Bildung Als Schulverweigerer doch zum Abschluss

Ulm / cik 11.08.2018

Sechs Jugendliche mit schwierigem sozialen Hintergrund haben über die Jugendhilfeeinrichtung Andere Baustelle ihren Hauptschulabschluss geschafft. Damit waren alle Schülerinnen und Schüler erfolgreich, die zur so genannten Schulfremdenprüfung angetreten sind, berichtet Geschäftsführerin Petra Schuhmann. Der Notendurchschnitt der Absolventen lag zwischen 1,6 und 3,7.

Jugendliche, die bei der Anderen Baustelle landen, sind durch die Maschen des Bildungssystems gefallen. Darunter sind Schulverweigerer, notorische Schulschwänzer und Schulversager, die wegen psychischer Blockaden die Prüfungen vermasselt haben. Zur Anderen Baustelle kommen aber auch junge Menschen, die keinen geregelten Tagesablauf kennen, psychische Probleme haben, aus desolaten familiären Situationen stammen oder mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. Häufig kommen mehrere Faktoren zusammen.

Die Jugendlichen seien wegen ihrer Biografie, vorangegangener Niederlagen und Barrieren auf besondere Unterstützung angewiesen, sagt Schuhmann. „Bei uns werden sie angenommen und ernst genommen, damit sie ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen können.“

Unkonventionelle Methoden

Die Mitarbeiter betreuen die Jugendlichen individuell, begleiten sie sozialpädagogisch und versuchen immer wieder neue, oft unkonventionelle Methoden zu finden, um die Jugendlichen zum Dranbleiben zu motivieren. Schuhmann und ihr Team freuen sich nun, dass alle sechs den Abschluss geschafft haben.

Trotz schulischer Defizite und oft schwieriger Lebensläufe hatten die Schüler so viel Motivation aufgebracht,  „um den für sie sicherlich nicht einfachen Weg zur Prüfung zu gehen“, sagt Schuhmann. „Wenn man die Vorgeschichten bedenkt und die Hürden, die sie überwinden mussten, weiß man, wie groß diese Leistung ist.“

Die Jugendhilfeeinrichtung, die vom Verein Andere Baustelle getragen wird, schreibt den Erfolg der Absolventen auch ihrem Konzept zu. Dieses „erfreuliche Ergebnis“ zeige erneut, dass ein an den Schwierigkeiten des jeweiligen Jugendlichen orientiertes Konzept, besondere Mitarbeiter und eine solide Finanzierung nötig seien, um jungen Menschen mit solchen Schwierigkeiten zum Erfolg zu verhelfen. „Ob mit oder ohne Abschluss: Junge Menschen werden von uns nicht allein gelassen“, sagt Schuhmann.

Die Andere Baustelle betreut seit mehr als 30 Jahren Jugendliche mit besonderen Problemlagen. Die Jugendhilfeeinrichtung in der Donaubastion arbeitet dabei mit mehreren Partnern zusammen.

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