Die Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist selten. Etwa drei von 100.000 Einwohnern erkranken pro Jahr. Prominente Patienten wie der verstorbene Maler Jörg Immendorf oder der "Langzeitüberlebende" Physiker Stephen Hawking geben der neurologischen Erkrankung, in deren Verlauf es zu Muskelschwund und Lähmungen kommt und die meist nach drei bis fünf Jahren zum Tode führt, ein Gesicht.

Um ALS besser zu verstehen, hatte die Uni-Klinik 2010 das "ALS-Register Schwaben" eingerichtet. Es deckt eine Region mit rund 8,4 Millionen Einwohnern ab. Seither sind mithilfe von 40 Kooperationspartnern über 1000 Neuerkrankungen erfasst worden - was etwa 80 Prozent der seiter neu aufgetretenen ALS-Fälle entspricht. Durch diese Daten ist es Ulmer Wissenschaftlern um Prof. Albert Ludolph und Prof. Gabriele Nagel nun erstmals gelungen, aussagekräftige Zahlen zur Erkrankungshäufigkeit in Deutschland zu berechnen.

Das höchste ALS-Risiko besteht demnach zwischen dem 70. Und 75. Lebensjahr, Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Das Register soll vor allem langfristige Aussagen über Veränderungen der Neuerkrankungsrate und über die Prognose der Patienten ermöglichen. Zudem läuft seit 2010 eine groß angelegte Studie mit 400 ALS-Patienten: Um mögliche Risikofaktoren zu identifizieren, wurden zu jedem ALS-Fall in der Bevölkerung zufällig zwei Vergleichspersonen gesucht, erklärt Gabriele Nagel vom Institut für Epidemiologie und Medizinische Biometrie der Uni Ulm. "Alle Probanden haben einen Fragebogen zu Erkrankungen, Medikamenteneinnahme und Lebensstil ausgefüllt." Zudem seien biologische Faktoren analysiert worden, die bei der ALS-Entstehung eine Rolle spielen könnten. Die Auswertungen sind in Gange: "Wir konzentrieren uns zunächst auf Störungen des Energieumsatzes, die oft bei Krankheitsbeginn auftreten", so Ludolph.