Amtsgericht Kommissar soll Geld unterschlagen haben

Ulm / Rudi Kübler 18.07.2018

Manche Tage sind gebrauchte Tage. Der zweite Verhandlungstag im Prozess gegen den 50-jährigen Kriminalkommissar, der sich wegen versuchter Strafvereitelung sowie Unterschlagung von Geldbußen und Sicherheitsleistungen vor dem Amtsgericht verantworten muss, war aus Sicht der Verteidiger so ein Tag. Jeder Zeuge, der am Dienstag aufmarschierte – und es waren sieben an der Zahl –, ritt ihren Mandanten noch etwas tiefer in die braune Masse, die niemand am Schuh haben will. Und es waren nicht nur Gerüchte, die die Polizeibeamten über ihren Kollegen verbreiteten, der jetzt seit fast drei Jahren vom Dienst suspendiert ist.

Dass er alles abfragen müsse – auch Gerüchte – habe mit dem Verhalten des Angeklagten zu tun, der zu den Vorwürfen schweige, begründete Richter Alexander Spengler sein Vorgehen und verwies namentlich auf einen Vorsitzenden Richter am Ulmer Landgericht, „der in solchen Fällen so lange bohrt, bis er auf der anderen Seite der Erde rauskommt“.

Nun ja, bohren musste Spengler nicht. Die Zeugen plauderten aus dem Nähkästchen, der Tenor: Ganz gleich, wo der Kommissar Dienst tat, immer fehlte etwas. Vorzugsweise Geld. Die einen wollten erst im Nachhinein von diesem Gerücht gehört haben; ein anderer, der stellvertretende Leiter des Reviers West, hatte davor gewarnt, den Kollegen als Urlaubsvertretung im Geschäftszimmer einzusetzen – wegen dessen Vergangenheit.

Geld aus Versehen eingepackt

Just aus dem Geschäftszimmer waren dann im Juli 2015 125 Euro verschwunden, die ein polnischer Autofahrer nach einer Tempoüberschreitung hatte leisten müssen. „Das ist noch nie passiert, vorher nicht, nachher nicht“, sagte die Kommissarin, die das Geschäftszimmer führt. Das Büro sei „auf links“ gedreht worden, so der Revierleiter. Ohne Erfolg, die 125 Euro blieben verschwunden – bis der Angeklagte noch am selben Abend telefonisch mitteilte, er habe das Geld aus Versehen mit anderen Akten nach Hause mitgenommen.

Seltsam freilich war zweierlei: Zum einen wurde die E-Mail gelöscht, in der ein Polizeibeamter mitgeteilt hatte, dass er eine Sicherheitsleistung erhoben habe. Zum anderen hatte der Kommissar den Betrag in einer anderen Stückelung zurückgebracht. Das ergaben Recherchen bei der Ulmer Bank, wo der Pole das Geld abgehoben hatte.

Nachdem der Kommissar suspendiert worden war, entdeckte die Innenrevision weitere Unregelmäßigkeiten. Der 50-jährige hatte Geldbußen nicht weitergeleitet, Vorgänge nicht weiterverfolgt, sondern einfach ad acta gelegt – und eine Sicherheitsleistung in Höhe von 5000 Euro unterschlagen. Der mit der Aufarbeitung befasste Erste Kriminalhauptkommissar sagte: „Ich bin persönlich enttäuscht.“

Die Verteidiger wollen am dritten Prozesstag (7. August, 9 Uhr) die Disziplinarakte ihres Mandanten sehen. Ob das zum Vorteil des Kommissars ist?

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