Erbach Neue Details im Blutrache-Prozess bekannt

Der Angeklagte im Prozess um Blutrache. Der 46 Jahre alte Mann wird beschuldigt einen Mann mit einem Hammer erschlagen zu haben.
Der Angeklagte im Prozess um Blutrache. Der 46 Jahre alte Mann wird beschuldigt einen Mann mit einem Hammer erschlagen zu haben. © Foto: Thomas Burmeister/dpa
Ulm / Petra Laible 18.06.2018
Das FBI ist eingeschaltet worden, um im Blutrache-Prozess von Google erstellte Handydaten des Angeklagten zu erhalten.

Die Sachverständige nannte am Montag im Blutrache-Prozess am Ulmer Schwurgericht Details. Sie sprach von sehr schweren Schädelverletzungen des Opfers, acht bis neun Mal sei mit einem Werkzeug auf seinen Kopf eingeschlagen worden. Der Vorsitzende Richter Gerd Gugenhan fragte nach,  ob der von Tauchern geborgene Zimmermannshammer mit Klaue als Tatwerkzeug geeignet war. Dieser passe zum Verletzungsbild, erklärte die 51-Jährige.

Auffällig sei weiter eine „frische“ Verletzung am linken Mittelfinger. Von einem „gezielten Fingerbrechen“, sprach die Rechtsmedizinerin, von „Folter“. „Das ist die Assoziation, die ich dabei habe.“ Das Opfer konnte identifiziert werden, weil sich in einer Jackentasche außer einer Zigarre auch der Krankenkassenausweis mit Personalien befand. Zu den Angaben passte eine Tätowierung auf dem rechten Unterarm: „Still in my heart“.

Motiv. Blutrache

Wegen Mordes angeklagt ist ein 46-Jähriger, ein Deutscher mit albanischen Wurzeln, der in Göppingen eine Autowaschstraße betrieb. Er soll den Albaner aus Steinfurt (Nordrhein-Westfalen) im April 2017 mit einem Mittäter an den Anglersee auf der Erbacher Seenplatte gelockt und  mit einem Hammer brutal erschlagen haben – aus Blutrache.  Hintergrund ist eine seit Jahren schwelende Fehde zwischen albanischen Familien.

Der Leichnam wurde in grüne Folie gewickelt, mit einem rund 19 Kilo schweren Betonsturz beschwert und in dem See versenkt. Der Angeklagte ist Mitglied des Eislinger Fischereivereins, der auf der Erbacher Seenplatte den Rößlesee nebenan gepachtet hat. Am 22. Mai entdeckte ein Anglerpaar im Wasser das längliche, verschnürte Paket.

Der 46-Jährige hat bereits zugegeben, bei dem Verbrechen Handlangerdienste erledigt zu haben, wie den Kauf von Folie. Er bestritt aber, an der Tötung beteiligt gewesen zu sein.

FBI um Hilfe ersucht

Um ein Bewegungsprofil des Angeklagten zu erstellen, wurden seine Handy-Daten herangezogen, die Google mittels Gerätenummer (siehe Infokasten) erfasst. Ein auf Cyberkriminalität spezialisierter Ermittler des Polizeipräsidiums Ulm wandte sich im Oktober 2017 mit einem Rechtshilfeersuchen an die amerikanische Justiz. Dem wurde stattgegeben: Das FBI übermittelte im Januar 2018 die von Google übergebenen Handydaten vom 12. bis 24. April.

 Die DVD habe über 5000 Datensätze enthalten, sagte ein weiterer Ermittler aus. „Wir können feststellen, dass an bestimmten Tagen bestimmte Ereignisse stattgefunden haben.“ Er erstellte „Tagesansichten“ mit den Standorten, an denen sich der Nutzer des Handys aufgehalten hatte. Unter anderem am 13. April, dem wahrscheinlichen Tattag, im Baumarkt Hornbach in Göppingen, wo Betonsturz und Folie gekauft worden waren. An diesem Abend, am Folgetag und dann noch am 18. April war das Handy des Angeklagten am Tatort, der Seenplatte in Erbach, eingeloggt.

Seit 16. April läuft der Prozess um den Mord an einem 19-Jährigen. Die Verhandlung wird am MIttwoch, 20. Juni, fortgesetzt.

Info: Jedes Smartphone und Tablet  hat eine individuelle Gerätenummer, die sogenannte Imei-Nummer (International mobile station equipment identity). Dadurch kann es weltweit identifiziert werden, sobald es sich ins Netz einbucht.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel