Gegen die närrische Übermacht hatte die Stadtspitze am „Glombigen Doschdeg“ keine Chance: Um kurz vor 18 Uhr musste OB Gunter Czisch den Schlüssel fürs Rathaus rausrücken, und die Narren übernahmen das Regiment. Vorausgegangen war der Rathaus­sturm, den das Narrenkomitee (Nako) Ulm/Neu-Ulm jährlich die Donauseite wechselnd auf die Beine stellt.

Daran beteiligt sind sieben Narrenzünfte samt dem Karnevalsgilde des Kuhbergvereins und dem Fanfarenkorps. Das Nako lässt sich stets einen Wettstreit einfallen, bei dem Stadtvertreter gegen ein Team aus den eigenen Reihen antreten. Zwischen den Aufgaben gab es Showtänze und heuer eine „interdisziplinäre“ Pyramide. Rund 100 Besucher und doppelt so viele Hästräger säumten den Marktplatz.

Im Berblinger-Jubiläumsjahr lag das Motto auf der Hand und lautete „250 Jahre Schneider von Ulm“, verkündete Nako-Sprecher Peer Gombert. Dazu passte die Verkleidung von OB Gunter Czisch: Mit einer großen Schere und einer umgehängten Beinprothese gab er den Albrecht Ludwig Berblinger. Gerold Noerenberg leistete als Wachtmeister mit Pickelhaube und Uniform seinem Amtskollegen zwar Beistand, konnte aber nichts ausrichten.

Stadtvertreter gaben sich viel Mühe beim Rathaussturm

Die Stadtvertreter gaben sich bei den Aufgaben alle Mühe und bewiesen durchaus Fachwissen: Dass der Schneider eben nicht mit einem Schlauchboot und auch nicht von der Geierbastion die Iller überqueren wollte. Aber das half herzlich wenig: Die Narren waren meist schneller und zogen schon in der ersten Runde mit deutlich mehr Punkten davon.

Der Rückstand ließ sich nicht aufholen, auch als andere Fähigkeiten gefragt waren: handwerkliche oder koordinatorische zum Beispiel. Denn es galt, ein Stadtwappen zu weben und ein Lauf-Puzzle zu erledigen.

In der letzten Runde musste Stadtrat Reinhold Eichhorn eine Mini-Version des Fluggeräts von Berblinger aus fünf Teilen zusammenbauen. Das gelang gut: Eichhorn war schneller fertig als der Konkurrent. Allerdings machte beim anschließenden Praxistest der rot-weiße  Flieger erst einen Rückwärts-Looping und legte dann eine krachende Bruchlandung hin. „Damit hast Du den Berblinger ja direkt nachgestellt“, meinte Gombert aufmunternd. Aber der Punkt ging wieder an die Gegenseite, deren Flugobjekt wohlbehalten ankam.

Also hatte der Schneider-OB keine Wahl und die Macht wechselte die Seite – bis Aschermittwoch. Sogleich hisste das Nako am Rathaus ihr großes Transparent und verkündete das Narrenrecht.