Covid 19 hat das 50-Jährige der Aktion 100 000 auf den Kopf gestellt. So sind etwa  aus sechs Schicksalen, die auf den Aktionsseiten immer samstags vorgestellt werden sollten, doppelt so viele geworden. Damit die Menschen in Not zügig Linderung verspüren, hat Aktionsleiter Karl Bacherle erste Beträge an fast alle Betroffenen  ausbezahlt.

„Es ist überwältigend“

Bei offenem Fenster und offener Tür überreicht er in seinem Büro den Scheck an Frank B. Der 46-Jährige hatte vor fünf Jahren seine Frau kurz nach der Geburt des dritten Kindes verloren. Danach schaffte er es nicht, seine Firma zu führen und sich gleichzeitig um drei kleine Kinder zu kümmern. Die Insolvenz hinterließ ihm 20 000 Euro Schulden. Beim Anblick des Schecks kommen Frank B. sofort die Tränen „Jetzt kann ich wieder die Zukunft gestalten, kann meine Schulden abbezahlen“, presst er heraus. Der Druck der vergangenen Jahre sei riesengroß gewesen. „Immer daran denken zu müssen, es darf nichts passieren. Allein, wenn die Waschmaschine kaputt geht, ist man verloren.“ Die Spende nehme diesen Druck. „Es ist überwältigend“, sagt er dankbar.

Angst vor der Stromrechnung genommen

Die Zwillingsbrüder W., 62 Jahre alt, beide Musiker, erscheinen mit ausdruckslosen Augen über ihren Masken. Die Männer sind in Bukarest geboren und haben ein bewegtes Leben hinter sich – unter anderem  15 Jahre in Paris. Vor der Pandemie unterrichteten sie mehr als ein Dutzend Schüler. Jetzt haben sie Angst, den Briefkasten zu öffnen – es könnte ja eine Stromrechnung drin sein. Ihr Scheck nimmt ihnen dieses mehr als mulmige Gefühl. Ihre Augenpaare glänzen.
Romy (48, Name geändert) ist
schwerstbehinderte Rolli-Fahrerin. Sie wartet im Auto, das keinen Tüv mehr bekommt, auf Mutter samt Schwager und Scheck. Bacherle besucht sie draußen. Dank der Spende wird die unternehmungslustige Frau  auch künftig mobil sein: Die Familie kann ein „neues“ gebrauchtes Auto umbauen lassen.