Auch auf der Rollsportanlage des SSV Ulm 1846 saßen die Spieler im Sattel, allerdings einem Fahrradsattel. Die Spieler jagten mit Schlägern einem kleinen orangefarbenen Kunststoffball hinterher und probierten ihn ins gegnerische Tor zu schlagen – Bikepolo. Seit Januar hat der SSV diese Abteilung. Jetzt fand das erste Turnier statt: „Glücksritter 2014.“

Rund 30 Spieler traten gegeneinander an, aus Augsburg, München, Mannheim, Dortmund, Garmisch-Partenkirchen, Ulm. Olaf Kiessling ist der Leiter der neuen SSV-Abteilung. „Ich habe auf You Tube einen Film über ein Bikepolo gesehen und war sofort Feuer und Flamme.“

Bikepolo kommt, wie Polo überhaupt, von den Britischen Inseln. Es wurde vor 100 Jahren von Leuten gespielt, die sich „richtiges“ Polo mit Pferden nicht leisten konnten. Irgendwann interessierte sich niemand mehr dafür. In den USA entstand Bikepolo in den 90ern neu. Fahrradkuriere vertrieben sich damit die Zeit in den Pausen. Wie viele US-Moden ist dieser Sport nun auch in Europa auf dem Vormarsch, beliebt besonders bei Studenten.

Seit fünf Jahren wird auch in Ulm gespielt. Zuerst gab es keine festen Spielstätten, die Sportler trafen sich in Tiefgaragen und waren auf der Suche. Vor zwei Jahren durften sie die leer stehende SSV-Rollsportanlage benutzen, jetzt gehören sie zum Verein. Im Frühjahr richteten sie die eingewachsene Anlage her. „Wir haben den Belag mit Dampfstrahlern von Moos befreit und rund drei Kubikmeter Laub entfernt. Damit waren wir drei Monate wöchentlich beschäftigt“, sagt Kießling.

Die Abteilung hat 15 Mitglieder. Trainiert wird dreimal in der Woche beim SSV, im Winter in der Kuhberghalle. Der Sport ist für Jugendliche ab 16 geeignet, da auch mehrtägige Turniere in ganz Deutschland anstehen. Es spielen zwei Mannschaften mit je drei Spielern gegeneinander. Wer den Boden mit dem Fuß berührt, muss kurz aussetzen. Wer fünf Tore geschossen hat oder nach der zehnminütigen Spielzeit in Führung liegt, ist Sieger.

Mit dem Turnier wollte sich die neue Abteilung den Ulmern präsentieren und neue Spieler begeistern. Das nächste ist vom 22. bis 24. August in Ulm. „Wir haben den Termin extra so gelegt, denn in der darauf folgenden Woche findet in Montpellier die WM statt. Vielleicht kommen viele vorher zu uns nach Ulm“, hofft Kießling.