Als das Kino immer breiter wurde

ABO 10.08.2012
Eine 53 Jahre alte Kino-Eintrittskarte hat uns Alfred Kristen für die Serie "Ticket, bitte!" geschickt - es war ein unvergessliches Filmerlebnis.

"Außer dem Alter scheint das nichts Besonderes zu sein", schreibt Alfred Kristen aus Illerrieden zu seiner Kino-Eintrittskarte vom Mai 1959. Es scheint tatsächlich so: Das Ticket stammt aus dem Ufa-Palast am Gänsemarkt in Hamburg, und es sieht so aus, wie Kinokarten damals eben aussahen.

Aber die Vorführung, die war schon etwas Besonderes: "Cinemiracel" nannte sich das! Bei dieser wundersamen Erfindung handelte es sich um eine Variante von "Cinerama", einem extremen Breitwand-Filmformat, für das bei der Aufnahme drei synchron laufende Kameras und bei der Wiedergabe drei entsprechende Projektoren benötigt wurden. Die Leinwand im Ufa-Palast maß damals stattliche 17,5 mal 8,2 Meter. "Das ergab eine faszinierende Weitwinkel-Perspektive", erinnert sich Kristen.

Aufgrund des aufwändigen Verfahrens gab es nur wenige Cinemiracel und Cinerama-Kinos in Deutschland, in denen liefen die Filme aber dann monatelang. Cinerama-Erfolge waren etwa "Das war der Wilde Westen" und "Die größte Geschichte aller Zeiten".

Im Hamburger Ufa-Palst wurde 1959 der Film "Windjammer" über die Atlantiküberquerung eines norwegischen Segelschulschiffs gezeigt. Bis heute sind Alfred Kristen die Aufnahmen aus der Takelage des Schiffs unvergessen. Ebenso wie die wohl spektakulärste Sequenz, in der auf Madeira in einem der berühmten Korbschlitten zum Meer gebraust wird, und der Zuschauer das Gefühl hat mitzufahren. "Das alles war so wirklichkeitsnah", sagt Kristen, "dass vielen Kinobesuchern regelrecht schlecht wurde!" Doch das ist heute - nachdem der Magen 53 Jahre lang Zeit hatte, sich wieder zu beruhigen - längst eine schöne, ja sogar cinemirakulöse Erinnerung.