Autoimmunerkrankungen, Panikattacken, Schwindelanfälle, Herzrhythmusstörungen, Depressionen: Die Liste der Krankheiten, mit denen sich Bettina S. (Name geändert) herumschlägt, ist in Wirklichkeit noch viel länger. Die Arztberichte füllen einen dicken Aktenordner. Jetzt kam ein Sturz hinzu, der die 57-Jährige im wahrsten Sinne aus der Bahn warf.
Es passierte Anfang November. Sie war auf dem Weg zu einem ehrenamtlichen Einsatz, als ihr plötzlich - „wie aus dem Nichts“ - schwindlig wurde. Sie fiel auf die Hüfte, dann aufs Gesicht. Trotzdem wollte sie von einem Bekannten nicht gleich zum Arzt begleitet, sondern erst nach Hause gebracht werden. „Denn mein Hund war ja dort ganz allein“, sagt sie.
Die Schmerzen ließen nicht nach, das Becken war gebrochen. Operation und drei Wochen Krankenhaus waren die Folge. Drei Wochen, in denen sie ihren Hund unterbringen musste. Das Geld dafür kratzte sie zusammen. Knapp ist es ohnehin. Von ihrer kleinen Erwerbsunfähigkeitsrente plus Grundsicherung bleiben ihr nach dem Abzug aller Fixkosten lediglich 290 Euro zum Leben übrig.
„Ich brauche nicht viel für mich“, sagt die gelernte Arzthelferin, die 30 Jahre lang berufstätig war. Ein Auto besitze sie nicht, sie müsste mit dem Bus in die Stadt zum Tafelladen fahren, worauf sie momentan lieber verzichte. Ihre Kleider kauft sie im Secondhand-Laden und ändert sie ab auf ihre stark abgemagerte Figur. Seit ihrem 17. Lebensjahr leidet sie unter Essstörungen. Lediglich während ihrer Schwangerschaft habe sie es geschafft, sich normal zu ernähren. Ich wollte, dass mein Kind gesund ist“, betont sie.
Ihr Sohn ist heute 30 Jahre alt, hat eine handwerkliche Ausbildung absolviert und die Meisterprüfung abgelegt. „Darauf bin ich stolz“, sagt Bettina S. Sie selbst hat als Alleinerziehende Nachtdienste geleistet in einem Pflegeheim und zusätzlich zum Vollzeitjob ihre Mutter und ihre Oma gepflegt. Als beide innerhalb weniger Monate starben, brach sie psychisch zusammen und wurde monatelang stationär behandelt. Aus dieser Zeit „weiß ich gar nicht mehr alles“, sagt sie.
Zu schwach, um beruflich wieder Fuß zu fassen, schaffte sie auch die Wiedereingliederung nicht. Sie lag mit schweren  Depressionen darnieder und dachte oft: „Hoffentlich wach’ ich morgen nicht mehr auf“. Inzwischen helfen ihr Medikamente – und ihr Hund. „Er ist mein Ein und Alles“, betont sie. Sie freut sich darauf, ihre Krücken los zu sein und wieder mit ihm Gassi gehen zu können. Das übernimmt derzeit eine Freundin, die auch fürs Hundefutter aufkommt. Denn das würde das schmale Budget der 57-Jährigen zu sehr belasten.
Getrübt wird ihre Vorfreude auf  Spaziergänge nicht nur wegen der winterlichen Temperaturen und des Matschwetters: Die Absätze ihrer Winterstiefel haben Löcher. Weil sie Einlagen benötigt, könne sie keine gebrauchten Schuhe kaufen. Ihre größte Sorge ist aber, dass beim Sturz ihre Gleitsichtbrille kaputtging. Momentan behilft sie sich mit einem „uralten“ Exemplar gegen Kurzsichtigkeit. Aber genaugenommen „sehe ich damit nichts“. Eine neue und passende Brille wäre dringend nötig, doch die kann sie sich nicht leisten.
Damit hat der Sturz im November hat das Fass zum Überlaufen gebracht, das ohnehin schon bis zur Oberkante voll war: Seit langem sind das Gefrierfach des Kühlschranks und der Backofen nicht mehr funktionsfähig. Aber damit ließe sich leben, sagt die Frührentnerin und überlegt, womit sie ihrem einzigen Enkelkind eine Weihnachtsfreude machen könnte. Ihm nichts kaufen zu können, schmerze. „Aber vielleicht kann ich ihm etwas basteln.“

Direkte Hilfe für die Seniorin


Unterstützung Wer Bettina S. einen Impuls dafür geben möchte, mehr Freude am Leben zu haben, notiert auf der Überweisung unter Verwendungszweck „Bettina S.“. Die Nummern der Spendenkonten finden Sie auf www.aktion100000.de