Aushub Altlasten am Safranberg kosten Stadt 7 Millionen Euro

Das Gebiet rund um das alte Klinikum ist mit Altablagerungen belastet. Westlich des früheren Hauptgebäudes sollen sie umfassend ausgehoben werden.
Das Gebiet rund um das alte Klinikum ist mit Altablagerungen belastet. Westlich des früheren Hauptgebäudes sollen sie umfassend ausgehoben werden. © Foto: Siegfried Geyer
Ulm / Christine Liebhardt 11.09.2018
Bauschutt, Schlacke, Asche, Teer: Im neu entstehenden Wohnquartier beim ehemaligen Klinikum gibt es einiges zu entsorgen.

Lieber verzichtet die Stadt auf ein Stück Bauland, als es teuer zu sanieren. Das ist die Konsequenz der vielen Altlasten, die sich im künftigen Wohngebiet Leimgrubenweg am Safranberg im Boden befinden. Wer das Risiko eingehen will, kann zwar dennoch bauen. Ausgehoben werden die Ablagerungen aber nur an anderer Stelle auf dem Gelände des ehemaligen Klinikums. Diesem Vorgehen haben alle Mitglieder des Bauausschusses vor Kurzem zugestimmt.

Zwar könnte die Stadt es sich auch deutlich einfacher machen. Etwas neuer Oberboden, das Ganze versiegeln, zack, schon könnte gebaut werden. Denn, wie Stadtplaner Harald Walter im Bauausschuss dargestellt hat: Zwar ist eine 2,1 Hektar große Fläche im Westen des Areals betroffen, etwa ein Viertel davon tangiert das Baugelände. Aber weder Grundwasser noch Mensch sollte gefährdet sein, wenn man die oberste Schicht des Bodens austauschen würde. Weshalb also das komplette Programm mit Aushub und Neuverfüllung? „Die Vermarktung klappt besser ohne die Altlasten“, erläuterte Walter.

Teure Entsorgung

Also ohne Hausmüll, Bauschutt und Sonderabfälle, die bis zu neun Meter in die Tiefe reichen. Letztere müssen teuer entsorgt werden. Über die Vermarktung will die Stadt denn auch diese Kosten wieder reinholen: Sie belaufen sich immerhin auf fast sieben Millionen Euro. 3,9 Millionen Euro davon müssen außerplanmäßig im Haushalt zur Verfügung gestellt werden. Refinanziert werden soll das über die Grundstückspreise.

Schon 2013 hatte eine Altlastenkommission die Ablagerungen bewertet. Damals wurde festgestellt: Dort, wo Nutzgärten, Grünland oder Kinderspielflächen entstehen sollen, reicht es, 70 Zentimeter des Bodens auszuheben, abzudecken und einen neuen Oberboden aufzubringen. Zwischen 1920 und 1950 ist das Örlinger Tal mit Ton, Sand, Schluff und Bauschutt, aber auch Beimengungen von Hausmüll, Asche, Schlacke, Teer, Asphalt, Gießerei-Sanden und Carbid-Schlamm verfüllt worden.

Mit Blick auf die Vermarktung der Baugrundstücke hat die Stadt die Ablagerungen zwischen Herbst 2017 und dem Frühjahr dieses Jahres noch einmal untersuchen lassen. Ergebnis: Im südwestlichen Teil des Wohngebiets, wo die meisten Ablagerungen liegen, haben diese einen hohen Anteil an organischem Material. Das darf aber nicht einfach auf die Deponie gekippt werden. „Das müsste man zum Beispiel verbrennen“, erläuterte Walter. Und das käme die Stadt teuer zu stehen: 11.500.000 Euro würde ein Totalaushub kosten.

Weshalb die Verwaltung vorschlägt, wirtschaftlicher vorzugehen und dort, wo sich die größten Mächtigkeiten an Ablagerungen befinden, nicht zu bauen. 25 bis 30 der geplanten Wohneinheiten werden jetzt also nicht realisiert. Im restlichen Baubereich werden die Altablagerungen komplett ausgehoben: Das sind 30.000 bis 40.000 Kubikmeter. Mitte November sollen die Arbeiten beginnen, parallel zur Erschließung.

Wer will, kann auch auf den Ablagerungen bauen

Risiko Nur, weil die Stadt entschieden hat, die Altlasten nicht auf der gesamten Fläche des Wohnquartiers auszuheben, heißt das nicht, das auf dem Restgrundstück nicht gebaut werden kann. „Ein Bauträger könnte auch direkt auf die Halde bauen“, sagt Harald Walter. Zwar wurde auf die Vermarktung des Grundstücks verzichtet. Sollte dennoch ein Bauherr bereit sein, direkt auf der Altablagerung ohne Bodenaushub zu bauen und das damit verbundene wirtschaftliche Risiko zu tragen, ist dies aber grundsätzlich noch möglich.

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