Türkei So geht es Familie Tolu nach der Freilassung

 Hat endlich wieder gut lachen: Ali Riza Tolu.
 Hat endlich wieder gut lachen: Ali Riza Tolu. © Foto: Can Merey
Christoph Mayer 20.12.2017
Der Vater der bis Montag inhaftierten Ulmer Journalistin spricht über die ersten Stunden nach der Haftentlassung.

„Mesale geht es gut. Bei uns ist alles paletti.“ Ali Riza Tolu ist hörbar guter Laune, als wir ihn am Dienstagnachmittag in Istanbul anrufen. Er bittet um Verständnis, dass seine am Tag zuvor nach sieben Monaten Untersuchungshaft aus dem Gefängnis entlassene Tochter zunächst keine Interviews geben wolle. „Sie braucht jetzt ein bisschen Ruhe und will die Zeit ungestört mit ihrer Familie verbringen.“  Vor allem Mesales dreijähriger Sohn Serkan blühe auf, weil er endlich wieder beide Eltern um sich hat. „Er redet ohne Pause und erzählt ihnen alles, was er in den vergangenen Wochen erlebt hat.“

Am Montagabend hatte es zunächst noch ein Verwirrspiel gegeben. Die 33-Jährige war nicht, wie von der Gefängnisleitung zugesichert, vor der Haftanstalt ihrer dort wartenden Familie übergeben worden. Statt dessen wurde sie in einem Zivilfahrzeug der Sicherheitsbehörden auf eine Polizeiwache im Stadtteil Fatih gebracht (wir berichteten). Erst gegen 22.10 Uhr Ortszeit konnte Ali Riza Tolu seine Tochter in die Arme schließen.

Nach ihrer ersten Nacht in Freiheit sei Mesale am Dienstag erst mal in die Stadt gegangen. Um das Gefühl wiederzuerlangen, wie es ist, sich frei bewegen zu können. Und um ein paar dringend notwendige Einkäufe zu machen. „Sie hat ja nicht mal mehr eine Zahnbürste.“

Auf Tolus nähere Zukunft angesprochen, antwortet ihr Vater, dass seine Tochter baldmöglichst wieder ihre journalistische Arbeit aufnehmen wolle. „Sie ist deswegen in die Türkei gegangen. Sie will hier weitermachen, weil sie das für notwendig hält.“ Insofern sei die vom Gericht zur Auflage verhängte Ausreisesperre auch kein großes Problem für seine Tochter.

Bis zu ihrem nächsten Verhandlungstermin am 26. April darf die wegen „Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung“ angeklagte Journalistin, die zuletzt für die kleine, linke Nachrichtenagentur ETHA gearbeitet hatte, die Türkei nicht verlassen. Jeden Montag muss sie sich auf einer Polizeiwache melden. Angst? „Angst liegt nicht in unseren Genen“, sagt Ali Riza Tolu und lacht.

Mission erledigt

Für ihn selbst sei die Mission Istanbul nun erst mal beendet. „Mein Job ist erledigt, die Familie ist wieder zusammen.“ Am Mittwoch fliegt Ali Riza Tolu nach Köln, weil er in einer TV-Sendung als Gast eingeladen ist. Danach geht es zurück nach Neu-Ulm, wo die Familie wohnt. „Ich habe ja noch andere Enkelkinder. Die wollen ihren Opa jetzt auch mal sehen. Und ich habe sie in den vergangenen Monaten alle sehr vermisst.“