klarmachen. Mit den Eltern wurde das Verbot in der Schulkonferenz besprochen. Die Eltern akzeptieren das gut.

Welche Handy-Regeln haben Sie an der Schule?

Jeglicher Gebrauch ist verboten. Schüler können das Handy auf dem Schulweg nutzen, sobald sie an der Schule sind, ist das Handy aus. In den Klassen 7 bis 9 geben die Schülerinnen und Schüler ihr Handy zum Unterrichtsbeginn beim Klassenlehrer ab. Nach dem Unterricht holen sie es wieder. Wer mit eingeschalteten Handy auf dem Schulgelände angetroffen wird, dessen Handy wird einkassiert. Beim ersten Mal müssen es die Schüler bei mir wieder abholen.

Halten Sie eine Moralpredigt?

Nein, ich sag nur: Dumm gelaufen – und die Schüler wissen Bescheid. Die Kinder wachsen ja mittlerweile mit der Regel auf. Bei Folgeverstößen müssen die Eltern bei mir vorbeikommen. Dann spreche ich mit ihnen nochmal durch, warum wir an der Schule ein Handyverbot haben.

Wie lebt es sich an der handyfreien Schule?

Friedlicher als vorher. Manche Kinder bei uns haben Schwierigkeiten Kontakt zu anderen zu finden. Ohne Handy sind die Kinder auf sich zurückgeworfen, sie müssen sich miteinander beschäftigen. Das ist einfach nur gut. Genauso beim Schullandheim. Ein Schullandheim ohne Handy empfinde ich als Befreiung. Den Kindern gibt das Freiraum.

Kinder sollen heutzutage medienkompetent sein. Widerspricht dem nicht das Handyverbot?

Wir wollen das Handy nicht verteufeln. Uns geht es darum, unseren Schülern zu vermitteln welch tolle Anwendungsmöglichkeiten das Smartphone bietet, wie man sinnvoll damit umgeht, aber auch, dass das Internet nichts vergisst. Deswegen haben wir bei uns in der Schule speziell zur Handynutzung Präventionsprojekte. Unsere Schüler brauchen Unterstützung beim Umgang mit dem Handy. Und das ist die Aufgabe von Medienerziehung, nämlich den verantwortungsvollen Gebrauch des Handys und Umgang mit sozialen Netzwerken zu thematisieren. Wir haben hier an der Schule auch Tablets und nutzen sie im Unterricht, wo das sinnvoll ist. Wir missbilligen keineswegs, dass das Smartphone das Kommunikationsmittel für Kinder und Jugendliche ist. Schülern bleibt noch immer genug Zeit, die sie mit ihren Geräten verbringen können, auch wenn sie es an der Schule nicht benutzen dürfen. An der Schule bleibt das Handy aus.

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Was die Schulgesetze besagen

Baden-Württemberg Die Privatschulen in Baden-Württemberg können den Umgang mit dem Handy selbst regeln, heißt es aus dem Regierungspräsidium Tübingen. Für öffentliche Schulen gibt  die Landesregierung vor, dass ein störungsfreier Unterricht gesichert sein muss. Deswegen müssen die Handys im Unterricht ausgeschaltet bleiben. Grundsätzlich kann das Mitführen von Handys Schülern nicht verboten werden, heißt es aus dem Regierungspräsidium. Jede Schule kann aber in ihrer Hausordnung den Umgang mit dem Handy selbst festlegen und entscheiden, ob es etwa in den Pausen, auf dem Gelände oder in der Mensa genutzt werden darf. Und auch das gibt die Landesregierung vor: Bei schulwidrigem Gebrauch kann dem Schüler das Handy weggenommen werden, nach dem Unterricht muss er es  zurückbekommen.

Bayern Das Bayerische Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen regelt den Umgang mit dem Handy. In Art. 56 Abs. 5 steht: „Im Schulgebäude und auf dem Schulgelände sind Mobilfunktelefone und sonstige digitale Speichermedien, die nicht zu Unterrichtszwecken verwendet werden, auszuschalten. Die Lehrkraft kann Ausnahmen gestatten. Bei Zuwiderhandlung kann ein Mobilfunktelefon oder ein sonstiges digitales Speichermedium vorübergehend einbehalten werden.“