Umwelt Alte Fichte ohne Spitze darf stehen bleiben

Daniela Fischer (BUND) und Bernd Kurus-Nägele (Bund Naturschutz) zeigen den Beweis, dass das Holz der vom Sturm abgebrochenen Fichtenspitze noch intakt war. Im Hintergrund sieht man die besagte Fichte.
Daniela Fischer (BUND) und Bernd Kurus-Nägele (Bund Naturschutz) zeigen den Beweis, dass das Holz der vom Sturm abgebrochenen Fichtenspitze noch intakt war. Im Hintergrund sieht man die besagte Fichte. © Foto: Oliver Schulz
Ulm / cst 08.06.2018

Die etwa 90 Jahre alte Fichte war bereits sehr hoch gewachsen. Im vergangenen Sommer jedoch brach die vom Wind leicht angreifbare Dreifach-Spitze des Solitärbaumes etwa auf einer Höhe von zehn Metern ab. Dreifachspitze deshalb, weil die Fichtenspitze vor 15 Jahren schon einmal abgebrochen war und an der Bruchstelle gleich drei Triebe emporgewachsen waren.

Da die Fichte genau auf einem Durchgangsweg in der Böfinger Kleingartenanlage Braunland steht, „haben wir die Versicherungspflicht“, sagte Gerhard Schilling auf Anfrage, der Vorsitzende der dortigen Kleingärtner Ulm. Deshalb habe er gemeinsam mit den für die Kleingartenanlagen zuständigen städtischen Liegenschaften von Anfang an dafür plädiert, dass die Fichte komplett gefällt wird.

Unterschriften gesammelt

Das aber wollten einige Kleingärtnern nicht, die ringsum ihre Gärten haben. Denn sie schimpfen nicht – wie sonst oft üblich – über den Schatten, den ein großer Baum nun mal auf die Beete wirft  oder über die herabfallenden Nadeln, sondern sie lieben ihre alte Fichte. Neun dieser Hobbygärtner sammelten deshalb zur Rettung des Baumes Unterschriften, wollen aber ihren Namen nicht in der Zeitung lesen, „damit wir keinen Ärger mit unserem Vorsitzenden bekommen“. Und sie baten Daniela Fischer, Regionalgeschäftsführerin des BUND Ulm, sowie Bernd Kurus-Nägele, Kreisgeschäftsführer des Bund Naturschutz in Bayern, um Hilfe. „Das war ein neun Monate langer, zäher Weg bis zur Rettung des Baumes“, sagte Daniela Fischer nun bei einem Vororttermin.

Weil ein Mitarbeiter der Stadt den Baum „nur oberflächlich“ auf seine Vitalität hin überprüft und gleich eine Fällung empfohlen habe,  schaltete der BUND selbst einen Gutachter ein. Dieser sei in die Krone geklettert und habe die Fichte für verkehrssicher erklärt, berichtete die Umweltschützerin. Kurus-Nägele hat einen Teil der abgebrochenen Spitze sogar aufgehoben, um zu beweisen, dass das Holz frei von Fäulnis sei. Außerdem sind daran Kotspuren von Vögeln zu sehen.

Denn: Eine artenschutzfachliche Überprüfung durch einen externen Biologen hat ergeben, dass in der Fichte Turmfalken brüten, die sogar beim Vororttermin aus dem Nadelbaum herausflogen. Weiter fand der Biologe Beweise, dass dort die Zwergfledermaus und das Braune Langohr – ebenfalls eine Fledermaus – ihr Sommerquartier haben. Das heißt, sie jagen in dem Revier, eine Bruthöhle konnte bislang nicht entdeckt werden. Dies teilte der BUND wiederum der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt mit. „Seit das alles klar ist, darf der Baum plötzlich stehen bleiben“, freut sich Daniela Fischer.

Und noch mehr freut sie sich über die Spende zweier unbeteiligter Bürger, die dem BUND 10 000 Euro zweckgebunden gespendet haben. Damit sollen nun die jährlichen Baumkontrollen bezahlt werden. Eine kostet etwa 100 Euro. Sollten Pflegearbeiten notwendig werden, kommen noch einmal 250 Euro dazu. Kommentar eines Kleingärtners: „Das Geld reicht ewig.“

Und was sagt Vorsitzender Schilling zu der Wende? „Der Baum bleibt jetzt halt stehen.“ Aber er halte nicht viel davon. „Der Baum ist ein Krüppel.“

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