Soziales Alten- und Pflegeheim Wiblingen aufgelöst

Ulm / Verena Schühly 12.07.2018

Neun Monate lang steht das frühere Alten- und Pflegeheim (APH) im Südflügel des Klosters Wiblingen schon leer. Die Bewohner und Mitarbeiter sind seit 1. Oktober im neuen Seniorenzentrum an der Kapellenstraße, das die Pflegeheim GmbH des Alb-Donau-Kreises betreibt.

70 Jahre lang hat die Stadt Ulm das APH unterhalten, das als einzige Einrichtung dieser Art mit der Zeit immer unwirtschaftlicher wurde. Weil dann noch die Landesheimbauverordnung mit ihren Vorschriften größere Umbauten nach sich gezogen hätte und sich zudem herausstellte, dass der barocke Dachstuhl sanierungsbedürftig ist, hat die Stadt 2012 beschlossen, das Heim aufzugeben. Gemietet hatte sie das Gebäude vom Land für wenig Geld, aber mit der Verpflichtung, den Gebäudeunterhalt zu übernehmen.

Mit der Entscheidung zum Aus des APH begann die Stadt, nach einer Alternative zu suchen. Die fand sich 2014 im Angebot der Pflege-GmbH, ein neues Heim in Wiblingen zu bauen, zu betreiben und den Bewohnern und Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, dorthin umzuziehen. Bereits am 1. August 2016 übernahm die Pflege-GmbH die Betriebsführung. Der Mietvertrag wurde zum Jahresende 2017 gekündigt.

Nur noch 90 Plätze belegt

Was der Stadt Ulm aber geblieben ist, ist der Ausgleich des Defizits. Dieses lag 2017 bei 1,34 Millionen Euro. Den Betrag weist die Schlussbilanz auf. Mit eingerechnet sind alle Abschreibungen sowie die Kosten für den Umzug und die Entrümpelung. Die Höhe des Defizits resultiert auch daraus, dass die Belegung im vergangenen Jahr bei nur noch 60 Prozent gelegen hatte. Von ursprünglich 143 Plätzen waren nur noch 90 belegt, damit alle Bewohner mit umziehen konnten. Das Defizit wird aus dem kommunalen Haushalt ausgeglichen. Auch die verbleibenden Verbindlichkeiten in Höhe von knapp 20 000 Euro und Forderungen von etwas mehr als 700 Euro werden auf den städtischen Haushalt übertragen. Das hat der Betriebsausschuss Alten- und Pflegeheim Wiblingen gestern beschlossen.

Anschließend hat das 14-köpfige Gremium den Eigenbetrieb APH formal aufgelöst – und damit sich selbst – sowie die Betriebssatzung  aufgehoben. Beides rückwirkend zum 31. Dezember 2017. Nach 40 Minuten war die „denkwürdige Sitzung“ zu Ende, wie Bürgermeisterin Iris Mann sagte. Manche Teilnehmer sprachen von einem „historischen“ Anlass. Helga Malischewski (FWG) nannte die Aufgabe des Heims „eine Zwangstrennung, mit der Wiblingen ein Stück Seele genommen“ werde.

Richard Böker (Grüne) zeigte sich „wehmütig“: „Das Ding war eine schöne Kiste, aber aus wirtschaftlichen Gründen nicht haltbar.“

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