Meinung Kommentar zu Bedeutung des Mietspiegels: An der Realität vorbei

Christine Liebhardt
Christine Liebhardt © Foto: Volkmar Könneke
Ulm/Neu-Ulm / Christine Liebhardt 21.08.2018

Mietspiegel, das klingt schön verbindlich. Handfest und offiziell. Ein Instrument, mit dem sich etwas durchsetzen lässt. Etwa 1000 solcher Übersichten gibt es in Deutschland. Und seit Jahren gibt es Kritik an ihnen. Zurecht. Denn Mietspiegel sind mitnichten so objektiv, wie sie insbesondere von der Immobilienbranche gerne angepriesen werden. Wenn, wie in Ulm und Neu-Ulm, nur neue Mietverträge und solche mit geänderten – in der Regel erhöhten – Mieten zugrunde gelegt werden, sind nur die teuersten Wohnungen am Markt in der Übersicht repräsentiert. Das verzerrt die Realität, in der es auch Bestandsmieten und sozial geförderten Wohnraum gibt.

Und es treibt die Preise immer weiter in die Höhe: Wenn Vermieter neue Wohnungen zu hohen Quadratmeterpreisen anbieten – und in Ulm können das inzwischen schon mal 15 Euro kalt sein – und sich nur diese Angebote im Mietspiegel niederschlagen, dann profitieren davon in erster Linie wiederum die Vermieter. Sie können sich auf die von der Stadt in Auftrag gegebene Übersicht berufen und auch alte Mieten innerhalb der gesetzlichen Grenzen auf ein ortsübliches Niveau anheben. So schraubt sich die Spirale alle vier Jahre weiter nach oben.

Experten fordern deshalb, die Gültigkeit qualifizierter Mietspiegel auf zehn Jahre auszudehnen, um den Anstieg zu entschleunigen – eine gute Idee.

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