Bundesfestung An der Bundesfestung in Neu-Ulm nagt der Zahn der Zeit

Neu-Ulm / Edwin Ruschitzka 16.08.2018

Es gibt wunderschöne Ecken im alten Gemäuer der Bundesfestung auf Neu-Ulmer Gemarkung. Einige werden genutzt, viele schlummern still im Verborgenen. Und fast überall nagt der Zahn der Zeit – und zwar gewaltig. Das Gemäuer verfällt in großen Teilen. Vor der Sommerpause hat der Fachausschuss für Hochbau des Neu-Ulmer Stadtrats nach einem CSU-Antrag aus dem Jahr 2016 (!) über die Anlage diskutiert und beschlossen, beispielsweise in der Caponniere 6 im Glacis-Park mit der Beseitigung der Schäden zu beginnen. Allerdings erst ab dem Jahr 2020.

Der Stadt, so hieß es, fehle das Personal im zuständigen Fachbereich für Hochbau. Deshalb auch die späte Beratung. Und es fehlt offenbar zudem das Geld, denn jährlich werden zur Unterhaltspflege für die Bundesfestung in Neu-Ulm nur 80 000 Euro bereitgestellt. Das allerdings, so kritisiert auch die CSU, sei ein Betrag, der für laufende Reparaturen benötigt werde, nicht aber für ein Sanierungsprogramm ausreiche.

Mit dem Förderverein Bundesfestung hätte die Politik einen starken Verbündeten und Fürsprecher, doch die Kontakte in die Fraktionen und in die Verwaltung hinein, so der zweite Vorsitzende Michael Hartlieb und Michael Klausner, seien spärlich. Ganz im Gegensatz zu Ulm: „Dort finden wir ständig Gehör.“

Es ist ein Samstagvormittag. Hartlieb und Klausner nehmen die SÜDWEST PRESSE mit auf einen Rundgang durch die Wallanlagen. Es geht unter anderem zur Caponniere 6 und zur Poterne 6 im Glacis-Park, aber auch zur Bastion 5 an der Turmstraße, gleich gegenüber vom Kriegsspital, das umgebaut werden soll, um dort Wohnraum zu schaffen. Was dem Förderverein sehr missfällt. Caponniere, Poterne, Bastion sind militärische Begriffe für die Nutzungen der Bundesfestung im Verteidigungsfall, die von 1842 bis 1859 aus Angst vor einem Angriff der Franzosen gebaut worden ist, die aber nie benötigt wurde.

Weite Teile dieser Anlagen sind dicht bewachsen. Kleine und sehr große Bäume und Buschwerk setzen dem Gemäuer zu. Die letzten Rodungen fanden im Jahr 2011 statt. Lange hat sich also nichts getan, und das wird von Hartlieb kritisiert: „Es sind unbedingt kürzere Pflegeabstände notwendig.“ Wurzeln wachsen ins Mauerwerk, Wasser dringt ein. Und der Frost im Winter sorgt dafür, dass es das Gemäuer zerreißt.

Rodungen in kürzeren Intervallen hätten auch den Vorteil, dass die Anlagenteile besser zu sehen seien, mehr zur Geltung kämen. Es gibt Festungsteile, die müssten in kürzen Abständen, etwa alle zwei Jahre, vom Bewuchs befreit werden, und es gibt Teile, da könnten die Abstände länger sein, etwa vier Jahre. Der Förderverein würde die Stadtverwaltung diesbezüglich gerne beraten – wie auch in Ulm. Er hat der Stadt auch schon 2016 eine Mängelliste vorgelegt.

Dass die Neu-Ulmer Stadträte unlängst beschlossen haben, mehr zu tun, begrüßt der Förderverein. Unter anderem soll ein Bombentreffer aus dem Zweiten Weltkrieg im Dach der Caponniere 6 geflickt, das Gebäude ausgetrocknet werden. Marode ist auch das Dach der Caponniere 8 in der Schützenstraße. Ein neues soll 250 000 Euro kosten.

Die Bundesfestung Ulm und Neu-Ulm

Historie Nach der Niederlage Napoleons im Jahr 1815 wurden fünf Bundesfestungen gebaut: in Landau, in Mainz, in Rastatt, in Luxemburg und in Ulm/Neu-Ulm. Mit einer Hauptumwallung von neun Kilometern ist Ulm/Neu-Ulm die größte Befestigung des 19. Jahrhunderts. Entworfen wurde die Ulmer Anlage von damaligen Oberst Moritz Karl Ernst von Prittwitz und Gaffron. Die Leitung auf bayerischer Seite hatte Major Theodor Ritter von Hildebrandt inne. Nach den beiden sind Straßen und Plätze benannt. In Friedenszeiten sollte die Festung 5000 Soldaten beherbergen, in Kriegszeiten 100 000 Soldaten. Die geschätzten Kosten: 16,5 Millionen Gulden.

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