Alfred Bradler nähert sich der documenta

Buchen mit roten Manschetten. Alfred Bradler realisiert in Kassel ökologische Kunst. Foto: Jürgen Kanold
Buchen mit roten Manschetten. Alfred Bradler realisiert in Kassel ökologische Kunst. Foto: Jürgen Kanold
JÜRGEN KANOLD 14.06.2012
Ein Ulmer Künstler auf der documenta 13? Alfred Bradler nähert sich privat dem Großereignis und zeigt im Kasseler Habichtswald "bleeding trees".

Der Habichtswald hinter dem Bergpark Wilhelmshöhe mit der Statue des Herkules - das ist ein wunderbares Naherholungsgebiet über Kassel. Das Hotel "Elfbuchen" gehört zu den Ausflugslokalen, und an jenem Mittwoch vergangener Woche, als Carolyn Christov-Bakargiev die documenta 13 eröffnet, herrscht dort morgens um neun vollkommene Waldesruhe. Was das miteinander zu tun hat?

Sieht man an diesem Morgen vor dem Hotel "Elfbuchen" gewissermaßen vor lauter Bäumen die Kunst nicht? Doch: Einige Buchen tragen in ungefähr drei Metern Höhe eine rote Manschette und sind damit Teil des Land-Art-Projekts "bleeding trees" . Der Ulmer Künstler Alfred Bradler (bekannt für seine Sapris) möchte 600 Buchen markieren, um mit diesen "blutenden Bäumen" gegen die Zerstörung der Natur zu protestieren. Am 23. Juni soll diese "Flächenskulptur", genehmigt von der hessischen Forstverwaltung, fertig sein: zu sehen dann bis 21. September.

"Aus Anlass der diesjährigen dOCUMENTA (13) realisiert . . .", heißt es in einer Pressemitteilung der von Raimund Kast kuratierten Bradler-Installation. An anderer Stelle: "Ökologie ist einer der Schwerpunkte der diesjährigen Kasseler Dokumenta . . ." Nein, als Christov-Bakargiev an besagtem Mittwoch die Liste der documenta-Künstler bekanntgab, war von Alfred Bradler trotzdem nicht die Rede. Er gehört nicht dazu. Es kommt jetzt nicht auf Buchstaben an, aber vielleicht ist es auch schon eine Kunst, sich derart dreist im Umfeld der weltweit beachteten documenta zu platzieren.

Hat die documenta reagiert? "Man ist dort sehr angetan", sagte Alfred Bradler zur SÜDWEST PRESSE, die Presseabteilung sei sehr hilfsbereit und aufgeschlossen. Er fühle sich wohl als "nicht ungeliebter Satellit", meint Bradler und markiert seine Präsenz in Kassel weiter: 170 Bäume trugen vorgestern eine rote Binde.