Wenn das Deutsche Rote Kreuz (DRK) Kleiderspenden erhält, sind die oft in schlechtem Zustand. „Manche Säcke machen wir auf und gleich wieder zu“, sagt Claudia Steinhauer vom DRK Kreisverband Ulm. Einige Ulmer spenden veraltete und kaputte Anziehsachen, die niemand tragen will.

Diese Läden in Ulm und Neu-Ulm nehmen Kleiderspenden entgegen

Doch das DRK bekommt auch jede Menge Kleidungsstücke in guter Qualität, die in den Secondhand-Läden in Ulm, Blaustein, Ehingen und Laichingen weiterverkauft werden. Wer keine Lust auf einen Flohmarkt hat, kann seine Altkleider nicht nur beim Roten Kreuz abgeben. Auch die Secondhand-Läden der Neuen Arbeit in Ulm und Neu-Ulm, der Fairkauf-Laden der Caritas, die Secontique oder der Oxfam-Shop nehmen gebrauchte Kleidungsstücke an.

Die Textilien müssen in gutem Zustand sein. „Die meisten kaufen keine Jeans, die schon abgetragen sind“, sagt Christa Schemmel, Ansprechpartnerin für den Fairkauf-Laden. Wichtig ist auch, dass die Kleidung nicht aus der Zeit gefallen ist. „Lodenmäntel aus den 70ern will heute niemand mehr.“ Und: Wer Kleidung abgeben will, sollte im Sommer Sommerkleidung spenden, im Winter Winterkleidung. Besonders gefragt: gut gepflegte Schuhe. Für stark verschmutzte Kleidung bleibt nur eines: ab in den Restmüll.

Entsorgung über Altkleider-Container und auf dem Recyclinghof

Altkleider können auch über die Container und Recyclinghöfe der Entsorgungsbetriebe der Stadt Ulm (Ebu) entsorgt werden. Die Firma Striebel Textil sortiert die Kleidung und verkauft sie weiter.

In Neu-Ulm können Altkleider auf dem Wertstoffhof in der Breitenhofstraße abgegeben werden. Auch Organisationen wie das Bayerische Rote Kreuz (BRK) stellen in Neu-Ulm Container auf. Die Inhalte daraus landen teilweise in Secondhand-Shops, teilweise werden sie an Zwischenhändler weiterverkauft, mangelhafte Ware wird verarbeitet: „Wir machen daraus Fasern oder schneiden die Altkleider zu Putzlappen zu“, sagt Martin Steck von der Ulmer Firma Glaeser Textil.

Viel Müll in Kleidersäcken und Containern

Die Mitarbeiter von Glaeser Textil leeren die Neu-Ulmer Container des BRK – und finden darin nicht nur Altkleider, sondern auch Küchenabfälle, Windeln oder tote Katzen. Weil Altkleider-Container oft zugemüllt werden, hat sich das Rote Kreuz in Ulm dagegen entschieden, sie aufzustellen. Auch bei der Aktion Hoffnung Rottenburg-Stuttgart, die die Secontique in Ulm betreibt, ist das Müllproblem ein Thema: „Die Sortierbetriebe müssen dafür Müllgebühren zahlen“, sagt Pressesprecher Jochen Mack. Vermüllte Container bedeuten also nicht nur zusätzliche Arbeit, sondern auch zusätzliche Ausgaben für die Firmen.

Was viele nicht wissen: Nur ein Bruchteil der in Deutschland gespendeten Kleidung geht an Bedürftige. Vieles wird weiterverkauft, nach Osteuropa oder Afrika. Schon lange gibt es deshalb Kritik an Altkleiderspenden. Der Vorwurf: Nach Afrika verschiffte Secondhand-Ware zerstöre dort die lokalen Textilmärkte. Produzenten vor Ort könnten nicht mit den günstigen Preisen der Importkleidung mithalten.

Ob das stimmt, ist umstritten. Außerdem gibt es Gründe für den Export: Straßenhändlern in afrikanischen Ländern sichert die Importkleidung ihren Lebensunterhalt. Schneiderinnen und Schneider passen die gebrauchte Kleidung vor Ort an. Deutsche Organisationen wie das Rote Kreuz finanzieren durch den Weiterverkauf von Altkleidern außerdem soziale Projekte.