Ulm Alan Parsons Live Project im Klosterhof

Lange Zeit wollte er gar nicht vor Publikum spielen, jetzt begeisterte Alan Parsons mit seinem Live Project das Ulmer Publikum.
Lange Zeit wollte er gar nicht vor Publikum spielen, jetzt begeisterte Alan Parsons mit seinem Live Project das Ulmer Publikum. © Foto: Lars Schwerdtfeger
CHRISTOPH A. SCHMIDBERGER 25.08.2014
Perfekt arrangiert: Das Publikum im Wiblinger Klosterhof wollte den scheuen Briten Alan Parsons mit seinem Live Project zwischen "Lucifer" und "La Sagrada Familia" gar nicht mehr von der Bühne lassen.

Kaum einer schafft den Spagat zwischen Kunst und Kommerz so lässig wie dieser scheue Engländer, der selbst nicht gern im Rampenlicht steht. Alan Parsons hat sich deshalb in den 1970er und 80er Jahren hinter seinem Alan Parsons Project versteckt. Mit dem reinen Studioprojekt blieb er den Fans lange Jahre das schuldig, was es am Freitag im Wiblinger Klosterhof zu erleben gab: perfekten Wohlklang mit dem Alan Parsons Live Project.

Bereits als junger Mann wirkte Parsons bei den Beatles-Alben "Abbey Road" und "Let It Be" als assistierender Toningenieur mit, später veredelte er am Mischpult Pink Floyds "Dark Side Of The Moon" und machte sich einen Namen als Produzent für Künstler wie Al Stewart, John Miles und Pilot, bevor er das nach ihm benannte Projekt ins Leben rief. Um einen harten Kern aus versierten Studiomusikern und seinem langjährigen Partner Eric Woolfson scharte Parsons von Album zu Album viele renommierte Musiker und Sänger der britischen Rockszene. Ab Ende der 70er Jahre konnte er einige Hits verbuchen. Spätere Alben waren Kritikern zu glattgebügelt, dem musikalischen Mainstream der 80er angepasst.

Aber Frühes wie "Tales Of Mystery And Imagination" genießt noch heute Kultstatus. Nie wirklich progressiver Rock, doch intelligent und spannungsreich arrangiert mit einem Sinn für massenkompatible Ohrwürmer. Das instrumentale "Lucifer", mit dem die acht Mann starke Truppe ihren Wiblinger Open-Air-Auftritt eröffnete, gemahnt gar an frühen Techno.

Zum Synthie-Beat bearbeitete Drummer Danny Thompson präzise-stoisch sein Schlagwerk. Weltraumkalte Klangteppiche aus den Keyboards von Tom Brooks hallten förmlich im Inneren des Klosterhofs wider. Nach dieser programmatischen Ouvertüre wechselten sich immer wieder kurze Instrumentals mit hymnischen Rocksongs, Disco-Stampfern und herrlich melancholischen Balladen ab - letztere fesselnd dargeboten von Sänger P. J. Olsson: der Klassiker "Time" ebenso wie die aktuelle Single "Fragile". Fünf Sänger, der heute 65-jährige Parsons eingeschlossen, intonierten das Material. Die Musiker, die wohlgemerkt nicht identisch sind mit dem ursprünglichen Alan Parsons Project, spielten allesamt auf höchst professionellem Niveau. Das zeigte sich im harmonischen Zusammenspiel mit seinem satten Sound ebenso wie bei Soloeinlagen - Todd Coopers Saxofon sorgte für steten Jubel.

Freilich haftet einer derart perfekt arrangierten Darbietung des üppigen Best-of-Repertoires immer auch etwas Kalkuliertes an. Überraschung und Natürlichkeit sind einem großen Ziel geopfert: dem Besucher den ursprünglich nur für die heimischen Kopfhörer gedachten Klangkosmos als audio-visuelles Live-Event zu präsentieren. Dies gelang mit Bravour. Bei "Eye In The Sky" hielt es das Publikum im fast ausverkauften Klosterhof nicht mehr auf den Plätzen, frenetisch klatschend und johlend holte es die Band nach den Zugaben erneut auf die Bühne - für eine "Sagrada Familia" in sakralem Ambiente.