Ulm/Dornstadt Albabstieg: Tunnelbau startet im März

Ulm/Dornstadt / JÜRGEN BUCHTA 17.10.2013
Jetzt wird es konkret. Der Bau des Schnellbahntunnels zwischen Dornstadt und Ulm startet im kommenden März. Von da an wird 30 Monate lang an sieben Tagen die Woche rund um die Uhr geschafft.

Stadtrat Gerhard Bühler hatte mit 50 Teilnehmern gerechnet. Es wurden 230, die sich am Dienstagabend in den Schönenberg-Halle einfanden, um zu erfahren, was auf sie zukommt, sobald der Tunnelbau startet. Auf Anregung von Bühler und den Freien Wählern waren Projektleiter Dr. Stefan Kielbassa und sein Team nach Lehr gekommen, um zweieinhalb Stunden lang detailliert über die anstehenden Arbeitsabläufe zu berichten und die Fragen der Besucher zu beantworten.

Die bewegten sich in einer sachlich interessierten Atmosphäre und bezogen sich hauptsächlich auf die zu erwartenden Verkehrsprobleme. Auch suchten die Versammelten Gewissheit, dass weder sie noch ihr Eigentum unter den Sprengungen beim Tunnelbau und dem späteren Bahnbetrieb zu leiden haben.

Wie berichtet, sind die Arbeiten zum Bau des 5,9 Kilometer langen Albabstiegstunnels zwischen dem Lerchenfeld und dem Ulmer Hauptbahnhof an eine Arbeitsgemeinschaft unter der Federführung der Firma Züblin in Stuttgart vergeben worden. Co-Partner ist die Firma Max Bögl mit Sitz in Neumarkt in der Oberpfalz.

Im kommenden Frühjahr geht es an den Fels. Der Baustart ist für März festgesetzt. Das Graben des Tunnels selbst soll Ende April oder Anfang Mai beginnen. Anders als die großen Tunnel durch die Alpen wird der Albabstiegstunnel nicht mit riesigen Maschinen gebohrt. Sondern Bagger graben, weil das im Juragestein praktikabler und wohl auch wirtschaftlicher ist, das Material aus und, wo nötig, werden ein bis zwei Meter große Scheiben aus dem Fels herausgesprengt. Nach jedem Stück wird sofort die äußere Hülle in Spritzbetonweise erstellt.

Gestartet wird gleichzeitig im Lehrer Tal, wo neben dem Berliner Ring der "Zwischenangriff" in Richtung Hauptbahnhof wie nach Norden erfolgen wird, und im Lerchenfeld. Dazu entstehen im Lehrer Tal wie auch zwischen dem Lerchenfeld und der Autobahn zwei riesige Arbeits- und Lagerplätze.

Die Baustelle südlich der Autobahn werde etwa einen Kilometer lang und 400 Meter breit, hieß es. Sie wird über den Lerchenfeldweg angefahren, der dazu zweispurig ausgebaut wird. Für die Besucher des Biathlongeländes werde ein Fußweg geschaffen. Für die Bauern, die ihre Äckern anfahren müssen, werde ein Feldweg um die eingezäunte Baustelle herum angelegt. Angrenzend an die Baustelle entsteht eine etwa 20 Meter hohe Aufschüttung aus dem Erdaushub. Für Gestein, das entweder vor Ort verkleinert oder für den Abtransport nach Westerstetten zwischengelagert wird, entsteht ein weiterer großer Platz neben den für die Arbeiten nötigen Werkstätten und Aufenthaltscontainern.

Die Baustelle im Lehrer Tal werde mit 80 000 Quadratmeter Fläche zwar etwas kleiner und, sobald die Grabungsarbeiten beendet sind, renaturiert und in landwirtschaftliche Nutzung zurückgeführt, berichten die Planer weiter. Auch entstehe dort lediglich ein Zwischenlager fürs Gestein, das von dort aus in täglich (außer sonntags) 30 Fuhren über den Berliner Ring nach Norden und 60 Fuhren über den Berliner Ring in die Steinbrüche nach Blaustein und Schelklingen abgefahren wird. Darüber hinaus entstehe im Lehrer Tal ein kleines Container-Dorf für die 200 bis 220 Arbeiter, die sich durch den Berg wühlen werden, sowie für das 60- bis 80-köpfige Planer- und Bauorganisations-Personal.

Im Tunnel werden die Züge 90 Höhenmeter überwinden. Er setzt sich aus zwei eingleisigen Röhren zusammen, die alle 500 Meter mittels Notfallröhren miteinander verbunden werden. Die Röhren liegen zwischen 6,5 und 70 Meter unter der Erdoberfläche. Uralte am Michelsberg wiederentdeckte Bierkeller werden mit 6,5 Meter überdeckt. Die Schubertstraße liegt 26, die Mozartstraße 32 Meter über den Röhren. Der Hundesportplatz im Lehrer Tal 14 Meter, der Kindergarten im Lehrer Tal 16 Meter und das Haus Lehrer Tal 7 etwa 18 Meter. Alle Grundstücks- und Hauseigentümer jeweils 50 Meter links und rechts der Röhren seien informiert. Nahezu alle Immobilien in dem Bereich seien mittlerweile beweisgesichert. Das heißt: Ihr aktueller Zustand wurde dokumentiert, um ihn mit möglichen später auftretenden Schäden vergleichen zu können.

Lehr wird nicht unterfahren. Vom Tunnel tangiert wird aber das Neubaugebiet Wengenholz, das nicht in die Beweissicherung einbezogen ist. Es entstand nach Ende der Planfeststellung für die Neubaustrecke, hieß es während der Versammlung. Allerdings liege der Tunnel dort in 70 Meter Tiefe, so dass weder Störungen nach Schäden als Folge der Bauarbeiten zu erwarten seien. Die Rohbauarbeiten sollen 2018 beendet sein. Anschließend startet der Innenausbau, der nur vom Lerchenfelder Tunnelportal aus angegangen wird. Er soll sich etwa zwei Jahre lang hinziehen. Das letzte Jahr vor Inbetriebnahme Ende 2021 sei dann noch der Betriebsprüfung vorbehalten.

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