Sie ist baff, bevor die Versteigerung angefangen hat. „Ich bin überwältigt. So viele Menschen habe ich zu dieser Zeit bisher nie gesehen“, sagt Auktionatorin Susanne Rothfuß-Wamsler und lässt ihre Augen noch einmal prüfend über die dicht besetzten Reihen schweifen. Aktion 100 000 und Ulmer helft-Organisationsleiter Karl Bacherle beschließt deshalb spontan: „Wir  fangen früher an.“

Und da lockt sie wieder, die unnachahmliche Mischung an Waren und Gutscheinen, die südlich und nördlich der Donau ihresgleichen sucht. Es geht Hammerschlag auf Hammerschlag. Auf das Nudelbrett folgen das faltbare Doppelbett, der Tandemsprung, Rollator, Weißgoldring mit Amethyst, Gutschein für Heizöl und das Einkaufswägelchen zum Hinterherziehen. „Damit sind Sie der Star auf dem Ulmer Wochenmarkt. Und können hier Ihre Sachen glei neidoa“, preist Rothfuß-Wamsler den Hackenporsche an.

Von schwäbischen Spezialitäten bis zum Riesenpinguin

Bald gibt’s den ersten Run vor zum Podium. Die 50 Kühlboxen, prall gefüllt mit schwäbischen Spezialitäten, sind heiß begehrt. Besonders bei den Besuchern mit Stehplätzen: die stabilen Plastikbehälter werden flugs zum Hocker umfunktioniert.

Sind die Ulmer besonders anlehnungsbedürftig? Laute „Ahhhs“ und begeistert klingendes Geraune gibt es immer dann, wenn Kuscheltiere aufgerufen werden – der Riesenpinguin etwa oder der Fantasie-Fisch mit Horn am Hirn, dem Rothfuß-Wamsler im Affekt die Bezeichnung Nashornwal verpasst.

Um die Dinge unter die Leute zu bekommen, wird die Auktionatorin gerne kreativ. Doch nicht immer haben ihre Einfälle auch Erfolg. Die Idee „Am besten schließen sich hier spontan zehn Personen zusammen und steigern gemeinsam“ fällt auf wenig Gegenliebe. Wen wundert’s, bei einem Gutschein für zehn Personen Lapplandsauna.

Versteigerung für Groß und Klein ein Hit

Je später der Abend, desto fröhlicher die Stimmung. In den  Reihen ploppen die Deckel der Tupperdosen mit Verpflegung von daheim. Da bekommt auch der Sitznachbar gerne was ab – obwohl er sich gerade im Kornhausfoyer mit einer Gulaschsuppe gestärkt hat.

Der Neu-Ulmer Felix (15) ist zwar jung, aber dennoch ein alter Hase, wenn’s um die Auktion geht. Ein Raclette-Set hat er bereits ergattert, jetzt spekuliert er  auf eines der Joghurt-Mandarinen-Lebensmittelpakete, denn das „gehört einfach dazu“.

Der rote Faden des Events  sind Schönheits-Ampullen, die hautstraffende Wirkung versprechen. Immer wieder ruft Rothfuß-Wamsler eines dieser Wundersets auf und frohlockt: „Nehmen Sie die Vier-Wochen-Kur. Danach kennt Sie niemand mehr.“

Einen sehr kurzfristigen Schönheitseffekt hat die Auktion dagegen auf das Konto der Aktion 100.000: Morgens um 1.10 Uhr ist es um 64.576 Euro reicher.

Info Es ist noch genügend Ware da! Die Online-Auktion startet am Montag, 9. Dezember. Mehr dazu auf der Aktions-Seite am 7. Dezember und unter www.aktion100000.de

Den Rat „Mehr stricken als strecken“ nicht beherzigt


Großer Jubel Ingrid Huber reißt die Arme hoch, als sie mit ihrem Gebot von  10 000 Euro den Zuschlag für den Renault Twingo bekommt. „Ich hab’ gedacht, ma kann sich heut mal was leischta“, kommentiert die Ulmerin die Tatsache, dass sie nach der kleinen Löwenmensch-Skulptur das Auto ersteigert hat. Die selbstständige medizinische Fußpflegerin hatte im Kornhaus ihr Strickzeug dabei. Den wohlgemeinten Rat ihrer Nebensitzerin „Nicht so viel strecken, mehr stricken“ hat die Autobesitzerin in den Wind geschlagen und mit Klaus Wuchenauer sogar noch den Einbau von Sitzheizungen ausgehandelt. Aktionsleiter Karl Bacherle gibt der Ulmerin noch einen großen goldenen Deko-Engel mit auf den Weg. Damit hat der vom Autohaus Wuchenauer gespendete schwarze Renault Twingo limited im Wert von 13 670 Euro noch ein weiteres wertvolles Sonderzubehör: einen Schutzengel.