Gögglingen/Donaustetten Am Ende gibt es immer Kaffee und Kuchen

JÜRGEN BUCHTA 11.08.2012
Solange ich helfen kann, werde ich helfen. Nach der Devise richtet sich Dieter Finn schon seit Jahrzehnten. "Senioren in Aktion", unter dem Titel firmiert das neueste Projekt, in dem er ehrenamtlich tätig ist.

. Am 4. September geht es wieder los. Auf dem Programm steht ein Besuch bei der Metzgerei Koch in Biberach. Koch beliefert den Rewe-Markt in Donaustetten. "Die Leute sollen sehen, woher das Fleisch und die Wurst stammen, die sie kaufen", sagt Dieter Finn, 73.

Schwierigkeiten, den Bus zu füllen, der sie nach Biberach bringt, wird es nicht geben. Schon heute melden sich mehr Senioren aus dem Ulmer Ortsteil für die monatlichen Ausflüge an, als Plätze zur Verfügung stehen. Zumal dabei auch die Geselligkeit nicht zu kurz kommt. "Am Ende gibt es immer Kaffee und Kuchen", berichtet Finn. Die dazu nötigen Tische sind in der Bäckerei Kirsamer reserviert.

"Senioren in Aktion", kurz Sia, heißt das Projekt. Auf Anregung der Stadtverwaltung attraktive Angebote für Senioren in den Ortsteilen zu schaffen und in enger Zusammenarbeit mit Ortsvorsteher Markus Mendler wurde Sia vor einem Jahr ins Leben gerufen. Finn, seit 36 Jahren Vorsitzender des Dachverbands der 17 örtlichen Vereine, übernahm dabei den Part, die Kontakte zu den Firmen, die besichtigt werden, herzustellen und die Ausflüge zu organisieren. Finns Mitstreiter bei Sia, Josef Kaifler, veranstaltet Erkundungen in Feld und Flur und organisiert Singkreise für Volkslieder.

Finn ist in Simmern im Hundsrück aufgewachsen. Eigentlich, so erzählt er, wollte er Elektrotechnik studieren. Eines Praktikums wegen kam er zu Telefunken nach Ulm. Dort hat er seine spätere Frau kennengelernt. "Ich musste mich zwischen ihr und dem Hundsrück entscheiden." Er heiratete und fand seine berufliche Verankerung als Kaufmann im Groß- und Außenhandel bei Boehringer in Biberach. "Zuerst wohnten wir in Ulm", erzählt Finn. "Als wir in Gögglingen bauten, wurde ich sofort Mitglied im hiesigen Sportverein." Lange dauerte es nicht, da gehörte er fast allen örtlichen Vereinen an.

Als es darum ging, den "Donausommer" auf die Beine zu stellen, das große Festwochenende im Ortsteil, an dem viele Vereine mitwirken, war Finn selbstverständlich mit von der Partie. 2004 wurde ihm die Ehrennadel des Landes, die höchste Auszeichnung für ehrenamtliches Engagement, verliehen. Mittlerweile ist der "Donausommer" so fest im Dorfleben verankert, dass die beiden Hauptakteure, Finn und Mendler, diese Organisation an andere weiter gegeben haben.

"Unser konzeptioneller Ansatz für die Fahrten ist, unseren älteren Mitbürgern Einblicke in Firmen und Einrichtungen zu geben, mit denen sie in der ein oder anderen Weise immer wieder zu tun haben, den sie sich allein aber kaum verschaffen könnten", berichtet Finn. So führte die erste Betriebsbesichtigung zu Lebkuchen Weiss. Nicht allein, weil Lebkuchen auch im Ulmer Südwesten gut schmecken. "Der Betriebsleiter kommt aus Donaustetten." Bei anderen Fahrten schaute man sich im Klärwerk Steinhäule und in der Müllverbrennungsanlage im Donautal um. Und für kommenden Oktober und November stehen die Ziele auch schon fest. Zuerst gehts in die Wilhelmsburg und im Monat darauf zum Fruchthof Nagel.

Die Senioren wollen sich nicht nur bedienen lassen, erzählt Finn weiter. Im alten Gögglinger Schulhaus sind sie drauf und dran, einen leer stehenden Raum als Treff herzurichten. Zur Eröffnung sei eine Fotoausstellung geplant. Und er, Finn selber, wie lange will er sich noch ehrenamtlich für andere einsetzen? "Solange ich helfen kann, werde ich helfen", verspricht er. "Und wenn mir das keinen Spaß machen würde, würde ich es auf der Stelle bleiben lassen."