Kuhberg Alarmstufe eins bei jedem Regenguss

Berthold Buck und seine Frau schaffen das Auspumpen meist gar nicht mehr selbst. Ihre Tochter und der Schwiegersohn müssen helfen.
Berthold Buck und seine Frau schaffen das Auspumpen meist gar nicht mehr selbst. Ihre Tochter und der Schwiegersohn müssen helfen. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Ulm / Ulrike Schleicher 19.07.2018
Die Keller von Anwohnern der Pfeifergasse am Kuhberg sind dieses Jahr bereits vier Mal voll gelaufen. Sie vermuten unter anderem, dass die Kanäle kaputt sind.

Dass sie in ihrem Leben in so eine Situation gerät, hätte sie wohl auch nicht gedacht: Martina Ganser nimmt ihre Waschmaschine nur noch in Betrieb, wenn sie zuvor auf ihrem Smart-Phone die Wetter-App kontrolliert hat. Erscheint eine Sonne, kann sie loslegen. Erscheint das Regensymbol, bleibt die Wäsche ihrer Familie schmutzig.

Dumm nur, dass diese Wettervorhersagen nicht immer zuverlässig sind. Und so passierte es, dass Martina Ganser Wäsche wusch, es regnete und ihr Keller voll lief. „Nicht nur an diesem Tag sind wir abgesoffen, sondern an allen, an denen es in diesem Jahr mal stärker geregnet hat“, sagt die Bewohnerin der Pfeifergasse am unteren Kuhberg. Und nicht nur ihr Keller musste ausgepumpt werden, sondern die einer ganzen Reihe Nachbarn ebenfalls.  Zum letzten Mal am Montag dieser Woche. Viele  trauten sich bei Regenwolken  schon gar nicht mehr aus dem Haus.

Es herrscht Verunsicherung

Die kleine Straße scheint die einzige im Wohngebiet Kuhberg zu sein, die nach wie vor Probleme bei Starkregenfällen hat. Vergangenes Jahr waren zahlreiche Straßenzüge betroffen, selbst oben am Kuhberg liefen Keller voll. Die Aufregung war groß. Inzwischen sind Abwasserrohre etwa in der Römerstraße ausgetauscht und haben einen größeren Durchmesser. Sie seien kaputt gewesen, habe sich beim Aufbaggern herausgestellt, teilte die EBU mit. Bei einer Kamerafahrt durch die Rohre zuvor waren keine Schäden festgestellt worden.

Dass die Abwasserkanäle auch hier der Grund für die überfluteten Keller sind, vermuten die Anwohner der Pfeifergasse. Zum Beispiel gehe ein größeres Rohr (50 Zentimeter Durchmesser) in ein kleineres (40 Zentimeter) über, direkt bei ihrem Haus und weiter zur Sedanstraße, wo es auch wieder zu Überflutungen gekommen sei. „Oder aber die Kanäle sind auch kaputt“, sagt Martina Ganser Wie von der EBU empfohlen, hätten ihre Nachbarn und sie von Fachleuten Rückstauklappen in die Häuser einbauen lassen und verschiedene andere Maßnahmen ergriffen. „Die Hausaufgaben sind gemacht.“ Aber die Mitarbeiter der EBU hätten die Leute – großteils ältere Menschen – verunsichert: Es seien falsche Rückstauklappen. „In meinen Augen reden sie sich nur raus.“

EBU kann nicht helfen

Das sieht Georg Scholz, Leiter der Abteilung Abwasser bei den EBU, naturgemäß anders. „Die verschiedenen Rohrdurchmesser machen nichts aus.“ Und kaputt seien die Kanäle nicht. Er verstehe, dass die Leute genervt seien, aber: „Wasser im Haus ist Sache des Eigentümers.“ Wie dort entwässert werde, könnten die EBU nicht wissen. Manchmal sei die Rückstauklappe eben nicht der Königsweg. Er sehe ein, dass der „Normalbürger“ technisch überfordert sei, aber die EBU könnten höchstens beraten. „Pläne können wir nicht machen.“

Dass viele Probleme hausgemacht sind, habe sich am Ergebnis der letztjährigen Umfrage gezeigt: „Überall dort, wo Wasser im Haus war, hat sich letztlich gezeigt, dass der Fehler an der Grundstücksentwässerung liegt.“ Scholz räumt allerdings ein, dass es auffällig ist, dass dieses Jahr am Kuhberg nur in der Pfeifergasse die Keller überlaufen. Aber Einsätze habe die Feuerwehr auch schon in anderen Stadtbezirken gehabt.

Peter Beckmann, der seinem Schwiegervater Berthold Buck beim Auspumpen des Kellers meist hilft, findet gegenseitige Schuldzuweisungen wenig zielführend. „Ein Arbeitskreis zwischen EBU und Bürgern wäre gut, da könnte man gemeinsam Lösungen suchen.“ Ganz generell glaube er, dass die Kanäle wahrscheinlich nicht mehr dem Stand der Technik entsprechen: „Viel mehr Flächen als früher sind versiegelt, mehr Häuser sind angeschlossen, und das Klima hat sich auch geändert.“

Am besten zum Ingenieurbüro

Fachleute Sanitärfirmen kennen sich mit der Entwässerung von Häusern nicht aus. Georg Scholz von den EBU empfiehlt ein Ingenieurbüro, das sich darauf spezialisiert hat.

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