AFD AfD-Kreisverband löst Empörung in Ulm aus

Otl Aichers Büsten von Hans und Sophie Scholl.
Otl Aichers Büsten von Hans und Sophie Scholl. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / US 25.02.2016
Ein Kommentar des AfD-Kreisverbandes auf Facebook zu den Ulmer NS-Widerstandskämpfern Hans und Sophie Scholl, die am 22. Februar vor 73 Jahren hingerichtet wurden, hat unter den Ulmer Kandidaten von Grünen, SPD und CDU für den Landtag Empörung ausgelöst. Die Rede ist von „Geschmacklosigkeit“ (CDU), über „schamlos“ (Grüne) bis hin zu „völlig inakzeptabel“ (SPD).
Am 22. Februar hatte David Lamm, Vorstandsmitglied des CDU-Stadtverbandes, auf Facebook an den Todestag der Geschwister Scholl erinnert. Diesen Beitrag kommentierte der AfD-Kreisverband so: „Diesem kämpferischen Geist sehen wir uns in Ulm verpflichtet. Damals wie heute lief in Deutschland etwas aus dem Ruder, lasst uns gemeinsam dagegen antreten.“

Diesen Euphemismus kommentierte die Ulmer Nachrichtenseite „ulm news“: Die AfD habe wohl ein „eigenartiges Geschichtsverständnis“. Und es hagelte wütende und entsetzte Kommentare von Facebook-Nutzern. Am Mittwoch reagierten nun die Ulmer Kandidaten für den Landtag. „Mit dem Facebook Posting werde das Erbe der Geschwister Scholl zynisch reklamiert, um „unseren Staat und den mörderischen Nationalsozialismus gleichzusetzen und daraus einen irgendwie gearteten Auftrag abzuleiten, dagegen anzutreten’“, teilte CDU-Kandidat und Fraktionsvorsitzender im Ulmer Gemeinderat, Thomas Kienle mit. Das zeige ein gebrochenes Verhältnis zur Demokratie.

Der AfD Kreisverband setze durch seine Äußerung „unsere Demokratie mit der Diktatur des Faschismus gleich und vergleicht sich mit den Mitgliedern der Weißen Rose. Das ist nicht nur schamlos sondern hier wird Geschichte auf unsägliche Weise verdreht“, sagte der Grünen-Abgeordnete Jürgen Filius. Eine solche Partei, deren Mitglieder sich immer wieder unsäglich disqualifizieren, sei unwählbar.

„In ihren Flugblättern haben sie in der finstersten Zeit 1943 als junge Erwachsene bereits den Weitblick für ein gemeinsames Europa gehabt. Sie sahen den Frieden in Europa nur durch ein Europa ohne Grenzen erreichbar“, schreibt der SPD-Abgeordnete Martin Rivoir. Die AfD würde das genaue Gegenteil verkünden: Menschenverachtende Thesen gegen Flüchtlinge, Ausländer und Andersdenkende. Für ihn sei ein solcher Vergleich „völlig inakzeptabel!“ „Er zeigt, welches krude, dumme und menschenverachtende Weltbild in den Köpfen der AfD-Vertreter herrscht!“

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