Ulm Allergisch gegen Ambrosia?

CAROLIN STÜWE 07.08.2012
Das Traubenkraut Ambrosia kann manchen Menschen ganz schön zusetzen. Die Uniklinik für Dermatologie und Allergologie untersucht, ob man noch im Alter Allergien entwickelt. Testpersonen können sich melden.

Ein starker Heuschnupfen, eine Bindehautentzündung, ein juckendes Ekzem oder gar Asthma - so können sich allergische Reaktionen auf Pollen des beifußblättrigen Traubenkrauts (lat. Ambrosia artemisiifolia) auswirken. Das dem weitgehend harmlosen Beifuß - er hat grauweiß-filzige Blattunterseiten - ähnliche Kraut macht inzwischen auch den Menschen in Deutschland zu schaffen. Denn die Klimaerwärmung lässt die ursprünglich in Nordamerika beheimatete Pflanze mittlerweile genauso gut in Europa überleben.

Das Traubenkraut kommt - beispielsweise auch im Alb-Donau-Kreis - an Wegrändern, auf Schutthalden, wegen der Erdtransporte in Neubaugebieten, am Waldrand sowie in Gärten und Parks vor. "Die Samen sind 15 bis 20 hundertstel Millimeter klein, kleben oft im Vogelwinterfutter unsichtbar an den Sonnenblumenkernen und säen sich somit selbst aus", sagt Dr. Christiane Pfeiffer, Allergologin an der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Universitätsklinikum Ulm. Sie leitet den klinischen Teil einer europaweiten Studie, zu der sich Institute verschiedener Disziplinen zu dem EU-geförderten Projekt "Atopica" zusammengeschlossen haben. In "Atopica" steckt das Wort Atopie, die Neigung zu Allergien. Bei dem Projekt untersuchen etwa Biophysiker den Pollenflug in Zusammenhang mit der klimatischen Veränderung, und Biologen in Großbritannien testen, ob man die Pflanze rein botanisch wieder verdrängen kann.

Die Ulmer Klinik für Dermatologie und Allergologie jedoch möchte herausfinden, ob man auch noch im Alter neue Allergien entwickeln kann. "Deshalb suchen wir Testpersonen ab 60 Jahren, die zu einer kurzen Befragung und einem kostenlosen Allergietest in unsere neuen Klinikräume auf dem Oberen Eselsberg kommen", sagt Prof. Karin Scharffetter-Kochanek, die Ärztliche Direktorin der Klinik.

Die 60- bis 89-jährigen Testpersonen, sowohl mit als auch ohne Ambrosia-Erfahrung, können bei dem Standard-Hautallergietest gleich mitprüfen lassen, ob sie beispielsweise ebenso gegen Sellerie, Melone, Birke und Katzen allergisch sind. Nach 20 Minuten zeigen sich eventuell Pusteln auf der Haut - mehr oder weniger. Wer möchte, erhält einen Allergieausweis. Damit ist es aber nicht getan: Zwei Stunden Zeit muss man schon mitbringen, weil der Proband sich vorab eine achtseitige Patienteninformation durchlesen und Fragebögen ausfüllen muss. Er wird von einem Arzt untersucht, und es werden 60 Milliliter Blut abgenommen.

"Wir wollen einerseits statistisch untersuchen, ob die Ambrosia-Allergie hier ein häufiges Problem ist und in vitro, ob der Abwehrmechanismus des Körpers derselbe ist wie in der Jugend, wenn man die Allergie erst im Alter entwickelt", erklärt Christiane Pfeiffer. Denn Kinder hatte das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg bereits in den Jahren von 2006 bis 2009 entsprechend untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass bis zu 17 Prozent der Schulanfänger zu dem Zeitpunkt für Ambrosia zumindest sensibilisiert waren. Bei ihnen wurden die entsprechenden Antigene im Blut gefunden.

In den USA sei Ambrosia bereits die Hauptursache für Allergien aller Altersgruppen. In Deutschland steht die Birke an erster Stelle. "Ideal wären für uns Personen, die sowohl gegen Ambrosia als auch gegen Birke allergisch sind, denn hierbei sind es dieselben Zellen, die gegen die Antigene reagieren", sagt die Ärztin.

Welche Maßnahmen könnte die EU frühestens in einem Jahr anhand der Untersuchungsergebnisse von "Atopica" ergreifen, angenommen, viele ältere Menschen leiden unter der Ambrosia-Allergie? Christiane Pfeiffer: Es könnte eine Arbeitsbeschaffung geben, damit das Traubenkraut großflächig entfernt wird. Oder man lässt per Flugzeug den Pollenflug abregnen. Und was kann man sofort tun? "Wer die Ambrosia heute im Garten, etwa unterm Vogelhäuschen entdeckt, sollte sie, möglichst bevor sie blüht, samt Wurzeln herausreißen. Blüht sie bereits, ziehen Sie besser Handschuhe an", rät die Allergologin.