Obwohl Kosmetik und plastische Operationen bei Männern boomen, wie der deutsche Kosmetikverband berichtet, sieht Dhoreen Stachl in dem kleinen Schönheitsstudio in der Ulmer Schuhhausgasse Männer selten. Dabei gäbe es viele, denen eine Behandlung gegen Schwimmreifen - wie der Hüftspeck genannt wird - oder gegen Tränensäcke nicht schaden würde. Trotzdem: "Viele sind einfach noch nicht so weit - in Ulm sowieso", ist die Erfahrung der zierlichen Frau.

Die gebürtige Philippinin ist die Herrin über die "Beauty Time Machine" (Schönheits-Zeitmaschine), die samt Spezialkosmetik in der Schweiz von der Amadiva AG entwickelt worden ist und die sich über Franchise-Nehmer nun auch in Deutschland einen Namen machen will. Das Studio in Ulm ist nach Aussagen des Betreibers - einem Selbstständigen aus Heidenheim - das erste deutschlandweit.

Schweizer Uhren haben ja den Ruf, präzise zu arbeiten. Das soll auch bei dieser Technik so sein - nur dass die Zeitmaschine laut Werbung noch eine weitere Fähigkeit hat: "Amadiva dreht das Rad der Zeit zurück und hält es an." Die Haut finde ihre ursprüngliche Schönheit und Perfektion wieder.

Mit Hilfe von Radiofrequenzen und Infrarotstrahlen soll alles, was Mann und Frau beim Altern stören könnte - Falten, schlaffe Haut, Fettpolster -, bekämpft werden. Sie setzten körpereigene Prozesse in Gang: "Der Stoffwechsel wird angeregt, die Produktion von Kollagen, Elastin und Hyaluronsäure - Stoffe, die mit zunehmendem Alter abnehmen - wird angeregt", erklärt Dhoreen Stachl. Die Methode ist nicht neu. Viele Haut- und Schönheitskliniken wenden sie in ähnlicher Weise seit einigen Jahren an. Darunter auch einer der Stars unter den Schönheitschirurgen: Dr. Afschin Fatemi. Der Vorteil ist - wie es seitens der Kliniken heißt: "Dass diese Technik die einzige wirksame Waffe gegen das Altern ist, die ohne einen invasiven Eingriff erfolgt."

Die Kundin im Amadiva-Studio legt sich auf eine Liege und Dhoreen Stachl dreht und drückt Knöpfe und Schalter an einem Gerät auf Rollen. Unter das Schulterblatt der Kundin kommt eine kleine Metallplatte wegen des Ionenaustauschs - "Uii, die ist aber kalt", schaudert die Frau und lehnt sich zurück: "Das ist gleich vorbei. Ab jetzt machen Sie gar nichts mehr und entspannen einfach", sagt die 37-Jährige, und die Frau schließt die Augen.

Wer eine Behandlung bucht, muss Zeit mitbringen. Rund eine Stunde lang "bügelt" Dhoreen Stachl das Gesicht, aber auch Schenkel, Bauch und Hüften glatt. Das Gesicht wird zuvor gereinigt, dann trägt sie mit dem Pinsel eine Lotion auf und beginnt anschließend mit einem Gerät in kreisenden Bewegungen über die einzelnen Partien des Gesichts zu fahren. Da, wo der runde, flache Aufsatz verweilt, wird es warm.

"Durch den Wärmeeffekt der Radiofrequenzwellen im Gewebe ziehen sich die Bindegewebsfasern zusammen, die Haut wird straffer", erklärt Dhoreen Stachl, die bei einem Workshop der Firma in der Schweiz geschult wurde. Zusätzlich bildeten sich neue Kollagenfasern über die gesamte Behandlungszeit. "Das ist auch der Grund, warum der Effekt anhält", sagt sie.

Die 57-jährige Ulmerin auf der Liege nickt: "Und man sieht es auch gleich. Die Gesichtshaut wird glatter." Sie sei das vierte Mal da und habe sich zuvor überlegt, Botox oder Hyaluron spritzen zu lassen: "Brauch' ich jetzt nicht mehr." Noch überzeugter sei sie vom Ergebnis an den Schenkeln: "Die ganzen Dellen sind weg. "Ich bin zufrieden, sonst würde ich das Geld nicht investieren."

Apropos Geld: Zum Schnäppchenpreis ist die Behandlung nicht zu haben. Im Schnitt kosten die Glättung sowie Fettabbau am Körper rund 110 Euro pro Sitzung. Speckrollen wird ganz ohne anstrengendes Trainingsprogramm mit Joggen, Gymnastik und Gewichte stemmen, zu Leibe gerückt. Auch in diesem Fall wird auf die Technik gesetzt: Ein Gerät stimuliert die Muskeln elektronisch und sendet Infrarotstrahlen.

Die Vorbereitung für dieses - ebenfalls rund einstündige Programm - dauert länger. Dhoreen verkabelt den liegenden Kunden an Waden, Schenkeln, Hüfte, Bauch und Armen. Auf die Pads, die an Computermäuse erinnern, kommt ein Gel, und dann werden sie mit Gürteln an den Körperteilen angedockt. Wenn Dhoreen Stachl dann wiederum an Knöpfen und Schaltern dreht, spürt man verschiedene Impulse: ein dauerhaftes Kribbeln, klopfend und stechend.

Wer hiermit abnehmen will, sollte jedoch auch seine Ernährung umstellen. "Eine Wundermaschine ist das nicht", sagt der Betreiber, der selbst elf Kilo verloren hat, wie er sagt. Auf die Liege und den Rest der Woche "weiter Torten mampfen", sei nicht sinnvoll. Deshalb würde seine Mitarbeiterin alles sorgfältig dokumentieren und die 37-Jährige gibt auch Ernährungstipps. Entweder ganz persönlich dem einzelnen Kunden und "manchmal machen wir Infoveranstaltungen für Interessierte hier im Studio", sagt sie. Auch Amadiva bietet unter dem Motto "Support your Body" (Unterstütze deinen Körper) neben Tabellen für "erlaubte" und "unerlaubte" Nahrungsmittel Kochrezepte sowie Ampullen, deren Inhalt beim Abnehmen helfen sollen.

Im orange-farbenen Sessel im Foyer des Studios sitzt ein Mann. "Ich wollte eigentlich abnehmen", räumt er ein und schaut auf seinen Bauch. Aber es habe sich herausgestellt, dass er zunächst einmal seine Schmerzen im Rücken und in den Beinen loswerden muss. "Er kann kaum auf die Liege klettern", sagt Dhoreen Stachl. Die elektronischen Impulse würden auch gegen Schmerzen helfen, entspannen und stabilisieren.

Er habe nach fünf Behandlungen eine wesentliche Verbesserung im Rücken gemerkt, sagt er. Und für ihn noch wichtiger: "Der unerträgliche Schmerz in meinen Beinen - ich habe verhärtete Muskeln - lässt jetzt langsam nach." Er werde auf jeden Fall weitermachen. "Bislang haben alle Therapien versagt bei mir."

Nicht nur die Technik spielt eine Rolle, auch der Mensch. In diesem Fall ist es Dhoreen Stachl, deren umsorgende Art helfe, sich wohlzufühlen, sagt eine Kundin. Die 37-Jährige achtet auch auf die Gesundheit: Wer einen Herzschrittmacher trägt, eine Spirale, an Epilepsie leidet und anderes mehr, den schickt sie weg. Die anderen können versuchen, die Zeit zurückzudrehen.