Ulm Ärger über Blitzer auf der B10 Richtung Dornstadt

Wieder gibt es Ärger über Geschwindigkeitsüberwachungen und Temposchilder auf der B10 in Ulm.
Wieder gibt es Ärger über Geschwindigkeitsüberwachungen und Temposchilder auf der B10 in Ulm. © Foto: Maria Müssig
Ulm / RUDI KÜBLER 10.03.2013
Neues aus dem Schilderwald. Für Ärger sorgt jetzt zur Abwechslung ein fehlendes Tempo 50-Schild auf der B 10. Die Radarfalle lauert.

Unverschämtheit, Abzockerei, Frechheit – Michael Kemmer ist nicht gut auf die Stadt zu sprechen. Der Grund: Die Radarfalle auf der B 10 Richtung Dornstadt, Höhe Bleichstraße. Tempo 60 war dort immer erlaubt, er ist dort immer Tempo 60 gefahren – und auch der Bußgeldbescheid, der ihm jüngst ins Haus geflattert ist, weist eine „festgestellte Geschwindigkeit (nach Toleranzabzug) von 57 km/h“ aus.

Warum dann der Bußgeldbescheid? Weil auf der B 10 seit neuestem nurmehr 50 km/h erlaubt sind. Das Problem beginnt freilich 200 Meter vor der Radarfalle. Wer beispielsweise von Söflingen kommend über den Kreisel auf die B10 fuhr, durfte gefühlte zwei Jahrzehnte lang auf 60 beschleunigen. Damit war’s Anfang Februar aus. Das Regierungspräsidium Tübingen reduzierte die Höchstgeschwindigkeit auf der B 10 auf Tempo 50; kein Schild weist allerdings auf das geänderte Tempolimit hin. Mit dem Erfolg, dass Autofahrer reihenweise in die Falle rauschen. Kemmer: „Das ist reine Geldmacherei.“

Mit seiner Vermutung liegt Kemmer so schlecht nicht. Bei der Stadt klingelt wirklich die Kasse, wie Bernhard Gräter bei einem Anruf in der Bußgeldstelle erfahren hat. Er wurde dort ebenfalls mit 57 km/h geblitzt: 15 Euro sollte er bezahlen. Was er ebenso wenig wie Kemmer einsieht, „ich kann keine neue Regelung einhalten, wenn ich nicht darauf hingewiesen werde“. Das hat Gräter so auch der „netten Mitarbeiterin“ der Stadt mitgeteilt, die leutselig aus dem Starenkästchen plauderte, von Gräter sinngemäß zitiert: Die neuen Tempobegrenzungen brächten der Stadt Ulm ein „absolutes Rekordjahr“ ein.

Und der Herr über die Bußgeldkasse, reibt er sich die Hände? In der Stadt seien nunmal 50 km/h erlaubt, sagt Roland Häußler, Chef der Bürgerdienste, und verweist auf die vielen Artikel zum neuen Tempolimit auf der B 10. Aus den gefühlten 20 Jahren Tempo 60 ein Gewohnheitsrecht abzuleiten, „das ist fraglich“, sagt Häußler.

Fraglich ist aber auch, das Tempo zu reduzieren – und diese Änderung nicht über ein Schild anzuzeigen. Da mag die Zeitung noch so viel schreiben, in Anlehnung an Trainer Alfred „Adi“ Preissler gilt nur eines: Entscheidend ist auf der Straße.