Stana Jovic: Immer nur als Aushilfskraft gearbeitet

Seit Dezember lebt Stana Jovic im Übernachtungsheim des Deutschen Roten Kreuzes in der Frauenstraße, weil sie ihre Ulmer Wohnung aufgegeben hat. Sie wollte die Miete sparen und hatte sich eigentlich gedacht: Im Sommer könnte sie in ihrem alten, nicht heizbaren Haus in Bosnien wohnen, im Winter abwechselnd bei ihren beiden Kindern und deren Familien in Ulm. Aber das Zusammenleben klappte nicht.

Stana Jovic, die nächste Woche 69 wird, ist körperlich und psychisch angeschlagen und daher seit neun Jahren in Frührente. Hinzu kommt, dass die gebürtige Bosnierin - ohne Schulabschluss ("die höhere Schule war weit weg") und ohne Ausbildung ("Ich musste meinen Eltern auf dem Bauernhof helfen") - mit 22 Jahren und jung verheiratet als Gastarbeiterin nach Deutschland kam. Hier hat sie aber immer nur als Aushilfskraft in Textilfabriken und Küchen gearbeitet - und das mit großen Unterbrechungen, als 1971 und 1977 ihre Kinder geboren wurden.

So erhält sie momentan eine monatliche Rente von 635 Euro. 400 Euro würde sie für eine Einzimmerwohnung (kalt) ausgeben. Sie hofft, dass sie bald eine ebenerdige Wohnung findet, da sie wegen ihrer kranken Hüften mit dem Gehwagen unterwegs ist. 170 Euro zahlt das Amt für Grundsicherung. Für Stromkosten muss sie selbst aufkommen. Dann blieben ihr zum Leben pro Monat etwa 360 Euro. Ihre "Klamotten", wie sie sagt, erhält sie derzeit in der DRK-Kleiderkammer.

Warum helfen ihr nicht ihre berufstätigen Kinder? Der Kontakt gestalte sich sehr schwierig, weil es Stana Jovic als Alleinerziehende nicht leicht hatte. Und ihr Mann? Dieser war erst beim Militär, später hatte er oft keine Arbeit, reiste immer wieder in seine Heimat Bosnien und gab dort die Ersparnisse seiner Frau aus. "Er wollte nicht arbeiten." Deshalb gab es viel Streit und schließlich die Trennung. Der Weg danach war hart.

Renate Müller: Das Auto und der Hund sind mein Luxus

Ihre Rente ist zu „hoch“, um Sozialleistungen zu bekommen und zu gering, „um sich was leisten zu können“. Renate Müller (Name geändert) wird im August 67 und erhält eine Rente von „800 Euro und 52 Cent“. Davon gehen 400 Euro Miete weg für eine 50 Quadratmeter große Wohnung in Böfingen am Eichberg. Vom Rest zahlt sie Müll-, Fernseh- und Telefongebühren, Strom, Kleidung, Lebensmittel und seit neun Jahren Futter für ihren Hund. „Denn der macht mich glücklich und für den habe ich auch das Auto.“ Damit beide nicht immer nur in Böfingen spazieren gehen müssen. „Das Auto und der Hund sind mein Luxus.“

Ansonsten habe sie heute noch ihre Möbel, die sie 1990 aus der ehemaligen DDR nach Ulm mitgebracht hat. Eine der beiden Töchter hatte im Urlaub in Ungarn einen Ulmer kennen gelernt.

„Ich habe immer viel gearbeitet“, sagt die geborene Sächsin und gelernte Industrieschneiderin. Während ihr Mann im Bergbau schuftete, fand sie in Pirna nur Jobs etwa als Datenlocherin und Lagerarbeiterin. Zwischen den Schichten ging sie noch putzen. Arbeitsfreie Pausen hatte sie jeweils nur sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt ihrer Töchter.

In der Ulmer Region arbeitete sie – inzwischen geschieden – in einem Kaufhaus-Bistro und in einer Textilfirma. Vor ihrer Rente war Renate Müller zwar einige Jahre arbeitslos, bekam aber dennoch 43 Jahre anerkannt. Heute betreut sie zehn Stunden pro Monat eine behinderte Frau im Tannenhof. „Das sind 80 Euro!“ Geld, das sie für eventuelle Tierarztkosten spart.

Dagmar Bauer: Wenn, dann wird stets nur ein Zimmer geheizt

Dagmar Bauer, 61, erhält noch zwei Jahre lang Hartz IV mit monatlich 613 Euro. Zudem bekommt sie für einen der beiden Söhne 184 Euro Kindergeld, weil er wie sein älterer Bruder noch studiert. Alle drei leben in Wiblingen in einer 80 Quadratmeter großen Dreizimmerwohnung. Geheizt, wenn überhaupt, wird immer nur im Wechsel in einem der Jungenzimmer, „damit mir keiner krank wird vor den Prüfungen“. Die kleine zierliche Frau friert im Winter und hat Arthrose in allen Gelenken, will aber trotzdem die Nebenkosten sparen.

Rein zum Leben bleiben den dreien dennoch nur 170 Euro im Monat. Geht das überhaupt? Es muss. Dagmar Bauer fährt mit dem Fahrrad nach Ulm, „weil der Bus zu teuer ist“ und kauft im DRK-Tafelladen ein. Was dort nicht an Waren zu bekommen ist, kauft sie in Dosen im Supermarkt. Denn ihr Limit sind 13 Euro für den Einkauf. Pro Woche.

Die gebürtige Würzburgerin hat nach ihrer Ausbildung zur Krankenpflegerin in Heidenheim, wo heute noch ihre Geschwister leben, nur 18 Jahre gearbeitet: erst an der Uni Tübingen, dann an der Uni Ulm. 1987 heiratete sie. Von 1989 an war sie immer für ihre beiden Söhne da. 1995 ließ sie sich scheiden und musste danach stets von Sozialhilfe leben, weil der Vater der Kinder keinen Unterhalt gezahlt habe.

Dagmar Bauers Ausblick: Sobald sie 63 ist, wird sie 650 Euro Rente erhalten. Ihr Wunsch: Dass sie für sich eine günstige Zweizimmerwohnung in Wiblingen findet, sobald ihre Söhne auf eigenen Füßen stehen.