Wahlkreis:Ulm (64) AfD-Kandidat Daniel Rottmann: Immer das präsenteste Thema

Daniel Rottmann schließt für sich ein Direktmandat nicht aus.
Daniel Rottmann schließt für sich ein Direktmandat nicht aus. © Foto: Matthias Kessler
Ulm / MATTHIAS STELZER 01.03.2016
Er will nicht nur über die Flüchtlingspolitik reden. Daniel Rottmann räumt aber ein, dass er sich noch nicht in Wahlkreis-Themen eingearbeitet hat. Und er bleibt dabei: Die Weiße Rose habe Vorbildcharakter für die AfD.

Der AfD-Kreisverband macht derzeit mit einer Erklärung bei Facebook Furore. Unter einem Foto von Hans und Sophie Scholl ist da zu lesen: „Diesem kämpferischen Geist sehen wir uns in Ulm verpflichtet. Damals wie heute lief in Deutschland etwas aus dem Ruder, lasst uns gemeinsam dagegen antreten.“
Herr Rottmann, was haben die AfD und die Weiße Rose gemeinsam?

DANIEL ROTTMANN: Das wirklich Faszinierende an der Weißen Rose ist, dass sie erkannt hat, dass Dinge falsch laufen und sie das dann auch benannt hat. Für uns hat das echten Vorbild-Charakter. Wir wollen kritische Punkte finden und ansprechen.

Aber setzen Sie so die Nazi-Diktatur nicht mit dem aktuellen politischen System gleich?
ROTTMANN: Es ist nicht die gleiche Tragweite. Aber schauen Sie doch mal, wie viele Hausverbote gegen AfD-Politiker erteilt wurden, wie oft versucht wurde, unsere Veranstaltungen zu verbieten und wie viele Scheiben bei unserer Veranstaltung am 6.1. in Stuttgart eingeworfen wurden. Unsere Aschermittwochs-Veranstaltung in Blaubeuren war auch eine heikle Geschichte.

Das heißt: Sie verstehen die Empörung über den Facebook-Post nicht?
ROTTMANN: Aus dem Weltbild derer heraus, die sich empören, schon. Für mich ist das absolut passend. Auch wenn die Situation eine andere ist. Bei der Weißen Rose ging es ja wirklich ums Leben. Davon sind wir im heutigen Deutschland weit entfernt.

Dann lassen Sie uns zu Ihrem Hauptthema kommen, der Flüchtlingspolitik. Soll sich das Land in Berlin für eine Obergrenze einsetzen?
ROTTMANN: Das Land soll sich dort ganz klar für die Einhaltung der geltenden Gesetze einsetzen. Dann sind wir vielleicht ganz schnell unter der diskutierten Obergrenze von 200.000. Denn alle, die beispielsweise aus Österreich kommen, sind keine Flüchtlinge und haben hier keinen Asylanspruch. Wir müssen schauen, dass wir stufenweise Lösungen finden, müssen Anreize schaffen, dass Menschen, die nicht einer unmittelbaren Bedrohung ausgesetzt sind, gar nicht erst nach Deutschland aufbrechen. Dazu wäre es wichtig, heimatnahe Lösungen zu finden. Im Moment müssen wir die Grenzen dicht machen, zumal der Massenansturm noch größer werden könnte. Aber niemand will dauerhaft Zäune. Wir müssen bei diesem Thema international kooperieren, sonst wird sich die Situation weiter verschärfen.

Und welche drei Projekte im Wahlkreis sind Ihnen am wichtigsten?
ROTTMANN: Ich muss gestehen, dass im mich bisher eher in die allgemeinen Themen eingearbeitet habe. Aber die Infrastruktur ist wichtig. Gar nicht so sehr, dass wir viele neue Straßenprojekte haben, sondern bauen, was geplant ist, und erhalten. Außerdem auf jeden Fall auch die Breitband-Erschließung. Gerade Firmen sind darauf angewiesen. Und der Erhalt der Schullandschaft. Kinder sollen kurze Wege haben.

Sind Sie für mehr Gemeinschaftsschulen im Wahlkreis?
ROTTMANN: Nein.

Ist das Gymnasium als Schulform für Sie unantastbar?
ROTTMANN: Ja. Ich habe nichts gegen eine höhere Durchlässigkeit zwischen den einzelnen Schulformen. Aber dass alle auf eine Schule gehen, dafür bin ich auch nicht. Wir stehen zum dreigliedrigen Schulsystem. Die Gymnasien müssen erhalten bleiben.

Ist die Energiewende richtig?
ROTTMANN: Nein. Nicht in der Form. Der Umstieg war total überstürzt. Wir als AfD sind für ein zehnjähriges Moratorium mit dem aktuellen Energiemix. Ich bin ganz klar, für einen guten Anteil an alternativen Energien. Die Windkrafträder auf der Alb sind schon richtig. Aber insgesamt ist vor allem Augenmaß gefragt. Auch weil es uns noch an den benötigten Stromtrassen fehlt. Da müssen ja vielerorts erst noch die Grundstücke gekauft werden.

Welche Ergebnisse erwarten Sie von der Wahl am 13. März für Ihre Partei und für Sie persönlich?
ROTTMANN: Ich kann mir vorstellen, dass es da noch ein paar Überraschungen geben wird. Ich bin mal frech. Wenn es mit den Umfragen so weiter geht, dann schließe ich ein Direktmandat nicht aus.

Das heißt, Sie wollen am Schluss vor der CDU liegen?
ROTTMANN: Ich weiß, das klingt komisch. Aber das ist das Ziel, das ich anstrebe. Ein wichtiger Faktor bei dieser Wahl sind die Nichtwähler. Die können bei der CDU durchaus zehn Prozent ausmachen.

Wie sollte das Land aus Ihrer Sicht in der kommenden Legislatur regiert werden? Und welche Koalitionen sind für Sie akzeptabel?
ROTTMANN: Kein Kommentar.

Was sind Ihre drei Schwerpunkte im Wahlkampf? Und warum?
ROTTMANN: Erstens: Die Flüchtlingspolitik. Das ist der Punkt, der die Leute am meisten bewegt. Zweitens: der Bildungsplan 2016. Da geht es um die Gender-Ideologie. Da drängt sich uns der Verdacht auf, dass es um eine Nivellierung der Geschlechter geht. Die Unterschiede zwischen Mann und Frau sollen negiert werden. Das würde den Kampf der Geschlechter eher verstärken. Und dann drittens: die Energiewende. Auch wenn mich am Infostand noch niemand auf dieses Thema angesprochen hat. Viele halten uns für eine Ein-Themen-Partei. Aber das stimmt nicht. Wir nehmen uns nur immer des präsentesten Themas an. Bei unserer Gründung war es der Euro, jetzt sind es die Flüchtlinge. Mal sehen, was danach kommt. Es könnte die Energiewende sein.

Daniel Rottmann Der 46-Jährige wurde in Lübeck-Travemünde geboren. Aufgewachsen ist er in Freudenstadt (Schwarzwald). Nach seinem Wehrdienst als Sanitäter in Stetten am Kalten Markt und Calw studierte Rottmann am Seminar der Freien evangelischen Gemeinden in Dietzhölztal (Mittelhessen) Theologie. Sein Vikariat absolvierte er in Hamburg. Ab 1998 ließ er sich zum Buchhändler ausbilden und arbeite fünf Jahre lang als Filialleiter. Nach Ulm kam Daniel Rottmann 2013 als stellvertretender Filialleiter bei Gondrom. Inzwischen arbeitet er im Lebensmitteleinzelhandel. Rottmann ist ledig. In seiner Freizeit beschäftigen ihn neben der Politik vor allem Bücher und Filme. Außerdem spielt Daniel Rottmann gerne Schach und hat das Tanzen für sich entdeckt.

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