Mit dem Verlust seiner festen Arbeitsstelle vor fast vier Jahren geriet der gelernte Industriemechaniker Johann G. (Name geändert) in einen Abwärtsstrudel, der ihn selbst fassungslos macht. Der Tiefpunkt war im Dezember erreicht. Kurz vor Weihnachten drohte ihm Obdachlosigkeit. Schnelle Hilfe war gefragt.
Ein Sozialarbeiter der Caritas-Wohnungslosenhilfe wandte sich an die Aktion 100 000 und Ulmer helft. Die konnte erreichen, dass Johann G. zumindest fürs Erste nicht ausziehen muss. Die Eineinhalb-Zimmer-Wohnung in einer Gemeinde im Alb-Donau-Kreis ist alles andere als ein Luxus-Appartement. Aber der 46-Jährige achtet darauf, dass sie blitzsauber ist. Ein kleiner Plastik-Christbaum steht auf einem Hocker, und Bilder an den Wänden machen den Raum wohnlich.
Zuletzt hatte Johann G. die 400 Euro Warmmiete nicht mehr aufbringen können. „Am 17. Dezember hätte ich die Wohnung räumen müssen“, sagt er. Die ausweglos scheinende Situation, die er sich nie habe vorstellen können, nimmt ihn sichtlich mit. Immer wieder wendet er sich ab, weil ihm die Scham die Tränen in die Augen treibt. Das lässt ihn bisweilen kaum weitersprechen. Ohnehin fällt es ihm schwer, seine verfahrene Lage zu schildern, zu der verschiedene Faktoren beigetragen haben, darunter aber insbesondere Nachforderungen der Rentenversicherung, wie er betont. Doch der Reihe nach.

Krankheit wird zum Verhängnis

Nachdem ihn der Betrieb, der in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten war, 2017 entlassen hatte, fand er einen Job über eine Zeitfirma. Eineinhalb Jahre habe er es trotz schwieriger Bedingungen ausgehalten an dem Arbeitsplatz. Schließlich habe er auf Übernahme und einen festen Vertrag gehofft. Vergebens.
Zum Verhängnis wurde ihm, dass er wegen Bandscheiben-Problemen 25 Tage krank war. „Dabei hatte ich immer versucht“, so sagt er, „die Schmerzen zu verbergen“. Bis sie ihm eines Tages kurz vor Feierabend so in die Glieder fuhren, dass er die Beine nicht mehr bewegen konnte. Er wurde mehrfach operiert, fiel ein halbes Jahr aus und bekam eine dreiwöchige Reha und Übergangsgeld von der Rentenversicherung. Schon am ersten Tag der Wiedereingliederung kam das Ende: Die Zeitfirma teilte ihm mit, dass der Betrieb ihm gekündigt hat – vermutlich, weil er auf ärztliche Anordnung hin keine schweren Lasten heben durfte. G. beantragte erneut Übergangsgeld und belegte einen Kurs zum beruflichen Wiedereinstieg, wie ihm geraten worden war. Die neunmonatige Schulung begann im März 2020 – just vor dem Lockdown. Mit dem digitalen Unterricht kam der 46-Jährige zurecht, nicht aber mit dem Wirrwarr ums Geld. Mehrmals habe die Versicherung die Bezüge auf unterschiedlichen Grundlagen und mit verschiedenen Ergebnissen berechnet, gekürzt  und schließlich auch Nachzahlungen unter anderem für Leistungen von vor zwei Jahren gefordert. Unterm Strich waren fast 1000 Euro fällig, eine Summe, die G. an den Rand der Verzweiflung brachte.

Bitteres Resümee

Inzwischen fällt es ihm schwer, den Überblick über seine Schulden zu behalten. Deshalb hat er sich mit allen Unterlagen an die Caritas gewandt. Arbeitslosengeld ist bewilligt. „Das hätte ich besser gleich beantragt, anstatt auf Kurse zum Wiedereinstieg in den Job zu setzen“, sagt  der archäologisch interessierte Mechaniker, der unter anderem ein – unbezahltes –  Praktikum beim Landesdenkmalamt absolviert hat.
Jetzt schreibt er weiter Bewerbungen, wie er es im Kurs gelernt hat, und versucht, sich nicht entmutigen zu lassen durch Absagen. Denn arbeiten möchte er so schnell wie möglich wieder. Wählerisch sei er nicht, sagt er, vermeiden müsse er nur schwere körperliche Arbeit.

Gezielte Hilfe für Johann G.


Unterstützung Wer direkt für Johann G. spenden möchte, schreibt auf die Uberweisung unter Verwendungszweck das Stichwort „Johann G.“.