Mit "Alice im Wunderland" und "Alice hinter den Spiegeln" hat Lewis Carroll Klassiker geschaffen, die Erwachsene und Kinder begeistern. Mit gerade mal 18 bearbeitete Nick Körber die Bücher für die Bühne, und jetzt, zwei Jahre später, inszenierte er seine Wunderlandgeschichte "Alice" für das Akademietheater auf dem Unteren Kuhberg.

Ein männlicher Alice, überzeugend gespielt von Dennis Hurler, steht abgekapselt hinter Glas. Er verweigert den Kontakt mit anderen, wird von Klassenkameraden gehänselt, spielt lieber mit seiner Mutter Karten. Bis er eines Tages Drogen probiert und den Hasen sieht, der ihn ins Wunderland lockt. Was er dort erlebt, ist in der Inszenierung spannend, facettenreich sowie sprachlich und schauspielerisch auf hohem Niveau zu erleben.

Hannah J. Elischer brilliert als allwissende Raupe Absulem, kichert sich hysterisch als Grinsekatze durch das Teezeremoniell und stellt dabei ihre verrückten Fragen oder hoppelt als Kaninchen der Zeit hinterher. Ja, Nick Körber verlangt den Schauspielern einiges ab. Melly Schmidt überzeugt als wollüstige Queen oder Herzkönigin, die sich halbnackt in der Badewanne mit einem Stück Fleisch orgiastisch rekelt. Sie ist eine Tyrannin, die die Zeit anhält, um die eigene Schönheit zu bewahren, und alle köpfen lässt, die sie langweilen - und gleichzeitig ist sie Unterworfene der eigenen Lust. Die karge Bühne, in der nur ein offener weißer Kasten und einzelne Requisiten stehen, wird von allen drei Schauspielern hervorragend bespielt. Der Kasten dient zum Abstieg ins Wunderland, als Tisch oder auch als Badewanne. Auch das blutrote Licht für die Herzkönigin ist stimmig.

Allerdings darf der Gedanke der Rebellion des 16-jährigen Alice in Frage gestellt werden, da eine Auflehnung ja bewusst und nicht im Drogenrausch geschehen sollte. So wirkt das Ende moralisch zu dick aufgetragen, und es ist dann auch nicht nachvollziehbar, woher dieser plötzliche Hass auf die Mutter kam. Aber "Alice" macht nachdenklich, ist auf jeden Fall sehenswert.