Die Akademie für darstellende Kunst (AdK) hat eine neue Adresse. Das private Kolleg für Bühnenberufe ist jetzt in Böfingen zu finden, in der Eberhard Finckh Straße 5 – in der Nachbarschaft des Tüvs. Der Umzug war alles andere als freiwillig, aber nötig geworden, weil der Brandschutz im alten Akademietheaterhaus auf dem Kuhberg nicht mehr den Vorschriften entsprach. Das Problem: Die Räume in Böfingen stehen nur befristet zu Verfügung. Und dort gibt es auch keine Räume für das Akademietheater.

Die AdK gibt es seit 22 Jahren. Entstanden war sie aus der Not heraus, dass die Ulmer Spielstatt, eine private Schauspielschule, 1996 pleite ging. Ralf Rainer Reimann sprang in die Bresche, ermöglichte den Spielstatt-Studenten, ihr Studium zu beenden, erweiterte das Konzept der Schule, die fürderhin auch Ausbildungen für andere Bühnenberufe anbot – in wechselnden Immobilien.

2011 hat die AdK das Theaterhaus im Fort Unterer Kuhberg bezogen und zuvor erst mal für ihre Bedürfnisse umgebaut. Rund 10 000 Arbeitsstunden und 80 000 Euro an Material investierten Reimann und die Schule. Die AdK geriet dadurch auch in finanzielle Schieflage. „Doch seit vier Jahren schreiben wir schwarze Zahlen“, sagt Reimann. Die Studentenzahlen stimmten ebenfalls. Für den kostendeckenden Betrieb nötig seien 25 Studenten, derzeit seien 29 eingeschrieben.

„Dann ploppte plötzlich das Thema Brandschutz auf“, sagt  Reimann, der selbstkritisch zugibt, sich nicht nach den Vorschriften erkundigt zu haben, als er die Sanierung des 1910 erbauten Hauses in Angriff nahm. Besitzer des Grundstücks ist die Stadt, sie hat es einst vom Bund übernommen. Eigentümer der Immobilie ist, da Erbpächter, aber der Förderkreis für Waldorfpädagogik am Illerblick Ulm. Bei ihm hatten AdK und Akademietheater die Räume gemietet – äußerst günstig. Inklusive Nebenkosten zahlte die AdK rund 2500 Euro monatlich für rund 1000 Quadratmeter, sagt Geschäftsführerin Lisa Dietrich.

Um dort die Brandschutz-Vorschriften zu erfüllen, wären Umbauten für mindestens 750 000 Euro nötig gewesen. Der Förderverein konnte und wollte das nicht schultern. Finanzbürgermeister Martin Bendel hatte der AdK in Aussicht gestellt, dass die Stadt zwei Drittel dieser Kosten übernehmen könnte. Unter zwei Bedingungen: Die AdK müsse die Erbpacht des Hauses vom Waldorf-Verein übernehmen und ein Drittel der Kosten aufbringen. „Das war alles vorbehaltlich der Zustimmung des Gemeinderates. Ob die Politik dem zugestimmt hätte, weiß ich nicht“, sagt Bendel.

Weitere Zugeständnisse kamen für Bendel nicht in Frage. „Wir haben im städtischen Immobilienbereich ganz andere Probleme zu lösen: Es gibt Sanierungsbedarf in Schulen und Kindergärten. Das sind städtische Pflichtaufgaben, die gehen vor“, sagt er. Ob sie bei der Sanierung des Akademietheaterhauses mitspielen oder nicht, müssen die Räte jetzt auch nicht entscheiden, weil die AdK die erforderlichen 250 000 Euro nicht zusammenbekommen hat.

Von Mai bis Mitte August haben Dietrich und Reimann zwar immerhin 110 000 Euro gesammelt, das ist aber zu wenig. Ende Juli endete somit die Duldung des städtischen Baurechtsamtes für die Schule. Zum Semesterstart haben Reimann und Dietrich deshalb die Akademie nach Böfingen verlegt – in ein rund 450 Quadratmeter großes Provisorium. Bislang gibt es keinen langfristigen Mietvertrag – und auch keinen Raum für das Akademietheater.

Die Bühne, die von der Stadt mit jährlich 22 000 Euro gefördert wird, hat noch einen Aufschub bekommen, darf die bislang geplanten Aufführungen noch auf dem Kuhberg zeigen. Auch deshalb, weil das Akademietheaterhaus barrierefrei ist und im Oktober dort Peter Radtkes „Ecce Prometheus“ auf den Kuhberg uraufgeführt wird. Radtke ist einer der prominentesten behinderten deutschen Schauspieler, der sein Stück auch selbst inszeniert.

Und dann? „Wenn das Theater einige Monate nicht spielt, werden wir sicher nicht die Subventionen einfrieren“, sagt Bendel. „Wir unterstützen die AdK gerne bei der Suche nach neuen Räumen – für die Schule wie auch für das Theater“, betont er. Allerdings seien bislang keine in Sicht.

Noch Vorstellungen im Akademietheaterhaus


Autor Peter Radtke, der 1943 mit der Glasknochenkrankheit geboren wurde, ist der wohl bekannteste Schauspieler Deutschlands mit Behinderung.

Uraufführung „Ecce Prometheus“ heißt Radtkes neues Stück, das er für das Akademietheater auch in Szene setzt. In der Farce überführt Radtke die bekannten Motive der antiken Mythologie in die gesellschaftlichen Fragestellungen unserer Zeit. Am 3. Oktober, 20.15 Uhr, hat es im Akademietheater im Fort Unterer Kuhberg Vorpremiere. Uraufgeführt wird es am 14. Oktober bei Bayer Kultur in Leverkusen. Im Akademietheater wird es wieder am 19. und 20. Oktober gezeigt.